Bekommt ein Bestatter Albträume?

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Tod, Abschied und das Bestattungswesen waren Diskussionspunkte der Konfirmanden in der Schreinerei Rudi Kreher.

Münster - „Wie geht eigentlich eine Seebestattung?“ „Wie fühlt man sich, wenn man den ganzen Tag lang nur mit Leichen zu tun hat?“ „Nähen Sie auch die Schusswunden bei Mordopfern zu? Oder macht das ein Arzt?“. Von Thomas Meier

Das waren ganz schön viele und intensive Fragen, die da 16 Konfirmanden der evangelischen Martinsgemeinde an Rudi und Christina Kreher stellten, ihres Zeichens Bestatter in dritter und vierter Generation im Ort. Vater und Tochter stellten sich der großen Wissbegier ihres vielköpfigen Besuchs, der da mit Pfarrer Christoph Sames kam. Die Auseinandersetzung mit dem Tod gehört zur Aufnahme in eine Christengemeinde dazu. Seine Schüler mit dieser endgültigen Realität zu konfrontieren, sieht der Pfarrer als eine sehr wichtige Aufgabe an, der zu widmen sich der November mit seinen zahlreichen Gedenktagen geradezu anbietet.

„Wie geht man damit um, wenn man täglich mit dem Tod zu tun hat?“ - Auf diese Frage gab Christina Kreher beredt Auskunft. „Ich bin damit groß geworden“, berichtet die geprüfte Bestattungskraft und Tochter im Familienbetrieb der Schreiner und Bestatter. Und Vater Rudi nickt bestätigend, der Schreinermeister und Bestatter lernte sein Handwerk ebenfalls vom Vater, so wie der schon die Berufung erbte.

Christina Kreher sagt: „Bereits als kleines Kind wollte ich von der Mutter wissen, wohin der Papa abends oft gerufen wird. Dann wollte ich auch mit zu den Familien, in denen ein Mitglied verstorben war.“ Für ihre Arbeit, so die Bestatterin, müsse man wohl geboren sein.

Drei Jahre dauerte die Ausbildung zur Bestatterin

Und viel lernen, erfuhren die jungen Zuhörer. Drei Jahre dauerte die Ausbildung in Hünfeld zur Bestatterin, mehrere Lehrgänge besuchte Christina Kreher. Vor allem müsse man Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Trauernden haben, weiß die Geschäftsfrau, und: „Jedes Trauergespräch verläuft anders. Manche dauern eine, andere drei Stunden. Immer muss man die Ruhe behalten und auf die Bedürfnisse der Trauenden eingehen.“

Ein Tod sei für Hinterbliebene der reine Stress, wusste die Fachfrau zu berichten. Ihre Arbeit sei es, den Angehörigen davon so viel wie möglich abzunehmen. Da fange es schon bei der Entscheidung an, ob es eine Erd-, Feuer-, Natur- oder Seebestattung werden solle. Termine mit dem Pfarrer, dem Friedhofsamt, Trauerrednern und Krematorien müssten geklärt werden, Renten- oder Sterbegeldversicherungen gelte es zu eruieren, Blumenschmuckwünsche für Trauerfeiern müssten besprochen werden und noch viel mehr.

Doch weniger Renten- oder Blumenschmuckfragen beschäftigten die Besucher. Sie interessierten die inneren Eindrücke eines Bestatters. Bekommt er Albträume? Rudi Kreher sagte, er habe in seinem Leben schon schlimme Todesfälle erleben müssen, vor allem bei Verkehrsunfällen. Und seine Tochter ergänzt: „Wir sehen es jeder Leiche an, welch ein Tod der Sterbende erlebte. Da gibt es die sanft Entschlafenen, bei deren Anblick man glaubt, sie müssten gleich wieder anfangen zu schnaufen. Und dann gibt es die, die gegen den Tod ankämpften. Die Verkrampften...“

Schusswunden und Mordopfer

Ins große Schweigen unter den Konfirmanden mischte sich schließlich die - eher zögerlich vorgebrachte - Frage nach den Schusswunden und Mordopfern. Und spätestens hier mussten die Bestatter lächeln: So etwas sei weder ein Fall für Arzt noch Bestatter: „Das kommt in die Gerichtsmedizin“, so Rudi Kreher.

Im Ausstellungsraum des Geschäfts in Münsters Brunnengasse 2 kamen dann sachbezogenere Fragen auf. So erfuhren die Jugendlichen, dass schon lange von der Schreinerei Kreher keine Särge mehr getischlert würden. „Die werden zugekauft“, sagt Christina Kreher. Überhaupt nehme das Geschäft mit den Holzkisten ab, schon bei weit über der Hälfte der Bestattungen seien Einäscherungen gewünscht. Eine Frage der Kosten und vor allem der Grabpflege, so die Experten.

Ob es bei Verbrennung nicht zu Verwechslungen der Asche kommen könnte, wollte jemand wissen, und Rudi Kreher erläuterte die Bedeutung der nicht brennbaren Schamottsteine, die mit den Leichnamen in die Verbrennungskammern geschoben würden: „So etwas ist bei uns auszuschließen.“

Nach einigen weiteren Details über Friedwald-Beerdigungen, Naturfaserurnen oder der Seebestattung wandten sich die Besucher schließlich eines anderen November-Themas zu: Die Gastgeber hatten für leckere Lebkuchen und Adventsgebäck gesorgt.

Quelle: op-online.de

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