Kosmetikerin mit Meistertitel

Sechs Stunden Prüfung

Münster - Mit 22 Jahren hat Claire Frühwein einiges erreicht: Ausbildung und ihr eigenes Kosmetikstudio sind bereits ihrs. Nun hat sie auch noch ihren Meisterbrief in der Tasche und gehört damit zu den ersten in Deutschland. Von Yvonne Fitzenberger 

Sie haben eine dreijährige duale Berufsausbildung zur Kosmetikerin absolviert. Seit wann gibt es diese Ausbildungsmöglichkeit?

Den Ausbildungsberuf auf drei Jahre gibt es seit 2010. Die einjährige Ausbildung konnte man schon lange vorher machen. Das ist im Prinzip die Ausbildung, in der man ein Jahr lang in die Schule geht und dort die Theorie und Praxis lernt, aber kein Geld verdient. Stattdessen bezahlt man dafür. Die Dreijährige ist im Handwerk klassisch. Man lernt dual, geht in die Schule und verdient Geld. Die Meisterausbildung wird seit Juli 2015 angeboten.

Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, die dreijährige Ausbildung zu machen?

Weil ich der Meinung bin, dass man mehr lernt. Man geht alles intensiver durch und hat auch mehr Zeit, um über gewisse Themen ausführlicher zu reden.

Mit welcher Intention haben Sie den Meister nun gemacht?

Also, ich will mich auf jeden Fall von der Masse abheben. Manche machen nur einen Wochenendkurs und nennen sich Kosmetikerin, das gibt es auch. Dagegen möchte ich mich mit der dreijährigen Ausbildung abheben und dann noch mal mit dem Meister. Damit sehen die Kunden „Ah, die muss Ahnung haben, so viel wie sie jetzt schon gelernt hat.“ Für die Selbstständigkeit brauche ich das nicht, aber ich möchte später ausbilden.

Warum möchten Sie ausbilden?

Allein aus dem Grund, dass es wenige Kosmetikerinnen gibt, die ausbilden. Es existieren kaum duale Schulen. Die Nächste ist in Frankfurt. Und dadurch, dass es wenige Betriebe gibt, die ausbilden, möchte ich sie unterstützen. Und es gibt nur wenige, die gut ausbilden. Ich möchte die Mädchen unterstützen, damit sie auch drei Jahre am Stück lernen können.

Wie sieht denn der Ablauf einer Meisterprüfung aus?

Mein Thema war Braut beziehungsweise Hochzeit. Eine Braut kommt zur Kosmetikerin und erwartet ein komplettes Leistungspaket. Von Wellness im Vorfeld bis zum Braut-Make-up. Ich erstellte eine Mappe mit 40 Seiten, inklusive Rechnung und Bilder. Die Praxis bestand aus Fußpflege, Maniküre, Beine enthaaren, Rücken- und Gesichtsbehandlung mit Packung und Ultraschall. Die Hände auch mit Ultraschall. Anschließend folgte das Braut-Make-up.

Wie lange hat die Prüfung gedauert?

Sechs Stunden am Stück. Und für die Mappe habe ich vorab vier Wochen gebraucht.

Was sollte eine zukünftige Auszubildende mitbringen?

Sie sollte auf jeden Fall gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Schüchtern sein ist nicht schlimm, ich war es am Anfang auch. Sie sollte den Kunden zeigen, was man aus ihnen machen kann. Kundenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind wichtig.

Was gefällt Ihnen am besten an diesem Beruf?

Es gibt verschiedene Behandlungen: Fuß- und Gesichtspflege, Wimpernverlängerung und so weiter. Das mache ich alles hier. Fußpflege macht mir sehr viel Spaß, weil ich den Leuten helfen kann bei ihren Problemen. Bei eingewachsenen Fußnägeln zum Beispiel können sie sich selbst nicht weiterhelfen und suchen jemanden, der es kann. Das mache ich gerne. Oder bei der Wimpernverlängerung sehe ich gerne diesen Vorher-Nachher-Effekt. Wenn die Augen vorher klein und ausdruckslos wirkten und die Kundin öffnet nach der Behandlung das erste Mal die Augen, ist das wie Magie. Die Kundinnen sind begeistert.

Wie lange dauert denn so eine Behandlung?

Eine neue Wimpernverlängerung dauert zirka eineinhalb bis zwei Stunden. Und dann muss es alle zwei bis drei Wochen aufgefüllt werden.

Schon zeitaufwendig. Ist das ein kleiner Luxus?

Gerade Wimpernverlängerungen kann man als kleinen Luxus sehen, ja. Fußpflege weniger, weil es da auch um Probleme geht, die wirklich schmerzhaft sind. Da braucht man professionelle Hilfe.

Warum glauben Sie, gönnen Leute sich so etwas?

Die Wimpernverlängerung ist im Moment ein absoluter Trend. Sie sehen es bei Freundinnen oder Arbeitskolleginnen und denken: „Wow, das sieht super aus, auch ohne Mascara“. Dann gehen sie zu ihrer Kosmetikerin in der Nähe, lassen sich beraten und dann kommt das eine zum anderen. Es ist praktisch und man spart sich viel Zeit, da man sich nicht mehr schminken muss.

Warum gehen Leute immer häufiger zur Kosmetikerin?

Die Umwelt verändert sich immer mehr. Umweltein- flüsse, Staub, Abgase – alles geht auf und unter die Haut. Da entstehen Unreinheiten. Die will jeder los werden. Wir leben auch in einer Zeit, in der Jugendlichkeit absolute Priorität hat. Man bekommt die entsprechenden Produkte in jeder Drogerie, aber ohne Beratung. Wenn man Pech hat, erreicht man eher das Gegenteil damit. Um das zu vermeiden, gibt es Menschen wie mich.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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