Baustelle als Ort der Begegnung

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Wer auch kleine fleißige „Handwerker“ sehen wollte, der musste zum Haus der Kinder am Hallenbad kommen. Der kleine Chris half seiner Mama beim Pflastern, um aus seinem Kindergarten einen „naturnahen Erlebnisraum“ für sich und seine Freunde zu gestalten.

Münster ‐ Nahezu vollendet ist die Neugestaltung des Außengeländes des Kinderhauses in der Stettiner Straße. In der zweiten Realisierungsrunde haben jeweils rund 30 arbeitswillige Eltern, Erzieher und Kinder gemeinsam mit Mitarbeitern des Bauhofs unter Aufsicht des Bauleiters der Forschungsstelle für Frei- und Spielraumplanung (FFS) kräftig mitangepackt: Es wurde gepflastert, geklopft, gestemmt und transportiert. Von Ellen Jöckel

Deutlich zeichnete sich bereits der „naturnahe Erlebnisraum“ ab, der zuvor von der FFS zusammen mit der Gemeinde Münster und Erziehern der Kindertagesstätte geplant und vorgestellt worden war (wir berichteten). Dank der rund 80 freiwilligen Helfern, die sich eine Woche vorher an zwei Tagen für das Projekt eingesetzt hatten, nahm das Außengelände mit verschiedenen Spielzonen nun sichtbar neue Gestalt an. Zudem hatten Sozialpädagogik-Studenten der Dieburger Landrat-Gruber-Schule tatkräftig mitgeholfen. „Wir kommen gut voran und sind im Plan“, sagte Monika Heckwolf von der Bau- und Planungsabteilung der Gemeinde. Damit die arbeitswilligen Eltern auch ihre gesamte Energie in das 112.000 Euro teure Projekt fließen lassen konnten, kümmerten sich drei Erzieherinnen um ihre Kinder.

Wasser ist ein bedeutsames Lebensmittel

Das gesamte Vorhaben verfolgt besondere pädagogische Zielsetzungen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. So ist bereits der Bauprozess Teil des Konzepts: Die Baustelle wird zum Ort der Begegnung. Eltern und Erzieher lernen sich näher kennen. Das wirkt sich dann später auf das tägliche Miteinander in der Kita positiv aus. Auch die Kinder helfen bei der Umsetzung mit. Dadurch übernehmen alle automatisch Verantwortung für das Werk, welches sie mitgestaltet haben. So half auch der vierjährige Chris fleißig mit beim Pflastern am Wasserlauf in der ruhebetonten Spielzone. Am Ende dieses Laufs steht eine Wasserpumpe. Darunter wurde ein Wasserreservoir eingebaut, das 200 Liter fasst. Gemeinsam mit den Kindern wird der Behälter mit einem Schlauch befüllt. Auch dies hat einen pädagogischen Hintergrund: Den Kindern soll in ihrer frühen Lebensphase vermittelt werden, dass Wasser ein bedeutsames Lebensmittel ist, das nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Für ihr Wasserspiel müssen sich die Kinder über die Pumpe das Wasser „erarbeiten“ und die Menge entsprechend einteilen.

„Nicht-den-Boden-berühren“-Pfad

Beim Wasserlauf befindet sich eine Erhöhung aus Steinen und Erde: Hier entsteht die „Kräuterspirale“, die direkt vor der Küche angelegt ist. Sie ist Teil des „Kinder-Gartens“, der auch ein Hochbeet für jede Kindergartengruppe vorsieht. Über die Arbeit mit Pflanzen werden praxisorientiert Naturzusammenhänge vermittelt. Während Eltern mit Schubkarren Stauden, Büsche und Bäume für die üppige Bepflanzung des Geländes herankarrten, transportierte ein Bauhof-Mitarbeiter mit dem Bagger eine riesige Wackelbrücke zum hinteren Teil des Gebäudes zur Spielzone. Es ist das letzte Kletterelement des „Nicht-den-Boden-berühren“-Pfads im Dschungelgarten zwischen Hallenbad und Haus der Kinder. Ganz in der Nähe steht die Hängemattenschaukel, in der positives Sozialverhalten gefördert wird.

„Wir haben die brauchbaren Spielgeräte behalten und an passenden Stellen eingesetzt“, berichtete Monika Heckwolf. Damit die Helfer während ihres Einsatzes gut versorgt waren, hatten zahlreiche Münsterer Geschäfte Lebensmittel gespendet. „Ein paar Kleinigkeiten müssen von der Landschaftsbau-Firma noch nach dem Wochenende erledigt werden. Dann sind wir fertig“, sagte Heckwolf nicht ohne Stolz. Damit der Garten am Haus der Kinder auch auf langer Sicht ein „naturnaher Spiel-, Bewegungs-, Abenteuer- und Lernraum“ bleibt, ist einmal im Jahr ein Aktionstag geplant, an dem sich Eltern und Erzieher ums Ausbessern kümmern.

Quelle: op-online.de

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