Aufregung um fehlende Feuerlöscher

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Wenn es um den Brandschutz bei großen Festen in der Gersprenzhalle geht, kennt die Feuerwehr kein Pardon – was bei der Feier der Zehntklässler manchem Elternteil den Schweiß auf die Stirn getrieben hat.

Münster - Ungläubig und mit Wut im Bauch sitzen Wolfgang Braun und Timo Kreher am Donnerstagmorgen im Münsterer Rathaus und schütteln die Köpfe. Von Kathrin Rosendorff

Vor dem Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz (Braun) und dem stellvertretenden Gemeindebrandinspektor (Kreher) liegt ein Schreiben unterschrieben von Gerhard Bonifer-Dörr samt Ehefrau Maria Dörr. Das Mitglied des Gemeindeparlaments führt darin aus, dass beim Abschlussfest der Münsterer Aueschule am Samstag den Eltern durch die Umsetzung der zahlreichen und strengen Brandschutzauflagen in der Gersprenzhalle „die Schweißperlen auf der Stirn standen“ – im vergangenen Jahr waren erhebliche Mängel im Brandschutz der Halle ans Licht gekommen.

Es gab kein Gemecker von Seiten der Eltern“, stellt Timo Kreher klar. „Am Ende haben sich Eltern und Schulleitung sogar bei uns bedankt. Wenn ich diesen Brief hier lese, bringt mich das auf die Palme.“ Tatsächlich zeigt sich Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt auf Nachfrage überrascht von Bonifer-Dörrs Schreiben. „Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr war gut, ohne sie wäre das Fest nicht möglich gewesen“, sagt Behling-Schmidt.

Die Brandschutzmängel der Gersprenzhalle sind ja schon lange bekannt und deswegen gibt es nun diese verschärften Brandschutzauflagen bei Großveranstaltungen. Die verlangen auch, dass die Feuerwehr vor Ort ist und dass beispielsweise keine entflammbare Dekoration im Raum hängt“, führt Brandschutzexperte Wolfgang Braun aus.

Kühlschrank stand im Weg

Wir hätten die Halle auch einfach schließen lassen können, weil trotz Absprache viele Dinge 45 Minuten vor Öffnung der Halle noch nicht so waren, wie vorher mit Elternkomitee und Schulleitung abgesprochen“, ergänzt Kreher. So seien die Flucht- und Rettungswege nicht frei gewesen: Ein Kühlschrank und ein Ausgabetisch standen noch im Weg, Sonnenschirme mussten weg, weil sie leicht entflammbar waren und es fehlten Feuerlöscher, die dann aus der benachbarten Schule geholt wurden.

Was die Feier der Zehntklässler dann tatsächlich fast zum Kippen gebracht hätte, war die nicht funktionierende Fluchtwegs- und Notausgangsbeleuchtung. „Wir haben dann vier Handlampen organisiert und den Eltern für den Notfall in die Hand gedrückt“, sagt Brandinspektor Kreher.

Gemeindesprecherin Nicole Ulrich betont: „Die Auflagen sind ja zum Schutz der Eltern und ihrer Kinder da, nicht aus Schikane.“ Dass die Notbeleuchtung nicht funktionierte, dafür seien aber weder Eltern noch Schulleiterin verantwortlich: „Das Problem waren Abstimmungsschwierigkeit zwischen Gemeinde und dem Landkreis, die sich die Verantwortung für die Gersprenzhalle teilen“, sagt die Gemeinde-Sprecherin. Der Landkreis ist für die Beleuchtung der Notausgänge zuständig. „Im Januar haben wir die Notausgangsbeleuchtung komplett erneuert“, erläutert Jutta Janzen, Pressesprecherin des Landkreises.

Am Ende viel über Sicherheit gelernt

Kreher und Braun ärgern sich auch über Bonifer-Dörrs Satz: „...dass dem für die Verpflegung zuständigen Caterer, das bereits aufgebaute Buffet am Abend kurzfristig wieder abgebaut wurde, weil dem Brandschutz plötzlich die Tischdecken missfielen.“ Die Speisen seien keineswegs schon auf dem Tisch gestanden und die Tischdecken mussten weg, weil sie – trotz Absprache – leicht entflammbar gewesen seien.

Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt betont: „Bei allem Dank an die Brandschützer muss ich auch sagen, dass die strengen Auflagen für uns schon eine unglaubliche Umstellung sind, und wir mit ihnen schon etwas überfordert waren. Es kann einfach nicht sein, dass die Brandschutzmängel auf Laien abgewälzt werden.“

Dass tatsächlich viel Schweiß geflossen sei, berichtet auch Michael Weber, leitender Organisator des Elternkomitees: „Aber wir haben die Probleme mit Hilfe der Feuerwehr und Eltern-Engagement schnell in den Griff bekommen.“ Und am Ende habe man viel über Sicherheit gelernt und trotz spärlicher Deko viel Spaß gehabt.

Quelle: op-online.de

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