Bau abgelehnt

Biogasanlage ist vom Tisch

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Münster - Was sich schon angedeutet hatte, gab die CDU gestern Vormittag bekannt: Die Mehrheitsfraktion lehnt den Bau einer Biogasanlage an der Landstraße zwischen Münster und Altheim ab. Damit wird es wohl keinen Bauantrag geben. Von Daniel Schmitt

„Dies wäre der nächste Schritt gewesen“, erklärte Münsters Bürgermeister Walter Blank auf Anfrage unserer Zeitung, „Ich gehe aber nicht davon aus, dass der Antrag vorliegen wird. “ Die Biogasanlage habe durch die Ablehnung der CDU keine Chance mehr. „Wir haben uns die Meinung unserer Bürger zu eigen gemacht und lehnen ab“, begründete die CDU-Fraktionsvorsitzende Erna Roßkopf die Entscheidung in einer Pressemitteilung.

Genau neun Tage ist es her, da hatte Bürgermeister Blank zu einer Versammlung in den großen Saal der Kulturhalle geladen. Er wollte sich absichern, wie weit oder ob sich überhaupt an das brisante Thema Biogasanlage in Münster herangewagt werden kann. „Die Versammlung sollte der Meinungsfindung dienen und genau das hat sie getan“, sagte Blank, „die Menschen haben sich vorher mit dem Thema genau befasst.“

Auch die CDU wollte erst eine endgültige Entscheidung fällen, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, hieß es. Da das angestrebte Projekt die Lebensverhältnisse in Münster beeinträchtigen könnte, wurde den Bürgern vor der Einleitung von möglichen Genehmigungsverfahren die Gelegenheit gegeben, sich zu informieren und ihre Meinung zu äußern.

Und dies machten sie mehr als deutlich: Die rund 500 Besucher im Saal hörten sich das Ansinnen von LimnoTec-Geschäftsführer Dr. Niels Holm zwar an – die Firma war Anfang Februar an die Gemeinde herangetreten, um den Bau der Biogasanlage anzupreisen –, fällten danach aber ein klares Votum: Keine Biogasanlage in Münster. „Ich war schon etwas überrascht vom starken Besuch der Versammlung“, sagte Blank.

Der Standort, der Gestank solch einer Anlage, zuviel einhergehender Verkehr, der Verlust von Wohnqualität, Wertminderungen von nahegelegenen Immobilien (Inselviertel) und eine eklatante Beeinträchtigung des benachbarten Naturschutzgebiets waren die Gründe, die die Gegner der Anlage vortrugen.

Rainer Bulang für die SPD und Gerhard Bonifer-Dörr für ALMA sprachen sich schon auf der Bürgerversammlung gegen den Bau aus. Die CDU in Person von Roßkopf wollte sich spontan noch nicht festlegen. Die eindeutige Meinung der Anwesenden sei nur eine „Anregungen für unsere weiteren Überlegungen“. Doch auch der Fraktionsvorsitzenden dürfte es da schon gedämmert haben, dass aus der Biogasanlage nichts werden kann.

Auch im Anschluss an die Versammlung wurden die Gegenstimmen nicht gerade leiser. Die Naturschutzorganisation NABU fasste die genannten Ablehnungsgründe in einem Informationsblatt zusammen, es gab Protestaktionen, im Internet formierten sich die Gegner mit einer eigens eingerichteten Homepage.

All diese Reaktionen konnte auch die CDU nicht übersehen. „Die Stimmung in der Bürgerversammlung war so eindeutig, dass wir das schon vorher nicht geliebte Projekt jetzt endgültig abgelehnt haben“, meinte Roßkopf nun.

Es sei ihr jedoch wichtig gewesen, dass ein Projekt dieser Größenordnung in ihrer Fraktion erst beraten werden konnte. „Für eine demokratische Beratung und Entscheidung meiner Fraktion verzichte ich gerne auf populistischen Beifall in einer Versammlung“, begründete Roßkopf die verzögerte Entscheidung der CDU.

Quelle: op-online.de

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