Bildung ist wichtigstes Kapital

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Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries überreichte die Ehrenurkunde für langjährige SPD-Mitgliedschaft an Edmund Galli (links). Von SPD-Ortsvorsitzendem Gerald Frank gab es ein Präsent.

Münster - „Wir haben kaum Rohstoffe in unserem Land, unser wichtigstes Kapital sind die Köpfe“, so der ehemalige Sozialminister in Hessen, Armin Clauss, beim Neujahrsempfang der SPD in Münster. Von Ulrike Bernauer

Clauss, Gewerkschafter und von 1970 bis 2003 Abgeordneter im Hessischen Landtag sowie viele Jahre Sozialminister, sprach im Foyer der Kulturhalle.

In seiner Rede streifte Clauss, dem man auch heute noch den engagierten Sozialminister deutlich anmerkt, viele Themen der aktuellen Politik. Die Bildung war ihm dabei besonders wichtig. Er prangerte ein Drei-Klassen-Schulsystem an, das nach wie vor nicht durchbrochen werde. Kinder von Zuwanderern oder denen, die auf dem Land lebten, hätten nicht die gleichen Chancen wie Stadtkinder. Clauss forderte auch aus Vernunftgründen, beispielsweise weil der Wirtschaft die gut ausgebildeten Fachkräfte fehlten, mehr Geld für die Bildung.

Insgesamt ging es dem ehemaligen Sozialpolitiker um mehr Gerechtigkeit. Es könne nicht angehen, dass in den Glitzertürmen Frankfurts immens viel Geld verdient, in die Schulen und Universitäten aber nicht investiert werde. „Wir sind eine der reichsten Gesellschaften der Welt und in unserem Land gibt es wieder Kinderarmut, das ist ein Skandal“, rief Clauss den Zuhörern zu. Er forderte, dass Menschen von ihrer Arbeit wieder vernünftig leben können und nicht trotz Vollbeschäftigung als Aufstocker zum Sozialamt gehen müssten.

Der ehemalige hessische Sozialminister Armin Clauss sprach auf dem Neujahrsempfang der SPD Münster.

Clauss beschäftigte sich aber auch mit dem Demokratieverständnis der Deutschen und nahm die Niedersachsenwahl zum Anlass. Dort habe es eine Wahlbeteiligung von unter 60 Prozent gegeben, daraus könne man die Verpflichtung ableiten, mit den Menschen wieder mehr über den Wert der Demokratie zu sprechen. „Ich sage den Bürgern immer, gehen Sie wählen, ganz egal wen.“
Bereits bevor Clauss an das Rednerpult getreten war, nahm SPD-Ortsvereinsvorsitzender Gerald Frank zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Brigitte Zypries eine Ehrung vor. Edmund Galli, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, Mitglied im Bauausschuss und seit vielen Jahren für die SPD im Gemeindeparlament wurde für 40 Jahre Parteimitgliedschaft geehrt.

Zypries beschäftigte sich in ihrer kurzen Rede mit dem Start der SPD in den Bundestagswahlkampf, der glücklicher hätte verlaufen können. Die Diskussion über Peer Steinbrücks Äußerungen über das Bundeskanzlergehalt könne man auch anders aufziehen. Nicht die Bundeskanzlerin verdiene zu wenig, sondern in den Banken werde ganz allgemein viel zu viel verdient. Zypries sprach sich deshalb für eine stärkere Regulierung der Banken aus. Hingegen müsse viel mehr in die Bildung investiert werden, da war sie sich mit Clauss einig.

Landrat Klaus Peter Schellhaas ging in seiner Rede eher auf lokale Themen ein. Ihn ärgerte vor allem, dass der Landkreis nicht vom Rettungsschirm des Landes profitiert. „Wir erhalten von den 3,2 Milliarden Euro keinen Cent, im Gegensatz zu den umliegenden Landkreisen wie Offenbach und Groß-Gerau oder Darmstadt. Dabei liegen die genauso im Speckgürtel des Rhein-Main-Gebietes. Wir werden nun dafür bestraft, dass wir besser gewirtschaftet haben.“ Schellhaas bedauerte auch, dass Münster sich nicht der Breitbandinitiative der Kommunen des Landkreises anschließen wolle. Er könne das zwar verstehen, weil Münster im Verhältnis zu anderen Gemeinden und Städten relativ gut an das Internet angeschlossen sei, „das sieht in fünf Jahren aber vielleicht schon wieder ganz anders aus“. Auch zwei Streitpunkte zwischen dem Landkreis und Münster sprach Schellhaas an, den Bürgersteig vor der John-F.-Kennedy-Schule und die Sanierung der Gersprenzhalle. Hier hatte der Landrat zwar keine Lösungen anzubieten, dafür versprach er: „Ich kümmere mich in Zukunft mehr um Münster.“

Quelle: op-online.de

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