Konserverdosen und allerlei Unrat

Bahnhof in Altheim verkommt zur Müllkippe

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Unbekannte entsorgen ihren Unrat im Schatten ehemaligen Wärterhäuschens und die Bahn kommt mit dem Abräumen nicht nach. Jetzt machen Anwohner und Nutzer des Parkplatzes Gemeinde und Politiker mobil. Nicht in südafrikanischen Townships und auch an keiner südamerikanischen Favela wurde diese Szenerie aufgenommen, sondern am alten Bahnwärterhäuschen neben dem heutigen Pendlerparkplatz am Bahnhof bei Altheim.

Altheim - Dass es beim Zug bunt zugeht, weiß man, wenn vom fastnachtlichen Lindwurm in Dieburg spricht. Doch bunt, wenn auch nicht lustig, geht es auch an anderen Zügen, besser: Zughaltestellen, zu. Von Thomas Meier 

Bereits am Rosenmontag entstand unser Bild zum Artikel am Bahnhof zwischen Altheim und Münster. Vor dem zigfachen überpinselten Graffito am kleinen Bahngebäude liegt eine kunterbunt zusammengewürfelte Müllhalde. Teile einer Waschmaschine, Überreste einer implodierten Fernsehröhre, Utensilien von Küchenmaschinen, leere Konserverdosen und allerlei Unrat mehr türmt sich auf.

Passanten haben, angewidert von dem Anblick, die Zeitung angerufen. Und bei der Bahn. Und der Gemeinde. Und bei den Bürgermeisterkandidaten. Und der Polizei. Und noch immer liegt der Dreck neben dem behelfsmäßigen Pendlerparkplatz an der Bahnhütte. Warum? In erster Linie, weil trotz bestens geregelter Müllabfuhr, Getrennteinsammlung und kostenlosem Kreis-Service Azur für Elektroschrott gewissenlose Zeitgenossen sich ihres Drecks in der Landschaft entsorgen. In zweiter Linie, weil gewisse Kompetenzlinien eingehalten werden wollen. Einfach nur bei der Gemeinde den Dreck melden langt nicht, denn das Areal ist der Deutschen Bahn, wird also von der Gemeinde behandelt wie ein privates Grundstück.

Ein Berg von Schriftverkehr

„Und Privatgrundstücke können wir nicht auch noch von unsachgemäß entsorgtem Müll befreien“, sagt Klaus Dony, Leiter der Abteilung für Öffentliche Ordnung im Rathaus. Das könne man dem Steuerzahlen nicht auch noch zumuten. Zuviel Unrat sammelten die Bauhofmitarbeiter schon von den städtischen Grundstücken ein. Erfahre man von Zuständen wie den jetzt zum wiederholten Male gemeldeten auf dem Bahngelände, verständige man jeweils umgehend die entsprechenden Stellen bei der DB. „Und normalerweise kümmern die sich auch zeitnah“, weiß Dony. Allerdings: „Diesmal sitzen wir bereits auf einem Berg von Schriftverkehr, der wegen genau der aktuellen Ablagerungen bereits am 17. Dezember begann.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzender (und Bürgermeisterkandidat) Gerald Frank besichtigte ebenfalls das Areal, für ihn „ein Bild des Grauens“. Ein marodes Gebäude und eine wilde Müllhalde, um die sich niemand kümmert. „Dieser Schandfleck muss beseitigt werden“, fordert Frank, der von Bürgern bei Hausbesuchen mehrfach auf dieses Problem aufmerksam gemacht worden sei, wie er betont.

Ein sehr stark frequentierter Ort

Der Altheimer Bahnhof sei ein sehr stark frequentierter Ort. „Während der Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs auf der westlichen Seite für Züge in Richtung Dieburg und Darmstadt sich einer Anlage wie aus dem Ei gepellt erfreuen kann, packt viele Pendler aus Münster und Altheim auf dem östlichen Bahnsteig in Richtung Babenhausen und Aschaffenburg das tagtägliche Grausen. Das seit rund 15 Jahren leer stehende ehemalige Wärter- und Fahrkartenhäuschen verkommt zunehmend“, fasst Frank zusammen.

Und er geht noch weiter: Die Fassade sei nicht nur verschmiert, bröckelnder Putz stelle auch eine Unfallgefahr dar, moniert der Politiker. Zentimeterdicke Teile seien bereits herabstürzt. „Auch wenn das alte Bahnhäuschen und das Gelände der Bahn gehört, müsste sich die Gemeinde darum kümmern, dass sich am untragbaren Zustand etwas ändert“, meint Frank. Er führt an, dass zum ausreichenden Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs nicht nur die Züge gehörten, sondern dass auch die Infrastruktur mit ausreichenden Parkplätzen zur Verfügung zu stellen sei.

„Hier muss gehandelt werden! Die Gemeinde ist in der Pflicht, denn es geht hier um die Anliegen ihrer Bürger. Es müssen Gespräche mit der Bahn geführt werden, um diesen untragbaren Zustand am Altheimer Bahnhof zu beseitigen“, fordert Frank, was nach Aussage des Bürgermeisters Walter Blank und seines Ordnungsamtsleiters stets geschehe.

Doch Frank will mehr: Die Bahn müsse aufgefordert werden, das marode, ungenutzte Gebäude abzureißen und den Platz als Parkplatz herzurichten. Und zwar so wie auf der anderen Seite in Richtung Darmstadt als Anlage mit Grünflächen, Bäumen und einem befestigten Parkplatz. Zudem sei der Gehweg von der Bushaltestelle zum Bahnsteig in Richtung Aschaffenburg zu verlängern. Sollte es keine Ergebnisse mit der Bahn geben, müsse die Kommune prüfen, welche Fördertöpfe bei RMV, DaDiNa, Gemeindeverkehrsfinanzierung und mehr zur Verfügung stünden, um ohne Eigenmittel die Arbeiten in Eigenregie zu übernehmen.

Quelle: op-online.de

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