Das Badezimmer ist im Container

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Beim Architekt Michael Kramer informieren sich Luise Schmidtke und Tanja Appel von der Gemeinde Münster über die neuen Lüftungen.

Münster - Auf den Balkonen liegen Fußbodenleisten, vor dem Gebäude stehen Container und überall im Haus sind Handwerker beschäftigt: In der Goethestraße 130 und 130A wird renoviert. Von Jasmin Frank

Das Besondere daran ist, dass viele Kommunen in Zeiten knapper Kassen wenig für ihre Mietshäuser tun, zumal diese besonders günstig vermietet werden und damit keine großen Geldeinnahmen sind.

In Münster ist das anders. „Wir haben gesehen, dass an diesem Haus einiges zu erneuern war und damit wir nicht in den nächsten Jahren immer wieder daran herumstückeln müssen, haben wir uns entschieden, umfassend vorzugehen“, erläutert Tanja Appel von der Gemeinde. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Luise Schmidtke und Architekt Michael Kramer ist sie vor Ort, um während der Bauphase nach dem Rechten zu sehen. „Hier wird eine Modernisierung und energetische Sanierung vorgenommen“, erläutert Kramer und führt aus: „Im Innenbereich werden die Bäder saniert, die Klingeln und Schalter erneuert und Lüftungen eingebaut.“ Letztere sind in den Küchen der beiden Mehrfamilienhäuser sogar mit Fettfiltern ausgestattet, die sich einfach reinigen lassen. „Wir gehen von innen nach außen vor, wenn alles instand gesetzt ist, folgen die energetischen Maßnahmen, die Dämmung der Decken von Keller und Obergeschoss sowie der Fassade“, informiert Kramer weiter. Auch die Fenster wurden erneuert und wie Küche und Bad mit einem speziellen Lüftungssystem ausgestattet. „Der Vorteil ist, dass die Höhe der Luftfeuchtigkeit automatisch erkannt wird und die Lüftung erst einsetzt, wenn es notwendig ist“, erklärt Appel und zeigt auf die Vorrichtung.

Eine Menge Arbeit

Bei dem über 40 Jahre alten Gebäude gibt es viel zu tun, sodass die Mieter einige Zeit Baulärm und Staub erdulden müssen. Die Bewohner müssen zudem jeweils für einen Zeitraum von etwa drei Wochen auf ihre Badezimmer verzichten – solange dort gearbeitet wird. Zeitversetzt nutzen deshalb immer zwei Wohneinheiten Badcontainer im Hof des Gebäudes. „Die Container sind mit allem ausgestattet, was notwendig ist, sodass natürlich WC, Waschbecken und Dusche zur Verfügung stehen.

Jede Familie hat zudem für den Zeitraum der Maßnahme ihren eigenen Container“, weiß Schmidtke. Insgesamt betreut die Fachfrau von der Münsterer Bauabteilung vier Gebäude, die für einkommensschwache Menschen zur Verfügung stehen, die jedoch keine sozial geförderten Wohnungen sind. Derzeit leben neben Hartz IV Empfängern auch Alleinerziehende, Behinderte und Rentner in den Gebäuden.

„Nicht alle unserer Häuser haben Sanierungsbedarf. Zum Teil wurden sie erst erneuert, zum Teil sind einfach noch keine Maßnahmen notwendig“, führt Schmidtke aus, und weist darauf hin, dass alle Arbeiten an regionale Handwerker vergeben wurden. Bis in das neue Jahr hinein wird es noch dauern, bevor die beiden Häuser mit ihren zwölf Zwei- und Dreizimmerwohnungen in neuem Glanz erstrahlen.

Quelle: op-online.de

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