Arbeit unterm Weihnachtsbaum

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Chris Vogel nimmt seine Arbeit als Altenpfleger im Haus Gersprenz ernst. Deshalb ist es ihm auch wichtig, dass Heiligabend für die Bewohner etwas Besonderes ist.

Münster - Die meisten sehen es als selbstverständlich an, über die Weihnachtsfeiertage frei zu haben. Der Job erscheint dann weit weg, wenn im Kreis der Familie drei Tage lang geschlemmt wird. Von Corinna Hiss

Dabei gibt es genug Menschen, die keinen Urlaub haben, für die diese Tage eher besonders stressig sind. Chris Vogel ist einer von ihnen. Seit einem halben Jahr arbeitet der 30-Jährige im Haus Gersprenz in Münster als Altenpfleger. Dort werden auf drei Etagen insgesamt 60 Senioren betreut. Zusätzlich gibt es noch zwei Kurzzeitpflegeplätze. Seit sechs Jahren geht der Münsterer schon seinem Beruf nach und hat die letzten Male immer an Heiligabend gearbeitet. „Die Regelung ist, entweder an Weihnachten zu arbeiten oder eben an Silvester“, beschreibt er und fügt schmunzelnd hinzu: „An Silvester will ich feiern.“

Da seine Familie nach dem Tod des Vaters verstreut ist, wird bei ihm das Fest nur in kleinem Kreis zelebriert. So macht es Chris Vogel nichts aus, dass der 24. Dezember für ihn ein Arbeitstag wie jeder andere ist. Dieses Jahr hat er die Spätschicht, das heißt er wird genau dann im Haus Gersprenz sein, wenn andere in die Kirche gehen und anschließend daheim das Familienessen genießen. Seiner Aufgabe sieht er aber gelassen entgegen. „Ich arbeite gerne an diesem Tag, weil ich weiß, dass ich damit etwas Sinnvolles mache“, findet er. Die Weihnachtszeit ist sowohl für die Bewohner als auch die Mitarbeiter des Hauses eine besondere Zeit. Schließlich sind am Heilig-abend nicht nur die Pfleger außerhalb ihres familiären Umfelds, auch die älteren, pflegebedürftigen Menschen verbringen diese Tage nicht zu Hause. „Einige, bei denen es noch geht, werden schon von ihren Familien heim geholt oder manche bekommen Besuch“, sagt Vogel, „aber es gibt auch Hausbewohner, die sind an Heilig-abend allein.“

Daher machen es sich die Pfleger jedes Jahr aufs Neue zur Aufgabe, den Weihnachtsabend zu einem besonderen Abend zu machen, bei dem die Hausbewohner trotz ihrer Gebrechen ein Stück des Weihnachtszaubers mitnehmen können. So ist der Speisesaal festlich geschmückt, Nikolausfiguren stehen auf den Tischen und selbst gebastelte Weihnachtsdeko hängt an den Fenstern. Manche Senioren haben auch mitgeholfen, die Gestecke herzustellen. Auf den Stockwerken werden kleine Tannen aufgestellt und mit Christbaumkugeln geschmückt. Zudem gibt es an Heiligabend ein musikalisches Programm. Für Chris Vogel heißt das: Stress pur. Zum einen muss er seine gewohnten Aufgaben erledigen, zum anderen sich um die Angehörigen der Bewohner kümmern. „An so einem Abend kann es schon vorkommen, dass diejenigen, die keinen Besuch bekommen, traurig sind“, erzählt er. Und wenn sie die ein oder andere Träne vergießen, weil sie an vergangenen Zeiten denken, dann ist der 30-Jährige zur Stelle, um zu trösten, die Hand zu nehmen und zuzuhören. Dieses Jahr wird er noch an Heiligabend für die Bewohner da sein, doch im nächsten Jahr sieht es anders aus: „Ich werde Vater und dann habe ich meine eigene kleine Familie, mit der ich feiern will“, verrät er.

Quelle: op-online.de

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