Deutschland ist so leise

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Beim ersten Austausch gibt es viel Interessantes und viele kulturellen Unterschiede zu entdecken.

Münster - Zhuo Ming, Wang Yi, Tong Yao oder Chen Dai –das klingt chinesisch und ist es auch. So heißen vier der derzeit 25 Schüler aus dem Reich der Mitte, die diese Woche mit drei Lehrern zum Schüleraustausch zur Schule Auf der Aue kamen. Von Michael Just

Sie alle stammen aus der Stadt Huangyan, die rund 570.000 Einwohner zählt und fünf Autostunden von Shanghai entfernt liegt. Zuvor schauten sich die Gäste Europa an. Paris, Luxemburg, Amsterdam und Brüssel. Münster bildet nun den Abschluss, bevor es nächsten Donnerstag wieder nach Fernost geht.

Der Kontakt kam einst durch eine Anfrage der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft zustande. Mittlerweile sind Schüler jener Hochschule aus Huangyan, für die die Eltern nicht wenig Schuldgeld zahlen, zum dritten Mal in Münster zu Gast. Ende September erfolgt für die Neuntklässler der Gersprenzgemeinde der 14-tägige Gegenbesuch. „Die ersten Male sind wir sehr viel im Land herumgereist, was stressig war. Diesmal besuchen wir nur Peking und verbringen die meiste Zeit an der Partnerschule“, kündigt Lehrerin Ingrid Arnold-Berndt an.

Verständigungsprobleme mit i-Phone kein Problem

Der Morgen nach der Ankunft der jungen Chinesen in Münster offenbarte Interessantes über den ersten Abend bei den Gasteltern und vermeintliche Verständigungsprobleme. „Mit den Händen und meinem i-Phone ist das alles kein Problem“, erzählt ein junger Chinese.

Wie Lehrerin Arnold-Berndt anmerkt, kommen die jungen Gäste, die Englisch sprechen, aus relativ wohlhabenden Familien. „In Frankfurt werden sie in den teuren Läden einkaufen gehen“, sagt die Pädagogin voraus.

Das könnten ihre vom Staat bezahlten Lehrer nicht. Für die sei das hier die Reise ihres Lebens. Besonders positiv zeige sich, dass man auch über Politik reden könne. Das letzte Mal hätte sich ein chinesischer Lehrer sogar Informationen geben lassen, die er zuhause durch die Kontrolle des Webs nicht öffnen konnte.

Viele Erfahrungen hat Tabea Müller gesammelt

Was Chinesen über Deutsche denken? Sie erwarteten großgewachsene und sehr ernste Menschen. Letzteres wurde aber schon bald widerlegt. Für die Gäste wurde eine Reihe von Ausflügen arrangiert. Nach einem Schnitzel ging es gleich zum Felsenmeer, dazu wurde bei der DJK eine Runde Tischtennis gespielt. Im Orga-Stab der Aue-Schule ist man sich sicher, dass das bei einem Besuch aus China einfach dazugehört. Vom Pingpong waren die Chinesen weniger überrascht. Aber ein lautes „wow“ ging durch die Runde, als sie erfuhren, dass der deutsche Bundestrainer im Tischtennis, Jörg Roßkopf, die Aue-Schule besucht hat und in Münster aufgewachsen ist.

Viele Erfahrungen hat Tabea Müller gesammelt. „Sie sind aufgeschlossen und wollen alles über unser Leben wissen. Auch, um dann so zu leben wie wir“, sagt die 14-Jährige. Viele Fragen überraschten sie auch. Wie die, warum es in Deutschland so leise sei. China sei viel lauter. Und auch die Flüsse wären dort nicht so sauber wie hier. Die Feststellung der Chinesen vom letzten Besuch, dass vieles in Europa zu salzig schmecke und die Fleischstücke zu groß seien, haben die neuen Gäste noch nicht gemacht. Bisher hat ihnen alles geschmeckt – auch Spaghetti oder Gulasch. Bald werden die jungen Münsterer ihrerseits erfahren, dass man in China schon morgens Suppe isst und Kaltspeisen relativ unbekannt sind.

Quelle: op-online.de

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