Münsterin ist bald Meisterin der Kosmetik

Verschönern in Theorie und Praxis

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Kosmetikerin Claire Frühwein legt ihrer Kundin Julia Heinz künstliche Wimpern an. Sie halten vier bis sechs Wochen. Das entspricht dem Zyklus, in dem der Körper auch die echten Wimpern erneuert.

Münster - Peelings, Massagen, Wimpern färben – ein eigenes Kosmetik-Studio hat Claire Frühwein schon. Trotzdem drückt die 21-Jährige aus Münster weiterhin die Schulbank. Ihr Ziel: Als eine der Ersten in Deutschland den Titel Meisterin der Kosmetik tragen. Von Jens Dörr 

In wenigen Monaten sind Prüfungen. Wenn Claire Frühwein im Bus sitzt oder im Restaurant, dann hat sie einen besonderen Blick auf die Leute: Wie rein ist ihre Haut? Wer pflegt seine Nägel ordentlich, trägt künstliche oder verdichtete Wimpern? Wem täte die Entfernung so einiger Haare und Härchen an bestimmten Körperstellen gut? „Berufskrankheit“ könnte man das nennen, oder einfach nur die ganz normale Kenntnisnahme durch eine 21-Jährige, die sich professionell mit der Kosmetik in all ihren Facetten beschäftigt. Und das bald als eine der ersten Meisterinnen dieses Metiers in Deutschland.„Seit September 2015 kann man überhaupt erst den Meister in der Kosmetik machen“, erzählt die junge Frau aus Münster. Seit August 2016 stellt sie sich selbst der Herausforderung, wird im kommenden Sommer zum zweiten Abschlussjahrgang dieses Fachs zählen. „Deutschlandweit wird es dann rund 60 Meister geben“, blickt sie auf eine noch immer sehr überschaubare Gruppe voraus. Am 19. Juni finden ihre letzten Theorie- und Praxisprüfungen statt. Den Termin hat sie sich dick im Kalender eingetragen.

Es wird der Abschluss einer langen Ausbildung im Dienste der Schönheit sein. Schon in frühen Teenie-Jahren begeisterte sich Frühwein für die Körperpflege und alles, was dazugehört. „Meine Mutter war Kundin in einem Kosmetikstudio in Dieburg“, blickt sie zurück. Dort schaute sie den Könnern der Branche erstmals über die Schulter. „Das hat mir gut gefallen.“ Alsbald folgte in der Nachbarstadt ihr erstes Praktikum. Die Münstererin war infiziert, weitere Praxiserfahrungen folgten. Mit 16 wechselte die ehemalige Aue-Schülerin auf die Berufsfachschule in Darmstadt und widmete sich dem Schwerpunkt Körperpflege. In der Südhessen-Metropole folgte ein weiteres Praktikum in einem deutlich größeren Studio und schließlich die Ausbildung zur Kosmetikerin. Ihren Abschluss im Mai 2016 machte sie mit der Gesamtnote 1,3, wurde damit Kammersiegerin der Handwerkskammer Rhein-Main. Und verfolgte weiter ehrgeizige Pläne.

„Als die Möglichkeit geschaffen wurde, im Kosmetikhandwerk den Meistertitel zu erlangen, war mein weiterer beruflicher Weg vorgezeichnet“, skizziert sie ihre Entscheidung, seit etwa einem halben Jahr noch mehr Kenntnisse in einem Meisterkurs in Wiesbaden zu erlangen. Einmal wöchentlich drückt sie dort dafür die Bank an einer Berufsschule, wo vormittags die Theorie und darüber hinaus diverse Praxisparts gelehrt werden. „Die Ausbildung zur Kosmetikmeisterin besteht aus vier Teilen“, sagt Frühwein. Zwei davon hat sie bereits mit den Noten 1,0 und 2,0 bestanden, der Rest folgt im Juni. In den vier Wochen vor den letzten Prüfungen muss sie unter anderem eine 40-seitige Mappe zu einem noch unbekannten Thema erstellen. Was sie nicht bremst, zweigleisig zu fahren und sich auch schon ins Leben als Studiobetreiberin zu stürzen: „Es lohnt sich, sich als Meisterin selbstständig zu machen.“

Anfang des Jahres hat Frühwein unter dem Namen „Claire’s Wunderwerk“ ihren eigenen Salon in einem Wohnhaus im Münsterer Ulmenweg eröffnet. Mit zwei Behandlungsräumen – einer für Massagen, Gesichtsbehandlungen und Fußpflege, der andere vor allem für Maniküre – und einer hochwertigen Pflegeserie ist sie gestartet. Dank ihrer Kenntnisse und Motivation hat sie die ersten Kunden bereits gewonnen. „Von fünf Kunden sind bei mir drei Männer“, nennt sie die durchaus erstaunliche Zahl.

Werkzeuge zur Bartpflege und Rasur

In ihrem Studio bietet Frühwein alle kosmetischen Dienstleistungen von Kopf bis Fuß. Die Fußpflege aber sei „ein ganz großes Thema. Man steht ja auch den ganzen Tag auf seinen Füßen.“ Und genau an diesen beiden Körperteilen hat Frühwein den größten Nachholbedarf bei den Deutschen ausgemacht. „Oben hui, unten pfui“, gelte bei den fast durchweg weiblichen Kosmetikexperten als geflügeltes Wort. „Von vielen Fersen springt dir im Sommer die Hornhaut förmlich entgegen“, weiß Frühwein. Ihre Kunden bilden da wohl die Ausnahme: Sie achteten darauf, auch die Füße optisch nicht zu vernachlässigen und sich zugleich etwas Gutes zu tun. „Alle anderen Dienstleistungen sind dann eher Luxussachen, zum Beispiel Wimpernverlängerungen, Peelings, Massagen oder das Zupfen der Augenbrauen.“

Eine, die die konzentrierte und professionelle Herangehensweise der baldigen Meisterin bereits seit längerer Zeit als Kundin zu schätzen weiß, ist Julia Heinz aus Münster. „Ich vertraue ihr“, sagt sie. „sie lässt sich komplett auf einen ein, so dass man sich einfach wohlfühlt.“ Und zwar so wohl, dass sie bei ihrer jüngsten Behandlung eingeschlafen sei, wie sie lachend gesteht. „Das passiert vielen Kunden“, hat Claire Frühwein registriert. Wenn sie aufwachen, fühlen sie sich schöner und gepflegter.

Quelle: op-online.de

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