Bebauung Mäusberg / neues Sportzentrum

Rechnung mit einigen Unbekannten

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Münsters Mäusberg von oben betrachtet.

Münster - Nach dem projektfreundlichen Stimmungsbild des Bürgerforums am Samstag wurde in Münster mit Spannung die gemeinsame Sitzung des Haupt- und Finanz- sowie des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses am Montag mit dem einzigen Tagesordnungspunkt Bebauung Mäusberg / neues Sportzentrum erwartet.

Insbesondere war man gespannt darauf, wie sich die dem Projekt bisher kritisch gegenüberstehende CDU positioniert, nachdem nun auch die FSV mit ihrer Fußballabteilung in ein neues Sportzentrum umziehen will. SPD und Alma votierten schließlich für einen Einstieg in die Planverfahren, die CDU enthielt sich, womit aus beiden Ausschüssen positive Beschlussempfehlungen für die Gemeindevertreter-Sitzung am Montag (17.) vorliegen.

Die Enthaltung der CDU-Ausschussmitglieder begründete Erna Roßkopf, Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten im Gemeindeparlament, mit weiterem Beratungsbedarf in der Fraktion. Vorangegangen war eine weitere Vorstellung eines Treuhand-Konzepts zur Projekt-Realisation durch Terramag-Boss Ralf Trollmann, der diesmal eine „defensivere“ Kalkulation der möglichen Erlöse aus der Umwandlung des gemeindeeigenen Mäusbergs in Bauland und der Kosten eines neuen Sportzentrums am Gersprenzstadion vorlegte.

270 Euro pro Quadratmeter

„Defensiv“ heißt, dass er den zu erzielenden Quadratmeterpreis für Bauplätze auf dem Mäusberg mit 270 Euro pro Quadratmeter leicht unter dem aktuellen Bodenrichtwert von 285 Euro ansetzte, den Zinssatz für die kommunale Zwischenfinanzierung trotz des aktuellen Zinstiefs auf zwei Prozent hochschraubte, den Ankauf einer privaten Parkplatzfläche von 3 000 Quadratmetern am Mäusberg mit 300.000 Euro mit hinein rechnete und so auf mögliche Einnahmen von 7,8 Millionen Euro kam, denen Kosten von 4,5 Millionen gegenüberstehen. Die Differenz von 3,3 Millionen zuzüglich Zuschüssen von Kreis und Land und Eigenleistungen der Vereine soll aus Trollmanns Sicht ausreichen, ein neues Sportzentrum in teilweise abgespeckter Version – ohne Fußballhalle und ohne Tribüne – zu finanzieren. Er räumte aber auch ein „gewisses Risiko“ ein.

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So bleibt vorerst ungeklärt, ob die bisher ins Auge gefassten fünf Hektar privaten Ackerlands am Gersprenzstadion tatsächlich zu einem Quadratmeterpreis von zehn Euro erworben werden können. Dazu kommen auf dem Bürgerforum formulierte Änderungswünsche zur Erschließung des Mäusbergs: Breitere Straßen und ein neuer Parkplatz für den Friedhof würden die zu vermarktenden Flächen reduzieren. Schließlich ist die Beteiligung der FSV noch nicht mitgerechnet. Seine Sportflächen sind Vereinseigentum und müssten wohl als Gewerbegebiet vermarktet werden, um die Anlage zweier zusätzlicher Fußballplätze und erweiterter sanitärer Einrichtungen zu finanzieren. Der Haken bei der Sache: Für die Umwidmung der „Sonderfläche Sport“ in Gewerbefläche ist der Nachbar Dieburg zuständig, und die Beziehungen sind seit dem Kleinkrieg ums Fiege-Megacenter nicht die besten.

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Das Projekt Sportzentrum könnte auch am Naturschutz scheitern, räumte Trollmann ein - wenn etwa auf den Ackerflächen eine große, nicht umzusiedelnde Feldhamster-Population entdeckt würde. Um dies zu klären, empfahl der Projektentwickler den Einstieg ins Planverfahren, in dem ohnehin eine faunistische Untersuchung zwingend ist. Die finanziellen Risiken bezifferte er mit maximal 200.000 Euro. Die anschließende Fragerunde war überraschend schnell abgeschlossen und mündete in einen vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Bernd Fritsch formulierten Antrag: In den Haushalt 2015 sollen eben diese 200.000 Euro eingestellt werden, damit sind mit Priorität die Planschritte zu beauftragen, die die größten Risiken beinhalten. Über den Sachstand sind der Haupt- und Finanz- sowie der Ausschuss für Bauen, Planung und Umwelt kontinuierlich zu unterrichten.

Dieser Antrag wurde der Gemeindevertretung von beiden Ausschüssen bei Enthaltung der CDU einstimmig zur Annahme empfohlen. Damit wird es in der nächsten Sitzung des Gemeindeparlaments am Montag (17.) richtig spannend: Nach Austritt des parteilosen Projekt-Befürworters Martin Peußer aus der CDU-Fraktion verfügen die Christdemokraten zwar nicht mehr über die absolute Mehrheit, stellen aber mit 18 Gemeindevertretern im 37 Sitze starken Gremium bei weitem die größte Fraktion. Entscheiden sich die Christdemokraten für eine Ablehnung und sind vollzählig anwesend, fehlt gleichzeitig bei den Befürwortern auch nur ein Gemeindevertreter, wäre der Antrag bei Stimmengleichheit abgelehnt.

sr

Quelle: op-online.de

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