„Kinder brauchen gutes Theater“

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Fünfter „Bunter Hund“: Professionelle Schauspieler zeigen und proben mit über 500 Münsterer und Dieburger Schülern zeitgenössische Inszenierungen in der Kulturhalle. Die Eltern applaudieren. Max Petermann als Regieanweiser in der Brandung pink-blauen Schülertheaters: Den Eltern gefiel das Dargebotene.

Münster - Was für ein Theater! Allein das Hereinkommen in den kleinen Saal der Kulturhalle erwies sich als burlesker Spießrutenlauf für die auf die Inszenierung gespannten Besucher. Einen Moment lang wurden sie gar die Hauptakteure. Von Thomas Meier 

Es geriet schon zum Spaß, den Eltern bei ihrer eher unfreiwilligen „Reise nach Jerusalem“ zuzuschauen. Nein, die Veranstalter hatten am Dienstagabend nicht mit solch einem Ansturm auf die viel zu wenig bereitgestellten Theaterplätze gerechnet. Erst mit 20-minütiger Verspätung konnte so die Aufführung von „Wir Kinder in pink und blau“ beginnen. Doch was die Schüler der Klassen 3a und 3b der Altheimer Regenbogenschule da auf die Bretter zauberten, die an diesem Abend ihre Welt bedeuteten, verdiente wahrlich den lang anhaltenden Applaus und stehende Ovationen, der am Ende folgte. Auch oder gerade weil er doch einer sehr modernen Inszenierung galt.

Nach vier erfolgreichen Durchgängen streift der „Bunte Hund“ in die fünfte Saison des Kinder- und Jugendtheater-Festivals Münster. Wieder zeigen professionelle Theatergruppen zeitgenössische Inszenierungen in der Kulturhalle. Vier Tage gibt es Theater satt für Kinder von zwei bis 14 Jahren. Kindergärten und Schulen bekommen hochkarätige Produktionen aus Hessen frei Haus. Außerdem zeigt die Regenbogenschule zwei Eigenproduktionen. Die Theater-AG spielt ein humorvolles Stück mit Livemusik ein, die dritten Klassen zeigen ihre humorvolle Performance.

Max Petermann ist der Motor vom Bunten Hund. Des Pädagogen Kredo: „Kinder brauchen Theater. Aber nicht irgendwelches, sondern künstlerisch anspruchsvolles, verantwortlich bedachtes, professionelles Theater.“ Für „Bunter Hund“ wurden Inszenierungen ausgewählt, die diesem Anspruch genügen und dabei ein breites Spektrum abdecken, was Inhalt und Form angehen: packendes zeitkritisches Schauspiel, turbulentes Märchentheater und ein humorvolles Tanzgeschehen für die Allerjüngsten.

„Bunter Hund“ wird unterstützt von der Gemeinde Münster und ist Teil der hessenweiten Gastspielreihe „flux“, einem großangelegten Kooperationsprojekt mit Unterstützung durch das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Kultusministerium. Ausgewählt von einer professionellen Jury bieten hessische Theatergruppen zu ihren Stücken umfassende Materialien an und leisten theaterpädagogische Vor- und Nachbereitungen. So ernteten beispielsweise am Dienstagabend auch Marielle Amsbeck und Julia Windisch vom Darmstädter Verein „Grenztänzer“ großes Lob für ihre Unterstützung bei „Wir Kinder in pink und blau“. Die beiden Theaterpädagoginnen begleiteten die 30 Kinder auf eine waghalsige Reise jenseits von rosarot und stahlblau. Geschlechterneutralität war hier wichtiges Thema.

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„Von Ungetümen und Getümen“ handelt ein wildes Theaterstück auf großem Fuße, das nach Regie des Altheimer Lehrers Max Petermann 16 Kinder der Klassen zwei bis vier der Regenbogenschule einstudierten. Die Theater-AG fand unterstützung durch die 14-köpfige Schüler-Band unter Leitung von Bandleader Steffen Huther. Gleich mehrfach unterstützt die Festivaltage das Theater „Grüne Soße“. Ihr Stück „Tochter des Ganovenkönigs“ thematisiert die Scheidung von Eltern und „Kleiner Klaus, großer Klaus“ ist ein turbulentes Märchen um Habgier und List. Das Theater Célestine Hennermann bietet mit „elephant walk“ eine Tanzchoreografie für Kinder bis sechs Jahre.

Vor allem die professionellen Theatergruppen locken die rund 20 Schulklassen aus Altheims Regenbogenschule, der Münsterer Schule auf der Aue und der Gutenbergschule Dieburg in die Vorführungen und Mitmachworkshops in der Kulturhalle. Die Eltern am Dienstagabend gaben sich begeistert: So etwas muss es auch für künftige Schülergenerationen geben, war ihre einhellige Meinung. Und ein Steppke sagte: „Ich war noch nie im Theater. Ich will auch noch nicht wieder raus.“

Quelle: op-online.de

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