Gekocht wird auch im Endspurt

Bürgermeisterwahl: Gerhard Bonifer-Dörr vorgestellt

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Hobbykoch: Für die Bürgermeister-Wahl am 25. Mai hat Gerhard Bonifer-Dörr politisch bereits angerichtet.

Münster - Es gibt auch für Bürgermeisterkandidaten ein Leben außerhalb der (kommunalen) Politik: Wir stellen unseren Lesern die vier Bewerber um den Chefsessel im Rathaus einmal in ihrem privaten Umfeld vor, mit Gerhard Bonifer-Dörr zu Beginn. Von Jens Dörr

„Erfahren – echt – engagiert“: Unter diesem Slogan wirbt er derzeit um Stimmen für den 25. Mai. Dann wählt Münster nach fast zwei Jahrzehnten mit Walter Blank einen neuen Bürgermeister. Dass der am Abend des genannten Sonntags bereits feststeht, glaubt Bonifer-Dörr indes nicht: „Bei vier Kandidaten bin ich mir fast sicher, dass es eine Stichwahl gibt.“ Gut möglich also, dass der 59-Jährige eine Verlängerung dessen erlebt, was aktuell seine Tage prägt: Eine Melange aus Wahlkampf, Arbeit und Ehrenamt hält den gebürtigen Münsterer auf Trab.

Seit 25 Jahren ist Bonifer-Dörr beruflich selbstständig, an sich schon eine große Aufgabe. „Heidelberger Institut Beruf und Arbeit“ (HIBA) heißt das Fortbildungs- und Forschungsinstitut, dessen Inhaber der Mann mit dem markanten Schnauzbart ist. Fünf feste Mitarbeiter, darunter seine Frau Maria, und 20 freie zählt Bonifer-Dörr zu seinem Team, das unter anderem Beschäftigte von Bildungswerken coacht, die ihrerseits etwa Arbeitslose bei der Jobsuche unterstützen. Einstmals, als er das HIBA noch mit Partnern führte, waren es gar 40 feste und 200 freie Mitarbeiter. „Ich weiß also, wie Personalführung geht“, sagt Bonifer-Dörr. Aus seinem Job nehme er überdies das Wissen mit, „wie Verwaltung tickt. Ich kenne beide Seiten des Tisches.“

Bewerbung um den Chefsessel im Rathaus

Viele weitere gute Gründe fallen dem Münsterer ein, spricht man ihn auf seine Bewerbung um den Chefsessel im Rathaus an. „Ich bin der älteste Kandidat, was aber kein Nachteil ist. Im Falle einer Wahl dürfte ich auch noch ein zweites Mal antreten“, sagt er. Außerdem sei er jener unter den Kandidaten, der „am längsten in der Kommunalpolitik“ sei. Dort hat er sich durch seine ruhige Art und die Fähigkeit, sich tief in Themen einzuarbeiten, längst nicht nur Anerkennung in seiner Fraktion, der Alternativen Liste Münster-Altheim (ALMA), erworben. Wobei er dennoch kaum prognostizieren könne, wie seine Chancen auf den Wahlsieg wohl stehen: „Ich merke aber, dass es in Münster Bewegung gibt – und dass ich von einiger Unzufriedenheit mit dem Bestehenden höre. Ich habe Lust zu gucken, was sich auf der anderen Seite, im Rathaus, gestalten ließe. Die Kandidatur war kein Schnellschuss, sondern wohlüberlegt.“ Erleichtert habe es ihm, dass sich die ALMA einstimmig für ihn ausgesprochen und auch die Familie – Bonifer-Dörr ist verheiratet, hat zwei Kindern und eine Enkelin – ihre Unterstützung zugesagt habe.

Bei all dem laufe aber das Tagesgeschäft weiter, im Job wie im Ehrenamt. „Ich denke zweigleisig“, weist der ALMA-Kandidat darauf hin, im Falle eines Konkurrentensiegs wieder unmittelbar in seine jetzige berufliche Tätigkeit eintauchen zu können. Klappt es mit der Wahl zum Bürgermeister, gehe es andererseits auch mit dem HIBA weiter. Unter anderem Sohn Julian, mit seinem Vater gemeinsam in der Parlamentsfraktion, stehe „schon in den Startlöchern“. Auf alle Fälle vorstellen könne sich Bonifer-Dörr, noch einmal für den Vorstandsvorsitz des Bezirksverbands Darmstadt-Bensheim von pro familia zur Verfügung zu stehen. Seit Mai 2010 bringt er sich dort an vorderster Front ein.

Wer in welchem Bundesland regiert

Wer in welchem Bundesland regiert

Da derlei Aufgaben vor dem Wahlkampf keinen Halt machen – auf Hausbesuche verzichtet der Endfünfziger, setzt stattdessen eine Vortragsreihe und die „Samstags um Zwölf“-Veranstaltungen zur Interaktion mit dem Bürger ein –, bleiben momentan andere Dinge auf der Strecke. „Außer in Fachbüchern komme ich derzeit kaum zum Lesen“, bedauert Bonifer-Dörr den aktuellen Literaturverzicht. Normalerweise dürfen es auch gern „Krimis mit sozialkritischem Hintergrund“ sein.

Eins lässt sich das Mitglied von Musikverein (früher spielte er regelmäßig Klavier, Gitarre und Klarinette; darüber hinaus zählt er die Fotografie und das Nordic Walking zu seinen Hobbys) und Freiwilliger Feuerwehr allerdings auch jetzt nicht nehmen: „Ich verbringe viel Zeit in der Küche, das macht mir einfach Freude“, sagt Bonifer-Dörr und weist auf eine Reihe Kochbücher. Meistens sonntags kommt die gesamte Familie zum ausgiebigen Essen, auch mal zum Drei-Gänge-Menü, zusammen. Schon zwei, drei Tage vorher werden die Speisen durchdacht und festgelegt. Im Falle eines Wahlsiegs fiele der Schmaus bei einem Bürgermeister Gerhard Bonifer-Dörr gewiss noch ein wenig opulenter aus.

Quelle: op-online.de

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