Fest auf Rathausplatz ein voller Erfolg

Besser als der eigene Ruf

+
Die Band Rabatz machte keinen Rabatz, sondern gestaltete „unplugged“ mit eher ruhigen und gefälligen Stücken eine Sommernacht zum Genießen.

Münster - „Das ist der absolute Knaller. Ich bin begeistert, aber auch geschafft“, sagt Annelore Oestreicher am späten Samstagabend, als sie ein Tablett voll mit Gläsern abräumt und gleich danach die nächste Bestellung an die Tische bringt. Von Michael Just

Die Münsterin ist Mitglied der Interessengemeinschaft (IG) Rathausplatz und bereitete die Live-Musik mit dem Konzert von Rabatz in der Mozartstraße mit vor. Dazu kümmerte sie sich um die Bewirtung. Am Ende übertraf die Veranstaltung sämtliche Erwartungen.

Die Live-Musik bei freiem Eintritt war auf den Plakaten für 20.30 Uhr angesetzt. Wer rund 45 Minuten vorher auf den Rathausplatz kam, der sah eine überschaubare Anzahl von Festzeltgarnituren, auf denen rote, leuchtende Aschenbecher standen. Davor war ein alter, gelber Lastwagen, dessen Pritsche zu einer kleinen Bühne umgebaut wurde, quergestellt – eine Leihgabe des Getränkehändlers.

„Das dürfte eine kleine Veranstaltung geben“, machte sich bei vielen der erste Eindruck breit. Doch kurz vor 20 Uhr wird es plötzlich voller und voller. Von allen Seiten machen sich Menschen, darunter unzählige Radfahrer, auf ins Münsterer Herz. Einige rollen aus Eppertshausen durchs Feld heran. Das Wetter sowie das einzige öffentliche Angebot in Münster an diesem Abend sorgen wenig später für reichlich Leben auf dem Rathausplatz – und das an einem Ort, der von den meisten Einwohnern meist als „verwaist“ bis „komplett leblos“ beschrieben wird.

Am Samstagabend schickte sich die IG Rathausplatz an, dieses Image mit ein paar geselligen Stunden umzukehren. „Eigentlich ist die IG ein ganz kleiner Kreis“, erzählt Norbert Hartmann, der mit „Pokale am Rathaus“ sowie „Brocante – Schönes Altes, Kunst und mehr“ gleich zwei Geschäft gegenüber der Verwaltung betreibt. Gerademal vier Mitglieder zählt die IG, die sich die Belebung des Münsterer Zentrums auf die Fahnen geschrieben hat. Dazu gehören neben Hartmann noch Gerhard Dahms von der Weinhandlung Chianti Toskana, sowie Friedel Seib und Annelore Oestreicher. Seib und Oestreicher haben aus Altersgründen ihre Geschäfte bereits aufgegeben, engagieren sich aber noch aus Gewohnheit sowie aus Verbundenheit zum Ort und zum Gewerbeverein.

Metzgerei, ein Hotel und ein Zahnarzt

Die Gäste kamen reichlich, um bei schönem Wetter zusammen zu sitzen und gute Musik zu hören.

Zum Rathausplatz gehören noch eine Metzgerei, ein Hotel und ein Zahnarzt, die aber nicht in der IG dabei sind. Über die Jahre ist der Platz mehr und mehr aus der Öffentlichkeit gerückt. In den letzten Jahren machten, wie in anderen Kommunen, viele Traditionsgeschäfte dicht und hinterließen leerstehende Räume. Das ehemalige Zentralkaufhaus ist das beste Beispiel. Viele Einwohner vertreten die Meinung, dass eine Neugestaltung des Rathausplatzes vielleicht mehr Leben ins Zentrum bringen würde. Dafür wurde der Abriss des alten Pavillons vorgeschlagen, die Auflösung des Konzepts mit Parkplätzen, Trennwänden und Blumenkübel.

Derzeit fehlen für eine Neugestaltung der Fläche aber die Mittel. „Dass ohne Geld in der Gemeindekasse nichts läuft, ist uns bewusst“, sagt Oestreicher mit einem Ton, der alles andere als Resignation erkennen lässt. Der Haushaltslage bewusst gibt es von der IG keine Vorwürfe oder Forderungen an die Politik. Der einzige Wunsch sei, dass man bei einer zukünftigen Neugestaltung miteinbezogen werde. Deshalb engagiert sich die IG aus eigener Kraft mit regelmäßigen Veranstaltungen. Neben dem Sommerabend mit Live-Band zählt auch ein besinnlicher Lichterabend im Herbst dazu.

Das Sommerkonzert gestaltete die Jahre zuvor eine kleine Band mit irischen Klängen. Diesmal hatte die Kombo aber keine Zeit. So musste Ersatz her. Der wurde in Rabatz gefunden. Die Gruppe setzt sich aus Mitgliedern verschiedener großer Bands der Umgebung zusammen, darunter auch Bee Flat. Einige Musiker kommen aus Münster. In der Formation vom Wochenende trat sie zum ersten Mal auf.

„Ich kenne jemand aus der Gruppe, habe ihm einen bestimmten Betrag genannt, den die IG ausgeben kann und dann gefragt, was dafür an Musik möglich ist“, erzählt Hartmann. Das Konzept ging mit Manfred Bürner, Ralf Schneider, Steffen Selmes und Joyce III voll auf: Unplugged und damit ohne Verstärker spielte das Quartett unter anderem Hits von Eric Clapton, den Beatles und weiteren Klassikern.

Mit einem kühlen Getränk in der Hand genossen viele Besucher die warme Sommernacht und ließen sich von der durch und durch entspannten Atmosphäre davontragen. Der Rathausplatz legte dabei für wenige Stunden sein oft kritisiertes Image ab und bewies ungewohnte Qualitäten. Mit dem Konzert schrieb die IG eine kleine, beachtenswerte Erfolgsgeschichte. Dafür stand das Kompliment eines Besuchers, das nicht deutlicher hätte ausfallen können: „Heute Abend wurde das ehemalige Altstadtfest für ein paar Stunden vergessen gemacht.“

Quelle: op-online.de

Kommentare