Ministerpräsident zu Besuch in Altheimer Regenbogen-Grundschule

Mit Backpulverrakete und Boss Angie

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Mit reden allein war es für Ministerpräsident Roland Koch in der Altheimer Regenbogenschule nicht getan: Eine Backpulverrakete wollte gestartet und mit einem gelben Sack Musik gemacht werden.

Altheim - Die Regenbogenschule gehört mit ihren 150 Schülern zu den kleinsten Schulen im Landkreis. Von Michael Just

Und doch hat sie sich mit einem außergewöhnlichen Konzept in Hessen und darüber hinaus einen Namen gemacht: Mit ihrer Forscherwerkstatt wurde ein Vorzeigeprojekt entwickelt, das die Schüler schon früh mit einfachen Experimenten an die Wissenschaft heranführt und sie im Anschluss als kleine Erfinder weiter experimentieren lässt. Dafür gab es bereits regelrechte Beifallsstürme, bis hin zum Verein Deutscher Ingenieure (VDI).

Nun war weitere Prominenz zu Besuch: Auch Ministerpräsident Roland Koch wollte sich ein Bild vom erfolgreichen Nachwuchs in Altheim machen. Schulleiterin Helga Blitz zeigte sich überrascht: „Wir wissen nur, dass die Staatskanzlei vor rund einer Woche beim Staatlichen Schulamt angerufen hat und sich Schulen nennen ließ, die sich für einen Besuch eignen.“

Um kurz vor 12 Uhr hielt Kochs großer, schwarzer Bus vor der Schule, Beim Ausstieg des Ministerpräsidenten wussten die wenigsten, dass der noch kurz zuvor im Berliner Kanzleramt in Sachen Opel verhandelt hatte, bevor es mit dem „Sechs-Uhr-Flieger“ nach Frankfurt ging. „Koch hat kaum geschlafen. Dafür sieht er recht aufgeweckt aus“, scherzte Staatssekretär Dirk Metz, der noch hinterher schob, dass sich der Ministerpräsident nach der Landung noch kurz zuhause frisch gemacht hat, um dann den Haushaltsausschuss in Wiesbaden über den Stand bei Opel zu informieren. „Danach ging’s sofort hierher“, so Metz.

Für den Ministerpräsidenten hatten die Schüler mehrere Lieder und ein Theaterstück vorbereitet. Koch staunte nicht schlecht, als er von den Kindern einen gelben Sack in die Hand bekam, den er als Musikinstrument einsetzen sollte. Getreu ihrem Ruf zu außergewöhnlichen Experimenten, zeigten sie dem Gast, dass, wenn man an der Tüte zieht, schüttelt oder raschelt zusammen mit passender Hintergrundmusik eine melodische Komposition entstehen kann.

Danach war eine Frage-Antwort-Runde angesagt: Von „Wie viel verdienst du?“ über „Wo wohnst du?“ bis „Wie viele Bodyguards hast du?“ prasselten die Fragen auf Roland Koch ein. „Hast du auch einen Boss?“ fragte ein Mädchen. „Die Angie“ beantwortete ihr kleiner Nebenmann die Frage selbst. Eine Antwort gab es auch auf die Frage, ob sich Koch mit der Finanzkrise beschäftige: „Ja, sonst bekomme ich ja keine Steuern mehr“, erläuterte Koch. Danach stand für ihn ein Blick in die Forscherwerkstatt an, wo die Kinder unter anderem eine Backpulverrakete vorführten und demonstrierten, wie man ohne Nägel eine Holzbrücke bauen kann.

„Wir wollen die Schulen autonomer machen“, sagte Koch am Ende den Journalisten. Sie sollen sich in Zukunft verstärkt selbst organisieren und eigene Ideen und Profile verwirklichen.“ Laut Koch müsse man weg von dem unrealistischen Versuch, allen Schulen ein einheitliches Schulprofil geben zu wollen. Für seine Pläne habe er die sogenannte „105-Prozent-Versorgung“ vor Augen: Mit der Erhöhung des Schuletats um fünf Prozentpunkte – unter anderem für mehr Lehrer – gebe man jeder Schule mehr Geld als bisher: „Damit sollen sie ihren eigenen Schwerpunkt finden und selbst schauen, wo sie das Geld einsetzen und vielleicht sogar vermehren können.“

Vor allem Schulleiterin Helga Blitz erinnerte Koch immer wieder daran, dass die derzeitigen Finanzmittel nicht ausreichten. So bräuchte man eine weitere Kraft, die die Fortentwicklung der Forscherwerkstatt betreibt. Die vormals freie Diplom-Biologin Christa Bauer, die als Teilzeitbeschäftigte die Forscherwerkstatt aufgebaut hat, hätte man bereits aus finanziellen Gründen nicht halten können. Und auch sie selbst opfere viel Freizeit, um Lehrer auszubilden, die das Konzept der Forscherwerkstatt an anderen hessischen Grundschulen etablieren wollen. Auf die Forderung, dass man dafür an anderer Stelle sparen solle, entgegnete Koch mit einem Lächeln: „Sagen sie das mal den Polizeistationen. 80 Prozent unserer Ausgaben fließen bereits in Bildung und Sicherheit. Da bleibt wenig Luft.“ Blitz erhofft sich von der „105-prozentigen Lehrerversorgung“ ein personelles Kontingent, das die Regenbogenschule für ihre Entwicklung braucht.

Quelle: op-online.de

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