Dauerregen verhindert Zufahrten für Lkw an Unterstand und Aussichtsplattform

Baustopp rund um Bauten für Wisentherde in Münster

Baustopp ist derzeit am Wisent-Unterstand nahe der Aussichtsplattform.
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Baustopp ist derzeit am Wisent-Unterstand nahe der Aussichtsplattform.

Was für den Baufortschritt im ehemaligen Muna-Gelände ein Desaster darstellt, ist für das Fauna- und Flora-Habitat ein Segen. Die Niederschläge der vergangenen Tage sind zwar Ursache des Baustopps am Unterstand für die Wisentherde und für die eingestellten Arbeiten an Aussichtsplattform, Wegebau und den Arbeiten am Museumsbunker. Für die Natur ist der plötzliche Wasserreichtum nach vielen sehr dürren Jahren aber das lange erhoffte Auftanken der Wasserreservoirs.

Münster – Matthias Pollmeier, stellvertretender Betriebsleiter des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn und Verantwortlicher für das Habitat, ist allen Regengüssen zum Trotz sehr optimistisch, in der letzten Aprilwoche nicht nur die Wisente aus ihrem 20 Hektar großen Eingewöhnungsgelände in die dann 220 Hektar große Weidefläche entlassen zu können, sondern dann auch drei bis fünf Przewalski-Hengste auf dem Areal auswildern zu können.

Das Artenschutz-Ausgleichsprojekt der Deutschen Bahn entwickele sich stetig, freut sich der Mann vom Bundesforstbetrieb, der es vor zehn Jahren mit aus der Taufe hob und seitdem mit ganzer Kraft nach vorne bringt.

Wenngleich dem Vorhaben immer wieder Widrigkeiten begegnen. So jetzt beispielsweise dem Unterstand für die neunköpfige Wisentherde. Das vom Bundesforst geplante und finanzierte 165 000 Euro kostende Projekt musste nach EU-Richtlinien ausgeschrieben werden. Einem Unternehmen aus Dresden war nach langer Ausschreibungsfrist der Zuschlag erteilt worden. Doch als es losgehen sollte, meldete der so günstige Betrieb Insolvenz an. „Gut, dass wir danach den Auftrag einem heimischen Betrieb übergeben konnten“, sagt Pollmeier. Aus Büdingen stammt die Firma, die vor dem großen Regen schon recht weit kam. Mit ihr wickelte Pollmeier schon einige derartige Projekte ab. Die stabilen Mauern des Unterstandes stehen, auch die Innenausbauten mit massiver Holzverkleidung kamen voran. Nur ans 70 000 Euro teure Dach konnte man sich noch nicht heranwagen.

Derzeit kommt kein Lastwagen mehr durch die Muna-Wildnis. Auch die geschotterten Wege stehen voll Wasser, lassen kein Vorankommen für mit Baumaterial beladene Laster zu. „Und nur wegen der überschaubaren Zeitverzögerung jetzt die Wege nochmals mit einem halben Meter Schotter auffüllen zu lassen, lohnt nicht“, so der Förster.

Seit Herbst sind die Planierraupen und Sattelschlepper auch im Einsatz, die Aussichtsplattform auf den ehemaligen Militärbunkern herzurichten. Was zukünftige Besucher freuen dürfte: Das Gesamtprojekt wird nochmals deutlich von der Bahn finanziell unterstützt. Laut Pollmeier engagiert sich die DB stark in die Umweltbildung, der zusätzlich bewilligte Gelder zugute kämen. Ein Erlebnispfad mit zahlreichen Informationsbuchten wird bis auf die Aussichtsplattform führen, auf der lebensgroße Silhouetten von Urvieh und -pferd aufgestellt werden. Kosten allein dafür: rund 100 000 Euro.

Derweil solch Vorhaben noch umgesetzt werden wollen, besucht Revierleiter Harald Fuhrländer mehrfach in der Woche seine acht Kühe und Wisentbullen Shakal: „Es geht der Herde prächtig“, freut er sich. Dem Winter zum Trotz haben sie seit ihrer Ankunft alle gut an Gewicht zugelegt, ob allerdings eine der älteren Kühe trächtig sei, könne auch der Tierarzt nicht sagen, der bei Bedarf vorbeischaut. „War allerdings schon lange kein Anlass, ihn zu holen, sagt Fuhrländer, der immer mit seiner Schiffsglocke unterwegs ist. Bimmelt er irgendwo am Eingewöhnungsgehege, dauert es nicht lang, und die Herde zockelt an. Denn der lautstarke Besucher hat stets Melasse-Würfel dabei, Wisents Leckerlies. „Das Nahrungsangebot im Gehege ist groß,“ weiß Fuhrländer. Außerdem bekommen die Tiere über den Winter alle fünf Tage einen großen Rundballen Heu sowie einen Silage-Ballen.

Vom Fleisch fallen die Ur-Viecher auch bei Dauerregen also nicht. (Von Thomas Meier)

Wenn die Glocke von Harald Fuhrländer ruft ...
Jetzt geht nichts mehr an der Aufsichtsrampe: Alle Zufahrten stehen unter Wasser, sind verschlammt.
Der Wisentherde gefällt es im Eingewöhnungsgehege aus dem Muna-Gelände. Bald bekommen die Ur-Viecher noch viel mehr Platz.

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