Damentheater „Spectaculum“ begeistert in der Kulturhalle

Spaßiges Spiel selbst der Souffleuse

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Fotograf Johann Bloedt (Brigitte Wagner) erklärt dem älteren Kunden Hans Halt (Inge Fiedler), weshalb er noch auf sein Portrait warten muss; Nicola (Dorle Schreiber), Geliebte von Johann, steht nervös daneben.

Münster - In Münster gibt es seit langer Zeit keinen Herbst ohne eine Theateraufführung der Gruppe „Spectaculum“. Jetzt präsentiert sie einen Krimi mit einer Leiche im Schrank. Von Peter Panknin 

Die „spektakuläre“ Truppe zeichnet zweierlei aus, ihre Spielfreude und die Tatsache, dass sie nur aus Frauen besteht. Die Damen spielen seit mehr als 20 Jahren mit Begeisterung für das Theater, für Maskerade und mit viel Humor ausschließlich Komödien. Sie beginnen im Frühjahr mit der Auswahl eines passenden Stückes und den Proben, um es im November zu präsentieren.

Bei den mit Bedacht ausgewählten Autoren fällt schon mal die Wahl auf einen Mann, aktuell auf Walter G. Pfaus und dessen erfolgreicher Kriminalkomödie „Die Leiche im Schrank“. Am Freitagabend öffnete sich der Vorhang für die erste Vorstellung, am Samstag konnten weitere Besucher der jeweils gut besuchten Kulturhalle in Münster verfolgen, was dem hibbeligen Fotografen Johann Bloedt widerfuhr.

Zunächst aber begrüßte Brigitte Wagner das Publikum am Premierentag und berichtete, was der Theatergruppe widerfahren ist. Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen ist es zum sehr kurzfristigen, krankheitsbedingten Ausfall einer Darstellerin gekommen. Da alle Rollen nur einfach besetzt sind, musste schnell eine Lösung gefunden werden. Wie gut der Zusammenhalt in dieser Laienspielgruppe ist zeigte sich dadurch, dass Gabi Peußer sich nicht scheute, auch ohne langes Rollenstudium (am Mittwoch hatte sie das Script zum Stück erstmals gesehen) und ohne große Proben einzuspringen. Ganz unerfahren ist sie nicht, hat sie doch schon öfter bei „Spectaculum“ mitgewirkt, benötigte aber Hilfe in Form des Scriptes, das sie während der Vorstellung stets in der Hand hatte. Zusätzlich saß, für alle sichtbar, die bewährte Souffleuse Renate Fröhlich am linken Bühnenrand, um im Fall des Falles einflüstern zu können. Das tat sie denn auch hier und da bei der einen oder anderen Darstellerin, unter amüsiertem Gelächter der Zuschauer, aber stets wirkungsvoll.

Unterbrochen von zwei Pausen nahm das Stück seinen Lauf. Fotograf Bloedt bekommt Besuch von seiner verheirateten Geliebten Nicola. Der Lichtbildner wurde dargestellt von Brigitte Wagner, Dorle Schreiber verkörpert die sehr nervöse Nicola, die glaubt, von ihrem Mann verfolgt zu werden. Wie im richtigen Leben gibt es auch eine Nachbarin, Simone (Gabi Peußer), die die traute Zweisamkeit des Paares dauernd stört. Und dann kommt Nicolas Ehemann (Petra Braun) tatsächlich. Um Nicolas Anwesenheit bei Johann harmlos erscheinen zu lassen, muss Simone dessen Ehefrau spielen. Anfangs klappt es auch, bis Arno (Birgit Osinski), Bekannter von Simone und seines Zeichens Einbrecher, in Johanns Wohnung erscheint. Damit nicht genug, es erscheint ein Ehepaar (Anneliese Kreher / Inge Fiedler) um sich fotografieren zu lassen. Mit der unerwarteten vorzeitigen Heimkehr von Simones Ehemann (Jasmina Osinski) nimmt das Chaos seinen Lauf und Johanns Nerven sind am Ende. Einbrecher Arno wird bei der Suche nach dem Film, auf den ihn Fotograf Johann versehentlich bei einem Einbruch gebannt hatte, gestört und versteckt sich im Schrank: als Leiche. Oberkommissarin Gloria Heimann (Apollonia Korb) verdingt sich als Fotoassistentin bei Johann, bekommt aber von der Leiche nichts mit, da sie vom älteren Ehepaar (Anneliese Kreher, Inge Fiedler), das sich porträtieren lassen möchte, abgelenkt wird. Umwerfend, wie der greise und einen Gehstock benötigende Herr Halt selbigen verliert, wenn eine jüngere Frau in sein Blickfeld gerät. Vehement gebremst wird er von seiner Frau Anna, die in Johann einen „Vergewaltiger“ sieht, der Zeugen seiner Untaten ermordet.

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Die Wartezeit auf das Porträt verkürzt sich der alte Hans Halt mit ein paar Schlucken aus der Flasche und sagt zu seiner Frau: „erstaunlich, wie Dich der Alkohol verändert hat“, worauf sie erwidert, sie hätte doch gar keinen getrunken. Mit riesigem Gelächter quittierte das Publikum seine Reaktion: „Du nicht, aber ich“. Schließlich möchte Anna Halt kein Porträt mehr, „wir gehen zu dem Knipskasten, den der Bürgermeister im Rathaus hat aufstellen lassen“, was die Gäste im Saal, unter ihnen Gerald Frank sowie Walter Blank, mit Heiterkeit zur Kenntnis nahmen. Die „Leiche im Schrank“, Einbrecher Arno, erwies sich als quicklebendig und wurde von Oberkommissarin Gloria verhaftet.

Lebhafter Beifall des Publikums war Lohn der herrlichen Darbietung durch neun Damen. Brigitte Wagner stellte abschließend ihre Mitspielerinnen vor und würdigte deren darstellerischen Leistungen. Erstmalig dabei war Apollonia Korb, deren Auftritt mit einem Extra-Beifall belohnt wurde. Lob zollte sie auch allen, die vor und hinter der Bühne dazu beigetragen haben, dass die Aufführungen gelingen konnten. Ihre lobenden Worte an die Damen, die „dafür gesorgt haben, dass wir alle so schön aussehen“ wurde durch anhaltendem Beifall des Publikums bestätigt.

Quelle: op-online.de

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