Gesucht sind echte Frühaufsteher

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Jürgen Kreher referierte über die Chancen im Bäckerhandwerk an der Aue-Schule.

Münster (tm) - „Habt Mut! Auch als Hauptschüler könnt ihr es im Arbeitsleben weit bringen!“ Bäckermeister Jürgen Kreher fand die richtigen Worte, um die knapp 50 Schüler der Aueschule für seinen Vortrag zu begeistern.

Kreher, der in Eppertshausen eine Bäckerei betreibt, stellte Ausbildungsberufe seines Handwerks vor. Und er konnte fünf Achtklässler des Hauptschulzweiges für ein „Schnupper-Praktikum“ gewinnen.

Azubis werden knapp – auch Deutschlands Bäcker suchen dringend nach Fachkräften. Ein gewichtiger Grund für diesen Nachwuchsmangel sind die unkonventionellen Arbeitszeiten, die junge Leute häufig abschrecken: „Bäcker stehen sehr früh auf – ein Arbeitstag kann für einen Lehrling um 3 Uhr morgens beginnen, für einen Gesellen sogar schon um 1.30 Uhr“, erläuterte Kreher. Ein Raunen ging durch die Reihen, verstummte jedoch rasch, als der Bäckermeister erklärte, der Arbeitstag sei dafür bereits um 10 Uhr beendet. „Super, dann hat man ja den ganzen restlichen Tag für sich! Und früh aufstehen, das mach ich gerne!“, war Achtklässler Kevin beruhigt.

Verdienst eines Bäckerlehrlings

Auch den Verdienst eines Bäckerlehrlings empfanden die Schüler nicht als zu gering: „Im ersten Ausbildungsjahr bekommt ein Bäckerlehrling 360 Euro, im dritten dann 420 Euro“, so Kreher. Derzeit lassen sich 750 junge Menschen in Hessen zum Bäcker ausbilden, darunter 60 Prozent Jungen und 40 Prozent Mädchen – der Bäckerberuf ist also kein typischer Männerberuf mehr. „Nach der Ausbildung zum Bäcker könnt ihr den Meister draufsatteln. Und mit diesem Titel könnt ihr später sogar studieren!“, führte Kreher weiter aus. 650 junge Menschen wollen derzeit in Hessen Bäckereifachverkäufer werden – in diesem Segment gibt es keine Nachwuchssorgen.

Wegen der Abschlussnoten sollten sich die Hauptschüler nicht so viele Sorgen machen: „Auch Vierer sind für mich kein Ausschlusskriterium. Bedeutender ist die persönliche Ausstrahlung eines Bewerbers“, beruhigte der Bäckermeister Schüler mit nicht ganz so guten Noten. „Respekt, Pünktlichkeit und Freundlichkeit sind mir viel wichtiger als gute Zensuren“, so Kreher weiter.

Seit 17 Jahren selbstständig

Kreher kennt sich aus in Sachen Ausbildung: Seit 17 Jahren ist er selbstständig und hat in seiner Bäckerei zwölf junge Menschen ausgebildet. Als Lehrlingswart der Bäckerinnung Darmstadt Stadt und Land ist er bereits seit 25 Jahren Mitglied im Prüfungsausschuss. „Jetzt stehen wieder Gesellenprüfungen an. Angehende Bäcker müssen neben einer theoretischen Prüfung im praktischen Teil Brötchen, eine Torte und Blätterteig herstellen“, gab der gebürtige Münsterer einen Einblick in die Prüfungsmodalitäten.

In seiner Eppertshäuser Bäckerei bietet der 46-Jährige auch Schülerpraktika an: „Für Schüler ist es sehr wichtig, Erfahrungen zu sammeln! Daher kann ich euch nur dazu aufrufen, während der Ferien in Betriebe zu gehen und freiwillige Praktika zu machen“, appellierte Kreher. Dazu brauche man sich nicht immer bewerben: Häufig genüge es auch, einfach mal beim Wunschbetrieb vorbeizukommen.

Praktikum beim Bäckerhandwerk

Mit seinem schwungvollen Vortrag konnte Kreher am Ende fünf Schüler von einem Praktikum beim Bäckerhandwerk überzeugen. „Ich will mir das mal angucken! Toll finde ich daran, dass man als Bäckerin eigentlich den ganzen Tag über für sich hat“, freute sich Achtklässlerin Sabina. Und ihr Mitschüler Kevin schätzt neben der verlockenden Freizeit tagsüber das Backen: „Ich backe gerne Muffins und zu Weihnachten Plätzchen. Ich denke, das Backen könnte mir Spaß machen.“ Die beiden wollen sich in den nächsten Ferien, „wahrscheinlich im Herbst“, um ein Praktikum bemühen.

Kreher selbst kam über ein Praktikum zum Bäckerberuf. Als Junge sei er immer gerne bei der Münsterer Bäckerei Heckwolf in der Altheimer Straße vorbeigeschlendert, aus der der wohlige, herzhafte Duft frischen Brotes stieg. Über zwei Praktika beim Bäcker Heckwolf kam er zur Lehrstelle, 1984 war er Bäckergeselle, 1989 machte er seinen Meister. 1996 übernahm Kreher dann die Bäckerei Heckwolf und zog mit seiner Bäckerei 2007 nach Eppertshausen um. „Dorthin sind mir viele Münsterer Kunden gefolgt“, freut sich der stellvertretende Obermeister der Bäckerinnung Darmstadt Stand und Land.

Quelle: op-online.de

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