Besuch ohne Hemmschwellen

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Delegation aus China ist zu Gast an Münsterer Schule auf der Aue. Bald gibt es den Gegenbesuch.

Münster - Vor vier Jahren wurde die Schule auf der Aue als erste im Landkreis deutsch-chinesische Austauschschule. Zum vierten Mal ist nun eine Delegation von Schülern und Lehrern der Huang Yan High School aus Taizhou zu Gast in Münster. Von Ursula Friedrich

Für alle Beteiligten bietet dieser Besuch eine interkulturelle Woche voller Abenteuer. Wo Hände und Füße oft sprachliche Barrieren überwinden.

Paris, Amsterdam, Brüssel, Münster: Die letzte Etappe der großen Europareise für die 30-köpfige chinesische Delegation ist die kleine Gersprenzgemeinde. Mit Eiffelturm und Europaparlament können die Gastgeber der kooperativen Gesamtschule auf der Aue nicht konkurrieren. Und machen ihren Part des Austauschs mit Authentizität und Freundschaft wett.

Beim Grillabend auf dem Schulgelände sind Gastfamilien, Jugendliche der Real- und Gymnasialklassen der Aue-Schule und chinesische Besucher munter vereint. Salate und Deftiges vom Grill ebnen auch den kommunikativen Weg. Wo es hakt, springt Übersetzerin Ren Yijun ein. „Ich bin aber nur für die Lehrer zuständig“, grinst sie – das chinesische Kollegium beherrscht weder Englisch noch Deutsch. Die 15- und 16-jährigen Schüler sind des Englischen, wenn auch mit abenteuerlichem Akzent, mächtig.

Für die Jugend sind die völlig fremden Kulturen und Sprachen keine Barriere. Gastschüler Joacheng und Gastgeber Johannes sind nach weniger Tagen dicke Freunde geworden: „Ich besuche Joacheng in ein paar Wochen zu Hause“, erklärt Johannes fröhlich. Am 19. September heben 20 Jugendliche der neunten Real- und Gymnasialklassen und zwei Lehrer der Aue-Schule ab, nach Shanghai und mit dem Bus noch ein wenig weiter bis Taizhou. Auch zwischen den Mädchen haben sich innige Beziehungen entwickelt. Hemmschwellen gibt es für die Gäste nicht. „Ich habe Schweinshaxe probiert“, berichtet Becky begeistert, „ich habe gehört, dass sie berühmt sein soll.“ Und die Schweinshaxe schmeckte!

Schulleiter Pu Fu Zhou, der mit seiner Münsterer Kollegin Sabine Behling-Schmidt nur dank Dolmetscherin kommuniziert, begeisterte sich für die Schlösser und Burgen, die auf Ausflügen an den Rhein besichtigt wurden.

Die wohl größte Überraschung ist jedoch das deutsche Bildungsssystem. „Die Schulerziehung in Deutschland fördert das Individuelle besser“, befindet Pu Fu Zhou – an seiner Schule sitzen bis zu 65 Schüler in einer Klasse. Ohne Disziplin und militärischen Drill läuft hier nichts.

„Auch der Übergang von Schule und Beruf ist hier gut ausgearbeitet“, sagt der Direktor. Er unterrichtet an der Huang Yan High School, die 2 500 Schüler und 200 Lehrer hat. Die Schulausbildung mündet nach zwölf Jahren in das Abitur. Der Termin seiner Europareise ermöglicht dem chinesischen Schuldirektor, die Einschulungsfeier der fünften Klassen in die Aue-Schule mitzuerleben. Unterschied: Wo in Münster gesungen und Theater gespielt wird, wird in China zum Militärmarsch im Gleichschritt marschiert.

Vom dortigen Bildungssystem, Menschen, Geschichte und Kultur, können sich die künftigen Chinareisenden der Aue-Schule bald selbst ein Bild machen. „Eine einmalige Gelegenheit, China zu erleben“, schwärmt Sabine Behling-Schmidt bereits vorweg. Sie stellte für all ihre Schüler die Weichen nach Asien. „Wer mit will, darf mit!“ Lediglich schlechtes soziales Betragen wäre ein Handicap, „schließlich sind wir Botschafter Deutschlands!“.

Die chinesischen Jugendlichen würden gerne noch ein paar Urlaubswochen in Deutschland dranhängen, oder hier gar den Schulabschluss machen. „Deutschland ist klasse“, schwärmt You und bekennt: „Ich würde lieber hier zur Schule gehen! Aber verraten Sie es nicht meinem Lehrer.“

Quelle: op-online.de

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