Gestaunt über die Döner, Biergärten und Heidelberg

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Da tanzt nicht nur der Bär, wenn auf der Aue die Chinesen zum Abschiedsgrillfest eingeladen sind.

Münster (tm) - „Das Klettern in Wiesbaden – das werde ich niemals vergessen!“ Die 16-jährige Chen Yao erinnert sich gerne zurück an den Tag in der hessischen Landeshauptstadt, den sie gemeinsam mit ihrer deutschen Freundin Lena Burkhard (14) verbrachte.

„Kletterparks gibt es nicht in China, und so war unser Ausflug dorthin ein echter Höhepunkt für Yao“, erklärt Lena. Sie sitzen nebeneinander auf einer Bank, mitten auf dem Hof der Aueschule. Und feiern dort gemeinsam mit knapp 100 weiteren Menschen – darunter Schüler, Lehrer und Gasteltern – den zurückliegenden Aufenthalt an der Aueschule, der am Donnerstag zu Ende ging.

Verständigungsprobleme gab es zwischen den 25 deutschen und 25 chinesischen Schülern nicht – davon berichten Yao und Lena. „Mit Englisch lief das schon ganz gut. Und wenn wir mal nicht weiterkamen, dann haben wir uns eben über Körpersignale unterhalten“, erzählt Lena. Aueschüler Leon Langhorst (14) spielte mit seinem chinesischen Freund Wang Yun (16) Basketball, genoss mit ihm leckere Döner oder den Braten von der Mama. „Döner kannte Yun nicht, das war für ihn eine Premiere“, sagt Leon. Beim Schwimmbadbesuch in Dieburg habe der Gast aus Fernost ganz große Augen gemacht: „Das war sehr sauber und komfortabel – anders als bei uns“, schwärmte Yun. Am Abend war sein chinesischer Freund häufig sehr früh müde - die Zeitumstellung machte sich bemerkbar. Dennoch zogen die Jugendlichen gerne durch Münster und genossen mit den anderen deutschen und chinesischen Schülern die lauen Sommerabende.

Unter der Woche schipperten Chinesen und Deutsche bei 35 Grad über den Rhein und sahen sich bei ebenso hohen Temperaturen Städte wie Darmstadt, Frankfurt und Heidelberg an. Das Wochenende verbrachten die chinesischen Schüler dann bei ihren Gastfamilien. Die Aue-Lehrer Ingrid Arnold-Berndt, Sabine Fengel, Falk Schmidt und Holger Meixner organisierten an den „freien Tagen“ für ihre chinesischen Kollegen Yang Jiaoli, Yang Quingshuang sowie den stellvertretenden Schuldirektor Zhang Yunlong ein buntes Unterhaltungsprogramm: Freitagabend gab’s Live-Musik im „An Sibinh“ in Darmstadt, Samstag ging’s nach Aschaffenburg mit Einkehr in einem echten bayerischen Biergarten – für Zhang Yunlong ein Ort, den er „nie vergessen“ wird.

Besuch im Gruberhof-Museum

Sonntags erkundeten die Lehrer schließlich altes, deutsches Brauchtum, das im Groß-Umstädter Gruberhof-Museum bestaunt werden konnte. Die Chinesen schnippelten dort Weißkraut als Grundlage für das typisch deutsche Sauerkraut, backten Waffeln und schauten sich im Museum an, wie die Deutschen vor 100 Jahren wohnten. Anschließend organisierte Lehrerin Fengel eine kleine „Umstädter Weinprobe“ auf einer Wiese neben dem Gruberhof: „Dieses Picknick bleibt mir in besonders guter Erinnerung“, schwärmt Yang Jiaoli.

Viel zu erzählen haben auch die Eltern der deutschen Schüler, die die Chinesen bei sich aufnahmen. Gaby Naumann, deren Sohn Sven am Austauschprogramm teilnimmt, servierte ihrem Chinesen Wang Zheren Gulasch mit Klößen und Schnitzel: „Er sollte einen Einblick in unsere deutsche Küche erhalten. Ihm hat’s geschmeckt.“ Auch bei der Freizeitgestaltung legten sich die Eltern mächtig ins Zeug: Am Wochenende unternahmen die Naumanns und Neumanns Ausflüge zum Kletterwald nach Darmstadt, zum Flughafen und nach Speyer.

Die Chinesen genossen die Gastfreundschaft der Münsterer und fliegen mit vielen Impressionen im Gepäck zurück. Ende September können sich Lena, Leon, Sven und René gemeinsam mit weiteren 21 Aueschülern auf eine für die unvergessliche Zeit freuen: Für zwei Wochen bereisen sie dann China.

Quelle: op-online.de

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