Ausstellung widmet sich Sinti und Roma

Feste, aber falsche Bilder von „Zigeunern“

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Der Verfolgung von Sinti und Roma widmet sich eine Ausstellung in Eppertshausen.

Münster - Zwei Dutzend Tafeln Wissenschaft, null Raum für Vorurteile: Im Rathaus Eppertshausen ist jetzt die illustrierte Ausstellung „Hornhaut auf der Seele“ eröffnet worden. Sie widmet sich – so der Untertitel – der „Geschichte zur Verfolgung der Sinti und Roma in Hessen“.

Normalerweise sei er einverstanden, wenn 30 Leute zu vergleichbaren Veranstaltungen kämen, meinte Dr. Udo Engbring-Romang vor Beginn am Sonntag. 20 Minuten vor der offiziellen Eröffnung der Vernissage mit einem Einführungsvortrag des verantwortlich zeichnenden Wissenschaftsautoren und – unter anderem – Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Antiziganismusforschung (Marburg, widmet sich vor allem dem Thema Sinti und Roma und den fest verankerten Vorurteilen gegen sie) waren die Stuhlreihen im Rathaus noch leer. Als Engbring-Romang dann vortrug, zeugten allerdings fast 60 Gäste von einem relativ großen Interesse.

Einige waren vorab schon kurz durch Erdgeschoss und ersten Stock des Rathauses geschlendert, wo insgesamt zwei Dutzend Schautafeln die schwierigen letzten Jahrhunderte der oft als „Zigeuner“ bezeichneten Sinti und Roma Revue passieren lassen. „Zigeunerbilder“, also Vorurteile gegen diese Bevölkerungsgruppe, gebe es bereits seit dem 16. Jahrhundert, ist dort beispielsweise zu erfahren.

Heiden, Vagabunden oder Zigeuner

Zu Beginn der Neuzeit nannten viele die Sinti und Roma – politisch ebenfalls nicht korrekt – „Heiden“, was damals so etwas wie „Fremde“ bedeutete. Aus den „Heiden“ wurde im Sprachgebrauch über die Jahrhunderte auch „Vagabunden“ und schließlich „Zigeuner“.

Immer mit den Vorurteilen verknüpft: Die Sinti und Roma hätten in erster Linie vom Betteln, Betrügen und Stehlen gelebt, bestenfalls von Arbeit als Kesselflicker oder Künstler. Eine Anklage, die die Ausstellung erhebt, widerlegen möchte und auch auf die Region herunterbricht: Chronisten, Theologen, Schriftsteller, Künstler, aber auch Wissenschaftler verbreiteten seit fast 600 Jahren Vorstellungen vom Leben und Wesen der Sinti und Roma, ohne je persönlich Kontakt zu ihnen gepflegt zu haben. Die Ausstellung kann bis Freitag kostenfrei zu den Rathaus-Öffnungszeiten besichtigt werden.

jd

Quelle: op-online.de

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