Balladen von tiefer Melancholie

Peter Orloff war der Star des Abends. Foto: Frank

Münster (jas) - Einen Ataman, zu Deutsch Kosakenführer, brachte der Arbeitergesangverein „Eintracht“ am Samstagabend auf die Bühne der Kulturhalle, und die Kosaken selbst waren natürlich auch dabei.

Doch dabei ging es weder wild noch kämpferisch zur Sache: Ataman Peter Orloff und sein Schwarzmeer-Kosaken-Chor sangen ebenso melancholisch wie mitreißend und entlockten einigen Gästen so manche Träne.

Doch los ging es auf dem Konzertabend schwungvoll mit dem Auftakt des Gastgebers selbst: Zum 110-jährigen Jubiläum ließ es sich der AGV nicht nehmen, einige Lieder beizusteuern. „Welche Freude, welch ein Frieden, dieser Tag ist uns geweiht“, sang der gemischte Chor, der nicht nur zu Beginn und zum Abschluss der Veranstaltung auf die Bühne kam. Der Männerchor sang gemeinsam mit den Schwarzmeer-Kosaken „Ich bete an die Macht der Liebe“ und zum Ausklang „Guten Abend, gute Nacht.“ „Für uns war das ein einmaliges Ereignis, denn mit solchen bekannten und erstklassigen Künstlern singen zu dürfen, ist eine große Ehre und ein besonderes Erlebnis“, freute sich der Vereinsvorsitzende Manfred Löbig. Zwischen den beiden Einlagen stand russische Atmosphäre auf dem Programm, bei dem weder „Kalinka“ noch „Das Wolgalied“ fehlten. Der musikalische Gesamtleiter Peter Orloff, Nachfolger seines Vaters Nikolai Orloff, betonte, dass sich der Chor über den Auftritt in Münster besonders freue, da er nun zum zweiten Mal vor Ort sei.

„Als ich vor 50 Jahren als jüngster Sänger alle Kosakenchöre der Welt angefangen habe, waren die meisten von Ihnen noch gar nicht auf der Welt“, schmeichelte er seinem Publikum, dass diese Verjüngungskur mit einem herzlichen Lachen honorierte. Überhaupt nahmen die Zuhörer emotional an den Liedern Anteil, wurde ein Lied wie „Eintönig klingt das Glöckchen“ angekündigt, ging schon ein wehmütiges Raunen durch die Reihen. Begleitet von einer der weltbesten Virtuosen auf dem Akkordeon, dem Russen Ilya „Bajanissimo“ Kurtev, der nach dem Tode von Ivan Rebroff – dem bekannten Weggefährten und Kollegen Peter Orloffs im Schwarzmeer-Kosaken-Chor der frühen Jahre – nun bei dem Chor seine neue musikalische Heimat gefunden hat, zeigten die Sänger ihr Können: Vom tiefsten Bass bis zum Counter-Tenor wurde jede Stimmlage zur Geltung gebracht, und auch Schlagerstar Peter Orloff selbst steuerte zwei Soli bei.

„Das Konzert ist eine musikalische Reise durch die wunderbare Welt des alten Russland mit Romanzen, Geschichten und Balladen von überwältigender Ausdruckskraft, tiefer Melancholie und überschäumendem Temperament. Heldentaten, Ruhm und Größe vergangener Tage werden Sie begeistern“, moderierte Orloff das zweistündig Programm an, und genau so wurde es von den begeisterten Zuschauern auch aufgenommen. Stimmung und Stimmgewalt des Ensembles trugen so zu einem gelungenen Abend bei und vielleicht gibt es ja zum nächsten Jubiläum des AGV ein drittes Wiedersehen und Wiederhören.

Quelle: op-online.de

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