Auch VfL Münster betroffen

Campus-Hallenbad in Dieburg ist Geschichte

Kann früher abgerissen werden: Das Trainingsbad im Wohngebiet am Campus Dieburg. Bilder, wie jenes mit Andreas Kropp (oben, links) vom VfL Münster, einer von rund 20 regelmäßigen Mietern, wird es nicht mehrgeben.
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Kann früher abgerissen werden: Das Trainingsbad im Wohngebiet am Campus Dieburg.

Das Hallenbad am Campus Dieburg wird nie wieder öffnen. Grund: Wegen neuer Schäden an der Technik streicht der WSV Dieburg die letzte Saison. Eine „Katastrophe“ für den VfL Münster.

Dieburg/Münster – Nach 52 Jahren endet die Geschichte des Hallenbads am Hochschul-Campus im Dieburger Osten mit sofortiger Wirkung: Der Wassersportverein (WSV) Dieburg, der die offiziell unter „Trainingsbad“ firmierende, 1969 als Teil der Ingenieurakademie der Bundespost gebaute Sportstätte seit 2003 betreibt, hat die Absage der Saison 2021 beschlossen. Bis zum 31. Mai wollte der WSV das Bad im Rahmen einer Nutzungsvereinbarung mit der ARGE Campus als Besitzer von Grundstück und Objekt noch betreiben, ehe der Verein im September das neue, im Bau befindliche Dieburger Hallenbad („Sportbad“) neben dem Freibad eröffnen will. Aus der letzten Saison wird jedoch nichts mehr, was mal nichts mit Corona zu tun hat: Zum Jahreswechsel stellte der WSV im Trainingsbad neue Schäden an der Technik fest, die nicht mehr mit vertretbarem Aufwand repariert werden können.

Zwar wäre mindestens der Januar und wahrscheinlich auch der Februar für die vielen, aus der ganzen Region stammenden Mieter des Trainingsbads (siehe Infokasten) coronabedingt ohnehin noch kein Schwimmbetrieb möglich gewesen. Zumindest auf eine Öffnung im März, April und Mai hatte der Betreiberverein aber noch gesetzt. „Deshalb haben wir auch das Wasser noch im Becken gelassen“, erläutert WSV-Vorsitzender Klaus Schulte. Das werde nach dem Beschluss des Vorstands, das Ende des Trainingsbads nun fünf Monate früher als geplant zu besiegeln, nun aber abgelassen. „Wir kündigen jetzt auch alle Verträge, haben Gas und Wasser abgedreht, werden demnächst die Trainingsgeräte ausräumen“, kündigt Schulte an.

Weshalb aber genau dieses abrupte Aus für ein sehr wichtiges Stück Infrastruktur für Dieburg und die ganze Region, für einen Ort, an dem zehntausende Menschen das Schwimmen gelernt, viele Wettkämpfe und noch mehr Trainings- und Freizeitstunden stattgefunden haben? „Eine zum Jahreswechsel durchgeführte Untersuchung des Bades ergab neue Schäden an der Lüftungsanlage, der Warmwasser-Installation und der Beckenwasser-Beheizung“, zählt Vorsitzender Schulte auf. Es sei nach Einschätzung des WSV zum einen fraglich, ob eine Reparatur überhaupt möglich wäre. Was Schulte, der zusammen mit Edgar Herrmann auch die Technische Leitung innehat, und der Vereinsvorstand aber sicher wissen: „Aus finanzieller Sicht hätte eine Reparatur für eine maximale Restlaufzeit von vier Monaten keinen Sinn gemacht.“ Sie hätte auf jeden Fall einen fünfstelligen Betrag verschlungen. „Dieses Geld stecken wir lieber in das neue Bad.“

Ein Bild, wie jenes mit Andreas Kropp (links) vom VfL Münster, einer von rund 20 regelmäßigen Mietern, wird es nicht mehrgeben.

Inzwischen hat der WSV alle Nutzer, die regelmäßige Wasserzeiten gemietet hatten, über das sofortige Aus des Trainingsbads informiert. Unter anderem den VfL Münster, dessen Triathleten sich sowohl in der Spitze als auch in der Breite einen Namen gemacht haben: „Es ist eine Katastrophe“, sagt Andreas Kropp, Zweiter Vorsitzender des VfL. „Die komplette Saisonvorbereitung fällt uns damit weg.“ Dies betreffe unter anderem die beiden Regionalliga-Teams und vier Kaderathleten des Vereins. Während diese derzeit zumindest noch ein paar Einheiten im Bad des Landessportbunds in Frankfurt absolvieren können (für Spitzensportler auch im Lockdown erlaubt), schaut der wesentlich größere Anteil der jugendlichen wie erwachsenen VfL-Breitensportler erstmal in die Röhre. „Beim Landessportbund kriege ich nur Kaderathleten rein und auch das Nordbad in Darmstadt ist von der Belegung her ziemlich zu“, spricht Kropp über nur scheinbar potenzielle Alternativen. „Wir müssen jetzt gucken, dass wir bis zur Eröffnung des Dieburger Sportbads am 1. September irgendwie durchkommen.“ Beziehungsweise zumindest bis zur Eröffnung der Freibäder im Mai, insbesondere des Dieburger Ludwig-Steinmetz-Bads. Andere Hallenbad-Optionen in der näheren Umgebung sind rar; das Groß-Zimmerner Bad ist ebenfalls stark ausgelastet, und an die Wiedereröffnung des Münsterer Bads ist vor 2024 nicht zu denken. Weitere Hallenbäder gibt es im Ostkreis Darmstadt-Dieburg nicht, die nächsten liegenin Urberach und Langen.

Bei langjährigen Kümmerern wie dem Dieburger Klaus Schulte und dem Babenhäuser Dieter Sähring, der von 2003 bis 2019 als Technischer Leiter des Trainingsbads am Campus fungierte, schwingt trotz des baldigen neuen WSV-Sportbads Wehmut ob des plötzlichen Abschieds vom alten Trainingsbad mit. „Ich mag das aber nicht verantworten, dass da Leute schwimmen, deren Sicherheit und Gesundheit ich nicht mehr garantieren kann“, begründet Schule den aktuellen Beschluss. Bald kommt die Abrissbirne; auf dem Grund des alten Bads entstehen ein halbes Dutzend Einfamilienhäuser, mit denen die ARGE Campus das Neubaugebiet im Dieburger Osten vollenden wird. (Von Jens Dörr)

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