Bürgermeisterwahl: Udo Beutler

„Nicht ohne meine Familie“

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Nicht ohne meine Familie: CDU-Bürgermeister-Kandidat Udo Beutler mit Frau Christine, Tochter Nathalie (l.), Sohn Mario und Tochter Angelina (r.). Die Zeit fürs gemeinsame Gesellschaftsspiel ist derzeit knapp bemessen.

Münster - Es gibt auch für Bürgermeisterkandidaten ein Leben außerhalb der (kommunalen) Politik: Wir stellen unseren Lesern die vier Bewerber um den Chefsessel im Rathaus einmal in ihrem privaten Umfeld vor, heute Udo Beutler. Von Jens Dörr

Es gibt Zeiten, da kann das Ehrenamt in der Lokalpolitik heilsam sein. Vor zwei, zweieinhalb Jahren standen Udo Beutler beruflich die Sorgenfalten auf der Stirn. Es war der Gipfel der Krise, die der Offenbacher Druckmaschinenhersteller Manroland, Beutlers Arbeitgeber, erlebte, inklusive Eröffnung des Insolvenzverfahrens, Aufspaltung des Unternehmens und Verkleinerung der Belegschaft. „Wir haben damals viele gute Mitarbeiter verloren“, blickt der Bürgermeister-Kandidat der CDU Münster zurück auf eine schwierige Phase. An ihm, Hauptverantwortlicher im Leitungsteam für die Fertigungs- und Terminsteuerung, ging der Kelch zwar vorüber. „Die Lokalpolitik war in dieser Zeit aber eine gute Ablenkung“, sagt er.

Erst einige Monate vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, im November 2011, war Beutler bei den Christdemokraten der Gersprenz-Gemeinde eingetreten. Und ist bei der Kommunalwahl von Listenplatz 15 auf Rang drei kumuliert und panaschiert worden. „Ich bin praktizierender Christ“, nennt Beutler einen Beweggrund, weshalb er seine politische Heimat in der CDU sieht. Bis vor zwei Jahren wirkte der Katholik gar noch als Messdiener in den Gottesdiensten mit.

„Wenn ich etwas mache, dann richtig“

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In der Gemeindevertretung stieg er schnell als Vize-Vorsitzender in den Fraktionsvorstand auf. Die Mitglieder des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses wählten ihn zu ihrem ersten Mann. „Ich war schon immer an der Politik, besonders in Münster, interessiert und bin schon vorher häufiger angesprochen worden, ob ich mitarbeiten wolle“, erzählt der 51-Jährige. Lange sei er aber „sehr stark im MGV Münster und der Kolpingfamilie involviert“ gewesen. Bei den Sängern zeichnete er im Vorstand viele Jahre für den Wirtschaftsausschuss verantwortlich. Er habe sich in dieser Zeit nicht mit weiteren Aufgaben überfrachten wollen: „Eine dritte ehrenamtliche Sache wäre damals zu viel gewesen. Wenn ich etwas mache, dann richtig.“

Inzwischen jedoch ist Beutler im Parlament angekommen und tief ins lokalpolitische Geschehen eingetaucht. „Nur im Team können wir aber erfolgreich sein“, betont er, dass weder die Arbeit in der Gemeindevertreter-Sitzung noch der Wahlkampf und eine mögliche spätere Aufgabe im Rathaus-Chefsessel als One-Man-Show zu stemmen wären. Was Beutler, der in Münster geboren und aufgewachsen ist („Wenn ich mal zwei Wochen lang weg bin, reicht’s mir –dann freue ich mich drauf, endlich wieder den Kirchturm zu sehen“), beileibe nicht nur mit Blick auf seine Parteifreunde verstanden wissen will. Besonders bedeutsam für ihn, der auch förderndes Mitglied der Feuerwehr ist: „Ich bin sehr familienbezogen. Ohne ihre Rückendeckung geht es bei mir nicht.“ Dazu passt, dass Beutler vorschlug, zu Gespräch und Fotoshooting mit dieser Zeitung nicht nur seine Frau Christine – auf vielen Veranstaltungen an der Seite ihres Mannes zu sehen – hinzuzuziehen, sondern auch Tochter Nathalie (23) sowie Sohn Mario (21) und Tochter Angelina (21).

Dass er Vater von Zwillingen ist, teilt er mit seinem SPD-Mitbewerber Gerald Frank. „Es wird auf eine Stichwahl hinauslaufen“, glaubt Beutler, dass Münsters neuer Bürgermeister am 25. Mai noch nicht feststehen werde. Er hoffe auf die Pole-Position, ist dabei guten Mutes, ohne überheblich zu wirken: „Es wäre auch ein Trugschluss, blauäugig auf einen klaren Sieg zu setzen.“ Ob er Runde eins – womöglich – vor Frank, Gerhard Bonifer-Dörr (ALMA) oder Sascha Hollmann (parteilos) beenden werde, könne er hingegen nicht seriös prognostizieren.

Bis dato steht derweil noch reichlich Überzeugungsarbeit an Haustüren und auf Veranstaltungen an. Hund Chappy wird Beutler in dieser Zeit seltener als sonst zu Gesicht bekommen.

Wer in welchem Bundesland regiert

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Der Tag beginnt morgens um fünf; Spaziergänge, Nordic Walking und Fitnessstudio müssen aktuell auch etwas zurückstehen. Was alles wohl auch nur noch in geringerem Umfang machbar wäre, sollte Beutler siegen: „Ich habe mir die Sache aber zusammen mit meiner Frau und meinen Kindern reiflich überlegt.“ Die vielfältigen Aufgaben, die auf einen Bürgermeister warteten, seien indes Antrieb: „Ich mache immer wieder gern etwas Neues und bin meinem Heimatort vor allem tief verbunden. Hier will ich zu einer guten Entwicklung beitragen.“ Mit „Organisationstalent, wirtschaftlichem Überblick, Erfahrung in der Mitarbeiterführung und Teamfähigkeit“ wolle er die Herausforderung zum Wohle Münsters meistern. „Er ist zudem ein sehr durchsetzungsfähiger Mensch“, charakterisiert ihn seine Frau Christine - was dem Teamgedanken nicht widersprechen müsse.

Im Garten des Hauses am Helgolandring, das die Beutlers vor Jahren fast komplett in Eigenregie gebaut haben, steht eine Palme. Ob sie im Sommer 2014 dem neuen Bürgermeister Schatten spendet, entscheidet sich am 25. Mai – oder spätestens in der Stichwahl, die am 15. Juni stattfinden würde.

Quelle: op-online.de

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