B 26-Plan erregt Gemüter

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Die beiden viel debattierten Anschlusspunkte Altheims an die geplante B 26 auf der Karte.

Altheim ‐ „Am besten, sie lassen alles wie es ist. Ihre Planungen verschlimmern unsere Situation ja nur.“ Von Thomas Meier

Für diesen Rat eines Besuchers der Bürgerversammlung in der Sport- und Kulturhalle gab es gegen Ende der rund zweieinhalbstündigen Vorstellung und Diskussion des geplanten Ausbaus der B 26 lauten Beifall der rund 100 Interessierten, die auf Einladung der Gemeinde gekommen waren. Markus Schmitt vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) in Darmstadt und Roland Pawandenat vom Ingenieurbüro Eibs wurden mit einer Fülle von Anregungen, Änderungsaufträgen und Wünschen entlassen. Trotz visueller Überflugsimulation und zahlreichen Erläuterungen sahen viele Teilnehmer am Mittwochabend ihre Fragen unzureichend oder gar nicht beantwortet. Hauptknackpunkte waren eine mit dem Ausbau einhergehende größere Lärmbelästigung, die von den Planern nicht in Abrede gestellt wurde, und die optische Landschaftsverschandelung durch den bis zu sechs Meter hohen Fahrbahndamm der neuen, parallel zur alten gebauten Bundesstraße 26.

Die Diskussion um den Ausbau ist alt. Widerstand gegen die Pläne, die einen dreispurigen Ausbau zwischen Dieburg und Sickenhofen mit wechselseitigen Überholmöglichkeiten - geplant sind fünf Wechsel auf der etwa 6,3 Kilometer langen Strecke - kamen bereits aus Babenhausen und seinen Ortsteilen, doch auch in Münster wurde massiver Widerstand deutlich.

Die neue B 26 führt parallel zur alten weiter entfernt von der Ortslage Altheims vorbei. Radler und landwirtschaftliche Fahrzeuge gelangen über eine Brücke über die neue Trasse zum Nutzweg. Eine Bedarfsampelregelung entfällt, der Weg wird sicherer.

Das Regierungspräsidium hatte 2006 beim Raumordnungsverfahren moniert, dass auf der kurzen Ausbaustrecke der Flächenverbrauch zu groß sei, wenn es in Altheim, Harpertshausen, Hergershausen und Sickenhofen Knotenpunkte - womöglich als Brücken - zum Auf- und Abfahren gäbe. Folge: Das ASV bündelte und plant nur noch mit zwei Knotenpunkten, wobei der für Münster bei Altheim ein räumlich entzerrter ist. Von Dieburg bis Altheim, Höhe Sport- und Kulturhalle, verläuft die neue Trasse in nordwestlicher Richtung abgerückt der alten B 26 nur wenig erhöht. Für die zweite Erschließung in Höhe der Münsterer Straße jedoch wird der Damm wegen einer Brücke, die über die Querung Münsterer Straße führen wird, auf bis zu sechs Meter ansteigen. Vorteil des Ganzen: Es werden keinerlei verkehrlichen Auswirkungen auf den Ortsteil Altheim zukommen. Nachteil: Durch die Hochsetzung und die höhere Geschwindigkeit - auf der neuen Trasse darf 100 km/h gefahren werden - wird´s lauter, weswegen auf die Brücke auch noch Lärmschutzwände kommen werden.

Probleme bereitet den Straßenplanern der hohe Grundwasserspiegel. Wolle man die neue B 26 auf der aktuellen Höhenlage bauen, müsse mit einer „weißen Wanne“ gearbeitet werden, einer wasserdichten Unterführung, was sehr kostspielig sei, führte Schmitt aus. Um diese Widrigkeiten zu umgehen, wird die neue Trasse auf den neuen Damm verlegt - in der Regel auf etwa ein, zwei Meter Höhe. Nur bei Altheim und bei Hergershausen wird die Höhe von sechs Metern erreicht, um für die darunter hindurch verlaufenden Straßen eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter zu gewährleisten.

Zur erhöhten Lärmbelastung gebe es schalltechnische Berechnungen, sagte Schmitt. Es werde untersucht, wie stark sich der Lärm aus der Höhe verbreitet. Es sei aber in jedem Fall so, dass durch die Höherlegung der Straße strengere Lärmgrenzwerte gelten. „Obwohl die neue Trasse von der Ortslage Altheims entfernter liegt, werden Schutzmaßnahmen vorgesehen“, versicherte Planer Schmitt.

Mehrfach kam die Frage auf, warum das Ganze veranstaltet werden soll, wenn´s denn so teuer käme. Die Verkehrsprognose, ausgerichtet auf das Jahr 2020, gehe von einer Frequenz von rund 20 000 Fahrzeugen pro Tag aus. Umgebaut oder nicht - maximal 500 Fahrzeuge mehr oder weniger mache dies aus, so die Planer. Sie versicherten, keinesfalls stelle der Ausbau der Bundesstraße eine überregionale Abkürzung oder verkappte Achse zwischen A 3 und A 5 dar. Davon wichen sie auch nicht ab, als Bürger eine Schwerlastverkehrszunahme anmahnten, die jetzt schon spürbar sei. „Kommen sie in meinen Garten, zählen sie die Laster mit Ost-Kennzeichen“, wurden die Experten eingeladen.

Schneller solle der Verkehr über die neue B 26 abgewickelt werden, sie verbessere die Erreichbarkeit der Region und schließlich habe der Bund so seine Vorstellungen, wie ein Ausbau auszusehen habe, verteidigten sich die Angegriffenen. Einwände, für den Naturschutz werde mehr getan als für die Anwohner, nahmen sie zur Kenntnis, auf EU-Richtlinien verweisend, die ihnen die Vorgaben machten. Mit vielen Änderungsvorschlägen wurden die Planer schließlich entlassen.

Quelle: op-online.de

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