Beim Ostereierschießen getrickst

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Als Spaß für die ganze Familie entpuppte sich das Osterschießen des Schützenvereins „Waidmannsheil“ 1926 Münster. In diesem Jahr wurde der Tag aber vom Veranstaltungsverbot am Karfreitag überschattet.

Münster - „Ist das noch zeitgemäß?“, fragten sich angesichts des gesetzlichen Tanzverbots an Ostern viele meist junge Leute. Und das nicht nur in Frankfurt, wo am Karfreitag Nachmittag rund 1000 Jugendliche auf dem Römerberg mit Kopfhörern zu Musik tanzten. Von Michael Just

Es sollte ein „stiller Protest“ sein, denn als „stiller Feiertag“ sind an Karfreitag in Deutschland Sport, Theater, Volksfeste sowie gewerbliche Veranstaltungen aller Art verboten.

Zu diesem Thema wurde auch beim Schützenverein „Waidmannsheil“ Münster heiß diskutiert. Seit Jahren gibt es dort das Osterschießen, das zum einen ein Vereinswettkampf und zum anderen ein Schnupperangebot für jedermann beinhaltet. In diesem Jahr war alles anders: Wenige Tage vor den Feiertagen kam ein Brief vom Ordnungsamt ins Haus, der die Veranstaltung nochmals ausdrücklich untersagte. „Für uns war das eine Katastrophe, schließlich hatten wir die Preise schon bestellt. Die 1200 bunten Ostereier konnten wir jetzt nicht einfach wegwerfen und den Termin umzulegen war bei dem Termindschungel der meisten Mitglieder ebenfalls schwierig“, erzählt Schießwart Friedrich Wilhelm Helm.

„Probe-Schießen“ keine offizielle Veranstaltung mehr

In der Folge half man sich notgedrungen mit einem Trick: Das Jedermann-Schießen bekam ein neues Etikett: Als „Probe-Schießen“ war dies nun offiziell keine Veranstaltung mehr, denn ein Probetraining lässt sich ganz gesetzeskonform zu jeder Zeit absolvieren. Dazu wurden wie bisher keine Zielscheiben zum Preis von 2,50 Euro verkauft, sondern diese gegen eine Spende zum gleichen Betrag ausgegeben. Mit jenem „Obolus“ zeigten sich die Schützen auch gegenüber dem Vorwurf einer gewerblichen Komponente gefeit. Dabei warf mancher Besucher unter der Überschrift „Spende“ sogar noch etwas mehr in die Kiste, was er bei der Titulierung „Verkaufspreis“ vielleicht nicht getan hätte.

Komplett abgesagt wurde vom Vorstand als Tribut an das Veranstaltungsverbot der vereinsinterne Wettkampf, das „Frühlingsanschießen“ mit den Faustfeuerwaffen. „Das ist schon ein bisschen schade, dass Vereinsmitglieder und Gäste nicht zusammen schießen können“, konstatierte Helm. Damit gehe eine große Portion Eigenwerbung verloren, wenn die Besucher nicht die Möglichkeit haben, den Sportschützen über die Schulter zu schauen. Das Bedauern von Helm ist verständlich: beim Blick in den Biergarten des Vereins sah man Dutzende von Ausflüglern, die es sich gegenüber der Gersprenz gemütlich machten und regelrecht freie Tische suchten. Viele genossen dabei nicht nur das traumhafte Wetter, sondern auch das kleine Intermezzo, auf die Ostereier anzulegen, die der Osterhase auf der Zielscheibe in die Luft stemmte.

An den Ständen herrschte Hochbetrieb

Insgesamt waren rund 18 Helfer des Schützenvereins im Einsatz, die die Gäste beim Anlegen soweit einwiesen und unterstützten, das diese quasi nur noch abdrücken mussten. Ab zwölf Jahren war man mit dem Luftgewehr dabei, für den Spendenbetrag von 2,50 Euro gab es gleich vorneweg fünf Eier geschenkt, dazu brachte jeder Treffer im Ziel ein weiteres dazu. So herrschte an den Ständen Hochbetrieb inklusive reichlich Spass. Für den Schützenverein mit seinen rund 150 Mitgliedern ist das „Probeschießen“ wichtig, da beim Schnupperkurs das eine oder andere neue Mitglied „hängen bleibt“.

Gekommen ist auch die Familie Roßkopf: „Wir haben zwei Kinder dabei, ein eigenes und ein geleastes“ sagt Katja Roßkopf lachend über den Freund von Sohn Felix, der ebenfalls zum heutigen Tross gehört. Selbst legt die 38-Jährige nicht an: „Ich treffe sowieso nichts, das ist ein Spass für die drei Männer.“ Jedes Jahr nimmt die Familie das Angebot der lokalen Schützen wahr und bezeichnet die Sache als eine gute Idee: „Ob wir die Eier nun kaufen oder schießen – letzteres macht mehr Spass“. Wie die Münsterin ankündigt, machen es sich alle nach dem kleinen Abstecher zum Schützenhaus wieder im eigenen Garten bequem.

Gott begenet einem auch ohne auferlegte Verbote

„Die Leute kommen gern hierher und wir stören niemanden“, sagt Helm und hebt damit nochmals heraus, dass er die strikte Handhabe der Ordnungsämter in Hessen zum Karfreitag nicht versteht. Seiner Auffassung nach lasse sich Gott überall ganz ohne die auferlegen Verbote begegnen – oder wie es der Schießwart kurz darauf nochmals ganz im Sinne seines Vereins formuliert: „Geh‘ mit Gott, geh dabei aber auch zum Schützenverein.“

Quelle: op-online.de

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