Bürgermeisterkandidat Gerald Frank

Rennrad bleibt auf der Strecke

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SPD-Bürgermeister-Kandidat Gerald Frank (hier mit einem eigenen Werk) hat eine künstlerische Ader – mag es aber auch gerne sportlich.

Münster - Es gibt auch für Bürgermeisterkandidaten ein Leben außerhalb der (kommunalen) Politik: Wir stellen unseren Lesern die vier Bewerber um den Chefsessel im Rathaus einmal in ihrem privaten Umfeld vor, heute Gerald Frank. Von Jens Dörr 

Der Wahlkampf-Motor läuft, die sportliche Aktivität stottert. Normalerweise versucht Gerald Frank die 33 Kilometer zwischen Münster und seinem Arbeitsplatz in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise so oft wie möglich mit dem Rad zurückzulegen. „Das ist mir zuletzt nur selten gelungen“, gibt der Bürgermeister-Kandidat der SPD unumwunden zu. Auf dem Rennrad habe er in diesem Jahr auch erst einmal gesessen. „Ich versuche zumindest, einmal pro Woche zu joggen“, sagt er und schnauft ein wenig durch. Der Kampf um den Chefsessel im Rathaus geht auch an ihm nicht spurlos vorbei.

Denn für den 55-Jährigen, der „die schwarze Phase von 36 Jahren beenden“ will, steht neben Veranstaltungen und Hausbesuchen auch „business as usual“ an: Frank arbeitet als Projektleiter bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe in Steinwurf-Weite zur Commerzbank-Arena, wo sich auch die Sportverbände angesiedelt haben. Sein Metier, seine Welt. „Es gibt auch ein Leben nach der Wahl“, erläutert er, dass es beruflich wie bisher weiterginge, sollte ein anderer Kandidat siegen. Dass er es ernst meint, daran aber lässt er wie alle Mitbewerber keinen Zweifel.

„Ich kann Chancen erkennen und sie verfolgen“

Lesen Sie dazu auch die Artikel zu den anderen Kandidaten:

- Gerhard Bonifer-Dörr

- Sascha Hollmann

- Udo Beutler

„Ich kann Chancen erkennen und sie verfolgen“, beginnt Frank zu erzählen, als der Autor dieser Zeilen ihn fragt, weshalb gerade seine Person die geeignete sein könnte, Münster durch die nächsten Jahre zu steuern. Als Beispiel nennt er das ehemalige Rathaus in Altheim, in dem er lieber eine Künstlerkolonie sähe, als es möglichst schnell zu veräußern. „Es kann nicht das alleinige Ziel sein, einen ausgeglichenen Haushalt zu haben“, meint er. Der sei wichtig, „aber man muss gucken, was dabei eventuell alles hinten runterfällt“. Bis Ende April absolvierte er an 62 Tagen 3 400 Hausbesuche und habe diese Bedenken immer wieder gehört. „Gerade war ich bei einem Handwerker, der mit Blick auf manches Bauwerk gemahnt hat, dass es schlicht unökonomisch sei, bestimmte Sanierungen mit Blick auf den Haushalt zu verschieben und dann später viel kräftiger in die Tasche greifen zu müssen.“ Womit man im Gespräch mit Frank schnell doch in der Diskussion um lokalpolitische Inhalte wäre, die ja auch Kern des Wahlkampfs sein sollten, in einer eher vom Persönlichen geprägten Home-Story wie dieser indes außen vor bleiben sollten.

Und man kann Gerald Frank auch privater erfassen, ohne dass es langweilig wird. Da taucht immer wieder der Sport auf – wenngleich momentan auch selbst kaum ausgeübt, ohne dass das schon auf die Figur des Sozialdemokraten durchgeschlagen hätte. „Meine Arbeit im Sport war mir eine sehr gute Schule für die Politik“, ist sich der Vater 20-jähriger Zwillinge sicher. Gerade im Gespräch als Sporthilfe-Vertreter mit den Verbänden sei „viel Diplomatie gefragt“. Generell sei es zudem seine Art, „sehr pragmatisch und sachlich vorzugehen. Man kriegt mich nicht mit Ideologie.“ Er sei „kein Dogmatiker“, obgleich natürlich nicht zufällig in der SPD engagiert. Sein Vater war lange Stadtverordneten-Vorsteher in Offenbach, wo auch Frank – an Neujahr – einst geboren wurde. Vor allem aber orientiere er sich durchaus an den Werten der Sozialdemokratie. Aber eben nicht, ohne dabei über den Tellerrand hinauszuschauen.

Seit sieben Jahren in der Kommunalpolitik aktiv

Wer den Münsterer, der seit sieben Jahren in der Kommunalpolitik aktiv und Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der Feuerwehren in Münster und Altheim, der Gewerkschaft verdi, des Städtepartnerschafts-Vereins sowie des Heimat- und Geschichtsvereins ist, auf Job, Sport, Politik und Familie „beschränken“ möchte – als ob das nicht schon ein vielseitiges, erfülltes Leben garantieren könnte –, greift übrigens daneben.

Wenn Frau und Kinder nicht zuhause sind, greift Frank wie früher wieder zur Gitarre. Bleibt noch etwas Zeit, schmökert er in Büchern – gerade etwa in einer Biografie über Altkanzler Helmut Schmidt. Für die Fotografie, früher eine Leidenschaft, ist daneben dann aber wirklich kaum mehr Luft. Dann verrät Gerald Frank noch ein Geheimnis: Eines Tages möchte er zwei Wochen in Südfrankreich Urlaub machen, um dortmit Öl und Acryl zu malen. „Ich mag abstrakte Kunst, mag den Bauhaus-Stil“, sagte er. Sollte es mit dem Wahlsieg klappen, wäre das wohl der perfekte Anlass, den Traum in Wirklichkeit zu verwandeln.

Wer in welchem Bundesland regiert

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Quelle: op-online.de

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