Castros Erben und Major Tom

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Die „Lokalhelden“ - der Kerbjahrgang ‘06 - als Erben von Fidel Castro.

Münster - „Auswärtige scheinen immer ein kleines Problem mit dem Wort ‚Doaschde‘ zu haben“, stellte Bürgermeister Walter Blank am Samstagnachmittag mit einem Schmunzeln fest, als der Name für das große Münsterer Heimatfest nicht im Grußwort von Ehrengast Brigitte Zypries auftaucht. Von Michael Just +++Fotostrecke+++

Stattdessen lobte die Bundesjustizministerin bei der offiziellen Eröffnung das Engagement der lokalen Vereine: „Das ist genau das, was wir uns in Berlin immer wünschen. Dieses Fest ist ein gelungenes Beispiel wie Vereinsleben funktioniert.“

21 Vereine und Gruppierungen gestalteten am Wochenende die dritte Neuauflage des Doaschde-Festes mit ihren Ständen und Unterhaltungsangeboten. Damit wurde die gleiche Zahl wie im letzten Jahr erreicht. Laut Nicole Uhrich vom Organisationsteam der Gemeinde hat sich schon vieles eingespielt, nicht zuletzt weil die Vereine sich untereinander helfen. Ein großes Lob schickt sie an den Bauhof: „Die Mitarbeiter sind spitze. Ob Bühnenaufbau, Straßenabsperrungen, Plakate aufstellen oder der Aufbau der Hüpfburg – das läuft alles schon von ganz alleine.“

Der Katholische Kindergarten zeigte seinen „Doaschde-Tanz“

Ohne das Zutun aus dem Rathaus gab es in diesem Jahr wieder die „Doaschde-Mädels“, die sich als Pendant zu den Kerbburschen verstehen. Mittlerweile in der zweiten Generation warteten sie zur Eröffnung mit einem Quiz über Münster auf. Kurz zuvor hatte der katholische Kindergarten seinen „Doaschde-Tanz“ aufgeführt. Wer danach Hunger hatte, konnte seinen Appetit bei einem „Doaschde-Burger“ stillen. Dass gute Ideen gefragt sind bewiesen die „Lokalhelden“ und damit der Kerbjahrgang ‘06. Mit kubanischer Musik liefen sie als Fidel Castros Erben auf. An ihrem Pavillon – eigentlich ein Weinstand – wurde „Cuba Libre“ offeriert. „Es gibt zu wenig Mottos auf dem Fest“, führt Christian Richter (21) an. Aus dem Internet hatte sich die 17 Mann umfassende Truppe im Vorfeld mit einer Kuba-Fahne, Che Guevara-Accessoires und olivgrünen Hemden eingedeckt. „Das sind eigentlich britische Feldhemden. Das merkt aber keiner“, lacht der Münsterer und deutet dabei auf die kubanische Fahne auf seinem Ärmel, die von der Großmutter eines Kameraden aufgenäht wurde. Stilecht verkaufte die Gruppe zudem kubanische Zigarren, die am Samstagabend dann aber doch größtenteils dem Eigenbedarf zum Opfer fielen.

Impressionen vom Doaschde-Fest

Doaschde-Fest in Münster

Die Karaoke-Bühne der Gersprenztaucher: Interpreten waren keine Mangelware.

Keine neuen Ideen brauchen die Gersprenztaucher. Mit ihrer Karaoke-Show bilden sie jedes Jahr einen der Höhepunkte des Festes. „Wir haben Leute, die aus Frankfurt, Wiesbaden oder Mömbris extra hierher kommen, nur um bei uns zu singen“, erzählt Moderator und zweiter Vorsitzender Peter Gehre. Begeistert ist am Samstagabend auch Andreas Hock (39) dabei, der sonst beim Gesangverein Germania in Eppertshausen dem Chorgesang frönt. „Ich könnte den ganzen Abend auf der Bühne stehen und singen“, sagt der gelernte Bürokaufmann, der unter anderem den Neue-Deutsche-Welle-Klassiker „Major Tom“ zum Besten gibt. Wenig später steht der angeblich tote Michael Jackson auf der Bühne. „I love you“, ruft er nach seinem Auftritt ins dicht gedrängte Publikum, das mit zahlreichen Fotohandys agiert.

Mittlerweile haben die Karaoke-Sänger mehr Mut

Am Wochenende musste sich Gehre keine Sorge machen, dass niemand den Weg auf die Bühne findet. Das war vor ein paar Jahren noch anders: „Wenn sich keiner getraut hat, musste ich singen“, sagt der Hobbytaucher, der immer wieder durch seine sympathische und flotte Moderation auffällt. Insgesamt wird die stolze Zahl von rund 70 Karaoke-Newcomern und Profis verzeichnet. „Um 2 Uhr ist wegen der Auflagen leider Schluss. Wir könnten hier bis 5 Uhr weitermachen. Die Leute haben ihren Spaß“, so Gehre.

Fast alle teilnehmenden 21 Vereine und Gruppen zogen am Sonntagabend ein positives Fazit unter das diesjährige Doaschde-Fest. Wer auf die große Anzahl der Vereine schaut, die in Münster existieren, wird feststellen, dass gerade mal ein Drittel aller eingetragenen Vereine im Ort einen Stand hatte. „Würden mehr mitmachen, müssten wir das Fest vergrößern“, sagt Nicole Uhrich und ergänzt, dass auch das kein Problem sei. So ergäben sich in der Leibniz-Straße durchaus noch Anbaumöglichkeiten Richtung Darmstädter Straße. Uhrich: „Es ist nicht so, dass wir keinen Platz mehr haben und deshalb jemand nicht mitmachen darf. Jeder Verein in Münster ist 2010 erneut herzlich eingeladen dabei zu sein.“

Quelle: op-online.de

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