Kleine Anna, große Ehre

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Gruppenbild mit Ehrenpatenkind: Bürgermeister Walter Blank überreicht für den Bundespräsidenten Urkunde, Scheck und Blumen an Georg-Johann, Anna und Sonja Riesterer.

Münster ‐ Da hat Bundespräsident Christian Wulff kaum einen besseren finden können als Bürgermeister Walter Blank, in seinem Namen die Ehrenpatenschaft für das siebte Kind der Altheimer Familie Riesterer zu übernehmen. Von Thomas Meier

Wurde die kleine Anna Jessica Riesterer doch am 13. März dieses Jahres geboren, dem Geburstag von Münsters Gemeindeoberhaupt, selbst fünftes von acht Kindern. „Das passt“, waren sich so auch schnell die Eltern Sonja Claudia und Georg-Johann Riesterer mit Bürgermeister Blank einig, als der am Donnerstagabend die Patenschaftsurkunde nebst 500 Euro einmaligen Patengeschenks (mehr dazu im Info-Kasten) im Rathaus überreichte.

Erstmals erfüllte Blank in seinen 14 Amtsjahren als Münsterer Verwaltungschef diese vornehme Aufgabe, und dem Kind aus einer eigenen Großfamilie war es Herzensangelegenheit, diesen symbolischen Akt zu übernehmen. „Es gilt, Großfamilien auch heute als wertvolles, schützenswertes Gut herauszustellen“, bekannte Blank.

Lagerist in Pfungstädter Großbäckerei

Dies scherte die Hauptperson des Tages, die kleine Anna, freilich weniger. Bestgelaunt kaute sie am Finger eines die Szenerie beobachtenden Gastes, und auch ihre Geschwister Lea (11), Pia (8), Jana (7), Cora (5), Eva (4) und Steven (2) interessierten sich eher für die angebotene Limo und Kekse.

Dafür hatten die Eltern nicht nur ein offenes Ohr für derlei verbale Unterstützung, sie können auch über eigene Erfahrungen berichten. Denn sieben Kinder sind nicht nur ein reichlicher Segen, sondern auch mit viel Verantwortung und einigen Opfern verbunden.

Der 39-jährige Papa aus Staufen im Breisgau, er kam mit acht Jahren in den heimischen Raum, arbeitet als Lagerist in Schicht in einer Pfungstädter Großbäckerei. Seine 30-jährige Gattin aus Darmstadt arbeitete als Automatenfülltechnikerin, bis sie 2003 in die Mutterzeit wechselte. Beide gingen ihre christlich geprägte Ehe mit dem Wunsch nach großer Familie ein und sehen ihren Kinderreichtum als Geschenk Gottes. „Ich habe mir immer meine Oma als Vorbild genommen. Die hatte sechs Kinder und konnte mit ihren Urenkeln bestens“, sagt Sonja Riesterer, die am liebsten zehn eigene Kinder hätte, doch seit einem Verkehrsunfall gehandicapt ist.

„Es wird von Kind zu Kind leichter“

Seit 2008 wohnt die Familie in Altheim, das zweite Mal übrigens, denn nach der Heirat mussten sie des öfteren die stets zu klein werdenden Wohnungen immer wieder mal wechseln. Im angemieteten Zweifamilienhaus in der Kirchstraße fühlen sie sich auf 180 Quadratmetern Wohnfläche wohl, wenngleich der Altbau einige Mängel aufweist. „In Altheim sind wir gut aufgenommen worden“, sagt Mutter Sonja und der Vater nickt. Er kennt negative Bemerkungen über seine Großfamilie eher aus der Großstadt und von seiner Arbeitsstätte.

Dort werde schon mal gefragt, ob man sich nicht sozial an den Rand gedrängt vorkomme, berichtet der Lagerist. „Aber wenn sie erleben könnten, wie das ist, wenn Weihnachten das Glöckchen klingelt und alle Kinder laufen strahlend zum geschmückten Baum...“, schwärmt der Papa, den bezüglich seiner Familie nichts anficht. Und seine Sicht in Sachen Familie bei der Taufe von Anna bestätigt sah: „Das ganze Taufbecken war umlagert, man sah es kaum noch. Das war einfach großartig.“

„Es wird von Kind zu Kind leichter“, sagt die Mama, anerkennend, dass mit jedem Stammhalter freilich auch die Verantwortung - vor allem des Haupternährers - wächst. Drei der Mädchen gehen bereits zur Schule, das geht ins Geld. Und wer glaubt, dass die Kleidung immer weiter gegeben werden könnte, irrt. „Vor allem bei Schuhen läuft da gar nichts,“ sagt Georg-Johann Riesterer. Für Jana habe man vor vier Monaten ein neues Paar erstanden, das bereits völlig zerschlissen sei. „Und so finden sich bei uns zu Geburtstagen oder Weihnachten auch eher Kleidung unter den Geschenken als etwa Spielsachen“, betont die Mutter.

Geld vom Bundespräsidenten auf Sonderkonto

Die Eltern stöhnen nicht unter der finanziellen Belastung, kritisieren aber dennoch „Ungereimtheiten“. So ist es ihnen unverständlich, dass Hartz-IV-Empfänger Schulgeld bekommen, sie jedoch nicht.

Das Geld vom Bundespräsidenten wird für Anna auf ein Sonderkonto gelegt. „Das wird nicht aufgeteilt, es kommt später einmal ganz allein ihr zugute“, beteuern strahlend die Eltern.

Quelle: op-online.de

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