Geld und Helfer fehlen

Coronavirus macht auch den Alltag im Tierheim komplizierter

+
Auszubildender Tejaye Hujo mit Hunden, die im Tierheim Babenhausen auf einem Teil des Geländes frei herumlaufen dürfen.

Das Coronavirus hat das Leben verändert. Für Menschen, aber auch für Tiere – und das nicht nur, weil mancher Vierbeiner nun zum Gassigehen in den Garten geschickt wird, statt mit Herrschen oder Frauchen durch Straßen und Wiesen zu stromern und dabei andere Tiere und deren Ausführende zu treffen.

Babenhausen/Münster – Für Menschen, aber auch für Tiere – und das nicht nur, weil mancher bellende Vierbeiner nun zum Gassigehen in den Garten geschickt wird, statt mit Herrschen oder Frauchen durch Straßen und Wiesen zu stromern und dabei andere Tiere und deren Ausführende zu treffen. Nein, es sind die Tierheimtiere und ihre Betreuer, denen Covid-19 das Leben schwer macht. So etwa in Babenhausen, wo fünf Leute seit Wochen den Alltag alleine stemmen, da die Ehrenamtlichen aus Vorsichtsgründen freigestellt sind.

„Wenn ab 4. Mai die Bestimmungen gelockert werden, können wir hoffentlich bald wenigstens die Gassigeher zurückholen“, sagt Tierheimleiterin Beate Balzer froh. Bislang häufen sie und ihre vier Mitarbeiter – Pfleger Marcus Neff, Auszubildender Tejaye Hujo und zwei Bufdis vom Bundesfreiwilligendienst – Überstunden an. „15 Stunden pro Person und Woche bestimmt“, versichert Balzer. Manch ängstliches Tier brauche mehr Aufmerksamkeit, da waren vor Corona-Zeiten die freiwilligen Helfer zur Stelle. Sieben Hunde, die nicht in der Lage sind, im Rudel frei auf dem Tierheimgelände rumzulaufen, werden nun schnell von Balzer und Kollegen in der Mittagspause ausgeführt. Und das Gewöhnen einiger Wildfänge an die Leine falle einfach flach. Aber das kann sich demnächst alles wieder ändern, hofft die Heimleiterin und Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Mit den Ehrenamtlichen kommen vielleicht demnächst auch die Besucher zurück. „Wenn jeder eine Maske aufhat, sollte das wieder erlaubt werden – genauso wie in Geschäften“, meint Balzer. Bislang müssen sich Interessenten allerdings noch Tiere per Vorauswahl auf der Webseite des Heims aussuchen, dann telefonisch einen Termin vereinbaren und erst danach das Tier kennenlernen. Damit nicht die Gefahr besteht, dass sich Besucher auf dem Gelände über den Weg laufen.

„Auf diese Weise vermitteln wir deutlich weniger Tiere als früher vor Corona“, sagt Balzer bedauernd. In zwei Wochen etwa ein bis zwei Tiere. Zum Vergleich: Sonst waren es allein drei oder vier Tiere an einem Wochenende. Dem Tierheim fällt damit seit Schließung ein Großteil der Einnahmen weg. „Ein anderes finanzielles Problem ist die Absage unseres Sommerfestes, da bis zum August alle Veranstaltungen und Feste verboten sind“, erzählt Balzer. „Und natürlich das Wegfallen der Urlaubstiere.“ Denn wenn keiner verreist, werden auch keine Tiere in Pension gegeben. Noch eine Einnahmequelle, die wegbricht. Und das bei laufenden Kosten – Tiere müssen nun mal fressen und Pflege bekommen.

„Wir brauchen weiter dringend Spenden und auch Paten für nicht mehr vermittelbare Tiere“, meint Beate Balzer und bedankt sich gleich darauf bei all den tierliebenden Menschen, die bisher in der finanziellen Notlage an ihre Schützlinge im Heim gedacht und schon „großartig gespendet“ hätten. Trotzdem bliebe der Bedarf bestehen. Auch wenn der Deutsche Tierschutzbund, die Dachorganisation der Tierschutzvereine und Tierheime, dran sei, die Möglichkeit von staatlicher Unterstützung speziell für den Tierheimbetrieb zu bewirken. „Das kann dauern!“, befürchtet sie. Im Moment werde darum gekämpft, dass Tierheime eventuell wegen Corona bewilligte Fördergelder nicht bei der nächsten Steuererklärung zurückzahlen müssten. Vielleicht hilft das Angebot des Landes Hessen, das ab dem 1. Mai auch Tierschutzinitiativen schnelle Hilfe verspricht.

„Glücklicherweise werden zumindest nicht vermehrt Tiere ausgesetzt oder bei uns abgegeben“, sagt Barbara Mosch-Schlösser, Leiterin des Münsterer Kreistierheims. Dieses Gerücht geistert durch die soziale Medienwelt. Angeblich würden immer mehr Menschen ihre Schützlinge aus Angst vor einer Ansteckung von Tier zu Mensch loswerden wollen. Speziell jetzt, da sich im New Yorker Bronx Zoo eine Tigerdame bei einem Pfleger mit dem Coronavirus infiziert haben soll und auch sechs weitere Tiere Symptome haben.

„Wir können dazu gar nichts sagen“, heißt es in der Virologie der Veterinärklinik in Gießen. Das seien die einzigen ihnen bekannten Fälle. Selbst habe man in der Klinik keine Tiere wegen des neuen Coronavirus‘ in Behandlung gehabt. Beim Deutschen Tierschutzbund hat man ebenfalls nichts von einem Ansteckungsrisiko gehört. Bleibt zu hoffen, dass die Menschen vernünftig bleiben und nicht übertrieben panisch reagieren. Und vielleicht einfach zu Zeiten der Maske auch Fiffi nicht allzu sehr mit Fremden schmusen lassen.

zkn

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare