Für China die Zunge riskiert

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Stolz hält der 42-Jährige Münsterer den Pokal des chinesischen „Wetten, dass..?“-Formats in Händen. Er hat mit seiner Wette überzeugt und holte sich den Sieg in Peking.

Münster ‐ „Wetten, dass..?“ ist die beliebteste Samstagabend-Show in Deutschland. Und in China? „Dort hat sie ebenfalls viele gute Wetten und eine Einschaltquote von 80 Millionen Menschen“, weiß Harry Sher. Der Münsterer Magier, Mentalist und Illusionist muss es wissen, er war kürzlich in Peking als Wettanbieter dabei. Von Michael Just

Der Kontakt nach China kam 2006 bei einem Auftritt in Groß-Zimmern zustande, als Sher auf dem Parkplatz eines Einkaufscenters einen Weltrekord aufstellte. Er steuerte über eine Strecke von 15  Kilometern einen LKW mit verbundenen Augen. Zufällig sah dies ein Mann, dessen Frau für den größten TV-Sender Chinas – CC TV – als Produzentin arbeitet. Mit dem Flieger ging‘s für Sher vor einigen Wochen in die chinesische Hauptstadt. Dort angekommen, boten sich diverse Überraschungen: So hat der Bruder von Thomas Gottschalk im Riesenreich die Betreuung der dortigen Ausgabe in die Hand genommen. Und auch sonst war Sher nicht die einzige „Langnase“: „Die versuchen wie bei uns, viele Gäste aus dem Ausland einzuladen. Das ist dort die Krönung überhaupt.“

Leider kam die Wette mit dem LKW dann nicht zustande: Von den kommunistischen Behörden gab es keine Genehmigung. „Die hatten ziemlich viel Angst, dass was passiert“, erinnert sich der Magier. Stattdessen bot er eine andere außergewöhnliche Wette an: Er wettete, aus 40 gespannten Mausefallen ein Stück Süßstoff mit der Zunge herauszulösen ohne dass die Falle zuschnappt. Die besondere Schwierigkeit: Alles mit verbundenen Augen und in einer Minute und 40 Sekunden. Durchschnittlich sind das nur rund drei Sekunden pro Falle, die in einer Linie im gleichen Abstand aufgebaut waren.

Normalerweise gibt es in China zu jeder Wette einen Herausforderer, der sich in diesem Fall aber nicht fand. Acht Fehlversuche waren für die Geschicklichkeits- und Memorisierungswette möglich – nur viermal löste die Falle aus. So gewann Sher seine Wette und wurde sogar Wettkönig, beziehungsweise mit der „best challenge – der besten Herausforderung“ ausgezeichnet.

„Dort geht es um die Ehre.“

Geld gab es dort keins: „Dort geht es um die Ehre.“ Dennoch erhielt er einen Pokal, der heute sein Wohnzimmer ziert. Aus der Sendung entstand gleich noch ein Folgeengagement für eine chinesische Firma.

Den Spaß im Fernen Osten hat Sher immer noch vor Augen: „Wann kommst du schon mal nach China“, fragt der bekannte Magier, der derzeit unter anderem auf den Aida-Clubschiffen zaubert. Dennoch sei der einwöchige Trip, bei dem er auch die Chinesische Mauer sah, gewöhnungsbedürftig gewesen: „Stickig und neblig war‘s, die Luft kaum auszuhalten“, erinnert sich Harry Sher ungern ans Klima und die Luftverschmutzung. Man könne kaum atmen oder rumlaufen. Mit dem Essen habe ein Mitteleuropäer mit allerlei Tieren, Eingelegtem und nicht zuletzt der Sauberkeit ebenfalls Probleme. Die Armut berührte ihn ebenfalls: „Entweder du bist arm oder reich. Wer Geld hat, wohnt in der Stadt, wer keins hat am Rand.“ Alleine war Sher in China nie: Für seine Sicherheit und zum Dolmetschen gab es stets einen Begleiter. An das Militär vor den TV-Studios musste er sich genauso gewöhnen wie an bettelnde Kinder. „Am Positivsten war die Atmosphäre immer dann, wenn wir in den Katakomben der TV-Studios waren“, bilanziert er so manchen nachdenklichen Tag.

Die Gastgeber Shers waren von seinem Auftritt begeistert. „Ich habe schon eine Anfrage, ob ich wieder kommen kann. Die wollen mich unbedingt nochmal in China sehen“, sagt der 42-Jährige. Für Harry Sher ist mittlerweile „Wetten, dass..?“ in der Heimat in den Vordergrund gerückt: Zwei mögliche Wetten bereitet Sher derzeit vor, darunter eine, wie er sagt, spektakuläre Außenwette. Über den Inhalt will der Münsterer Magier allerdings noch nichts verraten – nur soviel: „Ich weiß, dass Thomas Gottschalk Wetten sucht, bei denen die Zuschauer den Atem anhalten. So eine Wette will ich ihm bieten.“

Quelle: op-online.de

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