Polit-Veranstaltung in der Kulturhalle

Braver politischer Aschermittwoch

+
Die Premiere solcher Veranstaltungen in Münster stieß zum Erstaunen der einladenden ALMA auf geringe Resonanz. Obwohl die Referenten artig Interessantes zu berichten wussten. Zum ersten politischen Aschermittwoch in Münster hätten mehr Besucher kommen dürfen, um den Referenten Gerhard Bonifer-Dörr, Christel Fleischmann und Mathias Wagner zuzuhören.

Münster - Politischer Aschermittwoch im Foyer der Kulturhalle. Premiere für eine Veranstaltung mit solch klangvollem und mit vielen Assoziationen behafteten Namen. Da sollte man nicht nur, da muss man ja fast mit einem Ansturm rechnen. Doch wie begrüßte Thomas . Von Thomas Meier 

Lay von der Alternativen Liste Münster und Altheim (ALMA) die knapp drei Dutzend Besucher zum Wahlkampfauftakt ihres Bürgermeisterkandidaten Gerhard Bonifer-Dörr: „Danke für das Interesse. Auch wenn ich dachte, ihr seit viel mehr. “.  Dabei konnte die Polit-Veranstaltung mit interessanten Gästen und Themen aufwarten. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Hessischen Landtag, Mathias Wagner, der ebenfalls grüne Schul- und Baudezernent des Landkreises, Christel Fleischmann, und freilich der Hauptredner des Abends, ALMA-Bürgermeisterkandidat Gerhard Bonifer-Dörr, traten in die politische Bütt. Die Entwicklung der Landespolitik, die Schulpolitik und die Zukunft Münsters waren ausgewiesene Themen, die alle drei Referenten brav beleuchteten. Und das Adjektiv brav war es dann auch, welches den Aschermittwoch Münsters etwa von bayrischen Veranstaltungen solchen Namens so sehr abhob.

Lay zitierte zwar aus Wikipedia über den politischen Aschermittwoch: „Nach vorherrschender Meinung besteht das Ziel der in Bierzelt-Atmosphäre gehaltenen politischen Reden, die sich durch farbige Wortwahl und heftige, polemische Attacken gegen den politischen Gegner auszeichnen, weniger darin, neuartige politische Konzepte zu präsentieren oder detaillierte Sachkritik vorzubringen, sondern sie dienen vielmehr dazu, die eigenen Reihen zu schließen, Parteianhänger zu motivieren und den politischen Gegner zu verunsichern.“ Doch er versicherte auch zugleich, in Münster sollten Sachargumente und gute Konzepte, nicht Stammtischparolen überzeugen.

Politiker traten in die Bütt

Mathias Wagner berichtete über die ersten 46 Tage schwarz-grüner Zusammenarbeit in der Landesregierung, voranstellend, dass beide Parteien sich andere Ergebnisse als die vom Wähler präferierten gewünscht hätten. Grüne und Schwarze gingen in Hessen seitdem anders miteinander um als diese Parteien im Bund. Es gelte für die Grünen, im Wahlkampf versprochene Inhalte umzusetzen, dies sei mit der CDU auch möglich. Erneuerbare Energien, Integration und Antidiskriminierung waren dem Fraktionschef Themen, bevor er sich der Bildungspolitik widmete. Keine Lehrerstellen würden in den kommenden Jahren reduziert, auch wenn die Schülerzahlen sänken. Inklusion wolle man voranbringen, zu G9 zurückkehren, wo es Elternwille sei. Auch Wagner blieb dem Aschermittwochsgedanken zum Trotz beim Kuschelkurs: Bloß keine Fingerhakel-Koalition entstehen lassen, in der jeder darauf aus sei, mehr als der Partner vom Programm zu verwirklichen.

Der Kreisreferent für Bildung, Bauen, Umwelt und ÖPNV, Christel Fleischmann, sprach Biber und Wildkatze und Messeler Hügelland das Wort, wobei er wenigstens dem Landrat verbal eine mitgab, als er darauf anspielte, dem habe man seine Straßenbaupläne durchs Naturschutzgebiet verhagelt. Ansonsten widmete er sich der Schul- und Schulbaupolitik des Kreises, dabei stets Münster im Blick habend. Die Leiterin der Schule auf der Aue etwa, Sabine Behling-Schmidt (sie hörte im Publikum gespannt zu), bekomme eine ganz tolle Schule. Allerdings habe er als Kreisbeigeordneter 81 Schulen mit 500 Einzelgebäuden im Kreis im Blick zu behalten.

Seit 2008 habe man über 200 Millionen Euro in Schulneubauten und Sanierungen gesteckt, bis 2018 würden es wohl 400 Millionen sein. Seine sieben Projektleiter hätten ihm allesamt Überlast-Anzeigen eingereicht, weswegen er manchen Schulleiter auch um Geduld bitten müsse. Auch, dass auf der Aue die nächsten zwei bis drei Jahre Schüler in Containern unterrichtet werden müssten, sei unabwendbar. Für die Regenbogenschule in Altheim wünschte sich der Referent, dass ihm Bonifer-Dörr als Bürgermeister wohl so rund 200 Quadratmeter Festplatzgelände für die Erweiterung des Schulhofbereiches abtreten werde.

Ein Lacher fürs Publikum

Als dann der Kandidat des Abends, Bonifer-Dörr, „in die Bütt“ trat, gab er erst mal seiner Enttäuschung Ausdruck: „Bürgermeister müssen in die Bütt. Hier in Münster sind in der Vergangenheit viel zu wenig Gemeindechefs in den Ring gegangen für Schulen und andere Anliegen“. Der Kandidat beleuchtete 29 Jahre grüne Politik in Münster, dass man sich von 7,5 auf fast 15 Prozent in der Gemeindevertretung verstärkt und politische Akzente gesetzt habe. Er spulte sein komplettes Wahlprogramm herunter und sparte auch mit Kritik an den Jahrzehnten der Unionsmehrheit nicht. Bauskandale wie Kulturhalle und Haus der Kinder erwähnte er, dabei sich auch nicht im Ansatz auf bajuwarisches Aschermittwochsniveau begebend.

Nur ganz am Schluss, nach Umwelt, Soziales, Bildung und Kultur, da „derbleckte“ er einen direkten Kandidaten-Konkurrenten: „Wenn einer in Münster verspricht, er werde in die Fußstapfen seines Vorgängers treten, dann ist der doch nicht wählbar. Oder?“ Und kurz lachte mal das sonst so brav unterhaltene Foyers-Publikum auf. Bevor die gemeinsame Unterhaltung begann, sprach noch Christian Flöter von den Kreis-Grünen über deren 30-jährige Geschichte.

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion