Bürgermeisterwahl in Münster

Scheuklappenfreier Denker

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Sascha Hollmann.

Münster - „Eine neutrale Betrachtung aufkommender Fragestellungen in Verbindung mit einer zukunftsorientierten Abwägung der Vorgehensweisen sind Kern meiner Arbeit.“ Von Thomas Meier 

Der das auf Seite eins seiner Homepage schreibt, tritt an, sich am 25. Mai zum Bürgermeister von Münster und seinen Ortsteilen wählen zu lassen. Sascha Hollmann, 41-jähriger Überraschungskandidat, rechnet sich dabei gute Chancen aus, die drei bekannteren Mitbewerber aus CDU (Udo Beutler), SPD (Gerald Frank) und ALMA (Gerhard Bonifer-Dörr) zu überflügeln. Auch wenn er die Mitbewerber ums Amt als fähige Kommunalpolitiker einschätze, so habe er als Parteiloser doch eine andere, unverfälschte, neutrale und freie Sicht auf die Dinge. „Das hilft“, ist er sich sicher.

Wie kommt man als Betriebswirt und Angestellter im öffentlichen Dienst als Arbeitsvermittler in der Agentur für Arbeit in Dieburg auf die Idee, Chef im Rathaus seiner Heimatgemeinde zu werden? Der gebürtige Altheimer sagt, am Thema arbeite er schon lange, seit vergangenem Frühjahr, als er von der absehbaren Posten-Vakanz erfuhr, habe er sich intensiv „über den Ablauf und das Prozedere für einen parteilosen Bewerber informiert“. In eine Partei zu gehen, um sich politisch zu betätigen, habe er hingegen zu keinem Zeitpunkt ins Auge gefasst.

Der verheiratete Vater eines zweijährigen Buben weiß seine Familie hinter sich. „Das muss auch so sein, denn ich bin mir bewusst, dass die Arbeit als Bürgermeister eine zeitaufwändige und intensive ist.“ Mit Rat und Tat unterstütze ihn nicht nur seine berufstätige Frau, beim Entwerfen von Flyern und Plakaten oder dem Zusammenstellen der Online-Inhalte sind die ganze Verwandschaft und Freunde gefragt.

Sein großes Thema ist die Demographie

So richtig in die Puschen kam Hollmann dann im Januar, als es darum ging, die notwendigen Unterschriften für eine Kandidatur zusammenzubringen. Nun outete er sich zunächst im Bekanntenkreis als Mann mit politischen Ambitionen, doch was ihm zunächst als schwieriger Weg vorkam, erwies sich in der Realität „als Quell der Erkenntnisse“, wie er sagt. Schon seine Oma, die bei der Post in Altheim arbeitete, war im Ort keine Unbekannte, und er hatte die Schulen im Ort besucht, mit Jahrgangskollegen gespielt und Sport betrieben. „Meine Rundgänge in Sachen Kandidatur bescherten mir eine große Menge an direkten Gesprächen mit Bürgern unserer Gemeinde. Durch die dabei angesprochenen Themen und Problemstellungen entstand eine geradezu überwältigende Informations- und Ideensammlung,“ sagt der Kandidat.

Daraus und aus seinen allgemeinen Beobachtungen strickte er das Programm, das detailliert auf seiner Homepage nachzulesen ist. Auch informierte sich der Parteilose im vergangenen Jahr auf den öffentlichen politischen Ausschuss- und Gemeindevertretersitzungen, die er von der Besucherbank aus verfolgte.

Sein großes Thema ist die Demographie, die praktisch alle politischen Belange beeinflusst. Die Veränderung der Bevölkerungsstruktur bricht Hollmann thematisch auf die Gemeinde herunter. Er besorgte sich Zahlenwerk zur prognostizierten Schrumpfung der Einwohnermenge der Gemeinde, er vergleicht Alterstrukturen heute, morgen und übermorgen, denkt in Zeiträumen, die weit über Legislaturperioden hinausgehen. Sich wappnen, um künftigen Anforderungen und Entwicklungen gerecht zu werden, ist sein Credo. Zwar hat er längst nicht auf alle damit in Zusammenhang stehenden Fragen Antworten parat, aber eben die gelte es ja auch „mit den sehr kompetenten, heimischen Lokalpolitikern zu entwickeln“, sagt der Pragmatiker.

Wer in welchem Bundesland regiert

Wer in welchem Bundesland regiert

Und dies auf „parteilose, neutrale Betrachtungsweise“, mit der er punkten wolle, erklärt Hollmann. Scheuklappenfreies Denken mache freier in Entscheidungen und sei für die Geschicke der Gemeinde effizienter. Nach dem Motto „Patentrezepte hat keiner, man muss reden“, will er über einige Brennpunkte in der Gemeinde mit den Leuten sprechen. Leerstände in der Kommune beispielsweise. Da gelte es zunächst einmal zu eruieren, was die Eigentümer der Häuser mit leer stehenden Geschäften vorhaben. Dann, was die Bürger im Ort haben wollten. In seinen Gesprächen mit den Bürgern sei er beispielsweise zum Schluss gekommen, dass Handel ins Zentrum, Gewerbe an die Peripherie gehöre. Von der Gewerbebeauung profitiere der Ort zunächst mehr als von Wohnraumschaffung, habe er errechnet. Und auch wenn Münster nun mit dem Voranbringen des Mischgebietes an der Altheimer Straße auf einem guten Weg sei, so gelte es bereits heute, die nächste Baugebietsausweisung vorzubereiten.

Selbst wenn Münster „nur“ ein Unterzentrum sei, so könne man auch daraus einiges machen, verweist Hollmann auf die Nachbarschaft, ohne dabei aber das Wort Eppertshausen auch nur in den Mund zu nehmen. Es gebe einige Orte, von denen man abschauen könne, sagt er diplomatisch. Mobilität wird immer teurer, sieht der Demograph Hollmann. Wichtig seien deshalb Arbeitsplätze am Ort. Und eine Aufwertung Münsters durch die Optimierung des öffentlichen Personennahverkehrs. Es gibt viel zu tun. Damit die Bürger es künftig mit Sascha Hollmann in die Hand nehmen, stellt er sich bis zur Wahl noch bei vielen Gelegenheiten im Ort und bei Veranstaltungen vor. Beispielsweise an seinem Parteilosen-Stand vor Einkaufsmärkten, sagt der Kandidat.

Quelle: op-online.de

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