Bald eigener Abitur-Standort ?

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Die Aue-Schule Münster soll bei entsprechender Entwicklung der Schülerzahl eine eigene gymnasiale Oberstufe bekommen. Entscheiden muss das der Kreis. In absehbarer Zeit dürfte es aber nicht dazu kommen.

Münster ‐ Sabine Behling-Schmidt muss in diesen Tagen einiges klarstellen: Für manchen – etwa im Kreisausschuss für Schule, Kultur und Sport sowie in der Nachbarstadt Dieburg – wirkte es in den vergangenen Wochen so, als würde die Schule auf der Aue das Vorhaben aufs Neue forcieren, in Münster eine Gymnasiale Oberstufe einzurichten. Von Jens Dörr

Was die Schule ohnehin nicht kann, sondern nur der Kreis als Verwalter bei Erfüllung bestimmter gesetzlicher Vorgaben. Doch Behling-Schmidt, Leiterin der Aue-Schule, dementiert auch, dass ihre Bildungseinrichtung die Idee der Oberstufe in diesen Tagen offensiver formuliert. „Wir halten prinzipiell am Plan fest, wollen uns zumindest die Option offenhalten“, sagt sie. „Doch eine Einführung ist im Moment nicht geplant.“ Hintergrund, warum Kreis- und Kommunalpolitiker, Münsterer, Eppertshäuser und Dieburger jüngst vermehrt über das Thema sprachen, ist der neue Schulentwicklungsplan des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Der soll in der Kreistagssitzung am Montag verabschiedet werden. Und darin betonen Schule auf der Aue, der Münsterer Gemeindevorstand sowie die Gemeinde Eppertshausen in Stellungnahmen unisono: „Die Schule hält weiterhin ihren Antrag auf Einrichtung einer eigenen Oberstufe fest.“

Allerdings: Vor zwei Jahren wurde der Antrag abgelehnt. „Er gilt weiterhin, umsetzen werden wir eine eigene Oberstufe aber nur dann, wenn es die Schülerzahlen sinnvoll machen“, teilt Behling-Schmidt mit. Um zu verstehen, weshalb es sinnvoll sei, unter Umständen etwas Eigenes in Münster auf die Beine zu stellen, blickt die Schulleiterin zurück: „Im Schuljahr 2007/2008 hatten wir in der fünften Gymnasialklasse 120 Kinder – und zudem die Aussicht auf einen Doppeljahrgang wegen G8.“ Die Zahlen hätten sich über Jahre kontinuierlich gesteigert. Mit deutlich mehr als 100 Schülern pro Jahrgang könne man eine Gymnasiale Oberstufe einrichten – die Mindestzahl beträgt 80 Schüler pro Jahrgang, 240 insgesamt für die Klassen 11 bis 13 (bei G8: 10 bis 12). Hinzu kämen noch einige Realschüler.

Behling-Schmidt sagt, sie freue sich über die Unterstützung der beiden Gemeinden Münster und Eppertshausen, die hinter der Aue-Schule stünden und dort einen eigenen Abitur-Standort befürworten. Aktuell gehen die Aue-Schüler für diesen Schulabschluss meist auf die Alfred-Delp-Schule (ADS) nach Dieburg, einem reinen Oberstufengymnasium, das sich über den Schulentwicklungsplan eine Gesamtschülerzahl von maximal 750 sichern wird. Die Aue-Schule ist neben der Albert-Schweitzer-Schule in Groß-Zimmern und der Dieburger Goetheschule eine von drei Verbundschulen der ADS. Heißt: Die Aue-Schüler werden garantiert dann aufgenommen, wenn sie dort das Abitur machen möchten.

Behling-Schmidt hebt die gute Zusammenarbeit mit der ADS hervor. „Wir wollen mit unserem Plan keine bestehende Oberstufe gefährden.“ Ihr liege viel am Schulfrieden und die Kooperation mit Dieburg sei gut. Dies verdeutlicht Behling-Schmidt mit dem Bestreben, dass Münsterer Lehrer im nächsten Schuljahr mit insgesamt 50 Stunden (bisher: 26 Stunden) nach Dieburg abgeordnet werden sollen. Genehmigt ist das aber noch nicht. Dennoch sagt Behling-Schmidt auch: „Der Blick zu anderen Oberstufen im Kreis wie Groß-Umstadt und Groß-Bieberau ist Sache des Landkreises. Mir geht es in erster Linie um die Schüler aus Münster und Eppertshausen“. Der Gemeindevorstand Münster nennt als Vorteile einer eigenen Oberstufe etwa kürzere Schulwege und einen Schulwechsel weniger.

Behling-Schmidt stellte unterdessen klar, nie von einer Oberstufen-Dependance der ADS am Standort Münster gesprochen zu haben. „Davon habe ich letzte Woche erstmals gelesen.“ In den Stellungnahmen zum Schulentwicklungsplan war dies aufgetaucht und hatte besonders in Dieburg für Unbill gesorgt.

Quelle: op-online.de

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