Blank: Zeit ist eine rare Kostbarkeit

+
Der Männerchor des AGV Münster sorgte mit seinen Liedern für weihnachtliche Stimmung.

Münster - Etwa 1800 Personen im Alter von über 70 Jahren leben in der Gemeinde, rund 300 davon in Altheim. Sie alle waren eingeladen, an der Weihnachtsfeier der Senioren der Gemeinde Münster teilzunehmen. Von Jasmin Frank

Doch nicht allen der fast 400 Besuchern fiel es leicht, den Weg von den eigenen vier Wänden bis in die Kulturhalle auf sich zu nehmen.

„Für die Altheimer Gäste stellen wir stets einen Bus bereit, der sie hin und natürlich auch wieder zurück bringt“, informierte Gemeindemitarbeiterin Nicole Ewig. Darüber hinaus gibt es einen besonderen Service für diejenigen Menschen, für die selbst eine Busfahrt schon mit Strapazen verbunden ist. Dazu zählen insbesondere die Bewohner des Gersprenzheims. „Wir vom Roten Kreuz holen die Betroffenen zu Hause ab und helfen ihnen so, auch mal etwas zu erleben. Für viele von ihnen ist die Weihnachtsfeier ein großes Ereignis, denn sie kommen sonst kaum noch raus. Wenn wir sie dann abends wieder zurück bringen, erzählen sie ganz begeistert von dem, was sie hier erlebt haben“, berichtet der Vorsitzende des DRK Münster, Jürgen Gille.

Karl Schewe war mit seinem 100 Jahren der älteste Anwesende beim Seniorentag und bekam von Günter Willmann, Vorsitzender der Gemeindevertretung, ein Präsent überreicht.

Grund zur Begeisterung gibt es allemal: Das Programm der Weihnachtsfeier war wie üblich bunt gemischt: Das Jugendorchester führte schwungvoll in den Nachmittag hinein, und Hannelore Deinert erzählte das Weihnachtsmärchen „Armer Sankt Nikolaus“, bevor das Geigenensemble „Violino piccolo“ nicht mit Wiener, sondern mit Hamburger Walzern das Publikum verzauberte. Zu guter Letzt traf der Männerchor des Arbeitergesangvereins mit seinen Liedern, darunter auch „Heidschi bumbeidschi“, den Geschmack der Zuschauer. „Uns gefällt es hier immer sehr gut und wir befürworten es, dass die Gemeinde etwas für die älteren Menschen anbietet“, meinte Sofie Grimm, die mit ihrer Freundin Maria Brand des Lobes voll war.

Bürgermeister Walter Blank gab in seiner Weihnachtsansprache einen Überblick über die historischen Stationen der Seniorenfeier: Von den „Altennachmittagen“ im Gasthaus zur Mühle, über die TV Halle und die Kennedyhalle bis hin zur Gersprenzhalle war es zwar kein weiter Weg, doch es wurden immer mehr Besucher. So findet der besinnliche Nachmittag seit 1996 in der großräumigen Kulturhalle statt.

Blank fand auch besinnliche Töne und mahnte: „Der französische Theaterdichter Molière hat einmal gesagt, dass wir nicht nur verantwortlich sind für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. Zeit finden, Geduld zum Zuhören haben – das ist der eigentliche Mangel in unserer auf Effizienz getrimmten Hightech-Welt. Zeit ist eine Kostbarkeit geworden, die wirklich rar ist.“

Damit meinte Blank sicherlich auch Zeit für die Familie, denn gerade die ist es, die offensichtlich ein hohes Alter beschert: Der älteste Besucher des Nachmittags, Karl Schewe, jedenfalls ist sich da ganz sicher und als rüstiger Hundertjähriger muss er es auch wissen. „Wer alt werden und dabei gesund bleiben will, der muss auf zwei Dinge achten: Ein gutes Familienleben und Selbstständigkeit. Ich mache meinen Haushalt und meine schriftlichen Arbeiten alle selbst und bin dabei geistig fit geblieben. Außerdem habe ich vier wunderbare Kinder und sechs ebensolche Enkel sowie vier Urenkel“, strahlte Schewe.

Er hat in seinen 100 Lebensjahren viel erlebt und ist besonders auf eine Tatsache stolz: Er saß selbst 20 Jahre lang in der Münsterer Gemeindevertretung und sein Sohn Norbert ist in seine Fußstapfen getreten. Schewe wurde ebenso wie die 91-jährige Eva Grün und die 90-jährige Helena Löbig von Bürgermeister Walter Blank und dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Günter Willmann, geehrt und alle drei bekamen ein kleines Präsent überreicht.

Quelle: op-online.de

Kommentare