Damit „Die Welle“ Wellen schlägt

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Max Sturm (links) spielt den Lehrer Ben Ross, der seinen Schülern das Begrüßungszeichen von der Gemeinschaft „Die Welle“ beibringt.

Münster ‐ Eine Woche vor der Premiere des Theaterstücks „Die Welle“ ist den jugendlichen Schauspielern von der Schule auf der Aue das Lampenfieber nicht anzumerken. Vielleicht liegt es an der entspannten Probe unter freiem Himmel vor der Aula des katholischen Pfarrzentrums. Von Ellen Jöckel

Oder die ruhige, lockere Art ihres Lehrers Andreas von der Heyden überträgt sich auf die 13 bis 17 Jahre alten Schüler.

Ruhig können die jungen Darsteller auch bleiben, denn welche Szene von der Heyden auch mit ihnen probt, die Texte sitzen. Besonders bei den Hauptfiguren des Stücks des US-amerikanischen Schriftstellers Todd Strasser (unter dem Pseudonym Morton Rhue) ist das nicht wenig.

Der 16-jährige Max Sturm spielt den Geschichtslehrer Ben Ross, der einen Unterrichtsversuch unternimmt. Damit will er seinen Schülern beweisen, dass der Faschismus des Nationalsozialismus kein ausschließlich deutsches und historisches Problem ist.

„Max hat zum einen sehr viel Text auswendig zu lernen. Zusätzlich verändert sich sein Charakter im Stück extrem. Das erfordert eine enorme schauspielerische Leistung“, äußert sich von der Heyden beeindruckt von seinem Schützling. Max Sturm sei ohnedies gerade durch seinen Wechsel in der 9. Klasse von der Realschule auf das Gymnasium stark gefordert. Durch seine Rolle als Ben Ross habe der Schüler gemerkt, dass das Gefühl, Macht über andere zu haben, faszinierend sein kann: „Es macht schon Spaß, wenn im Stück die Schüler auf meine Befehle reagieren“, bemerkt Max Sturm schmunzelnd.

Andrang auf die Etüdengruppe ist groß

Unterstützt werden die Nachwuchsschauspieler von der freischaffenden Regisseurin Ina Annett Keppel, die insbesondere in der Endprobenphase einen genauen Blick auf die Darsteller wirft. Die Theaterschüler durchlaufen vor ihrem „Engagement“ am Aue-Theater eine Grundausbildung in der „Etüdengruppe“, die von Keppel geleitet wird. Hier lernen die Jungschauspieler, zu improvisieren und ihre Stimme oder ihren Ausdruck zu schulen. Danach wird entschieden, wer das Zeug hat, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sprich der Bühne in der Kulturhalle, zu spielen und wer nicht.

Der Andrang auf die Etüdengruppe sei laut von der Heyden sehr groß: Pro Schuljahr würden sich rund 50 Schüler für die Aufnahme in diese Gruppe bewerben. Nur 15 könnten daran teilnehmen, damit eine intensive Schauspielarbeit möglich sei. Da muss sich von der Heyden, der an der Aue-Schule Deutsch- und Sportlehrer ist, um Schauspielernachwuchs keine Sorgen machen. Bereits vier Stücke hat der 34-Jährige mit seinen Kollegen auf die Bühne gebracht. Grundprinzip bei der Wahl der Werke sei, dass der Inhalt für Gesprächsstoff sorgt.

Mit der Geschichte der „Welle“, die auf wahren Gegebenheiten beruht, hätten die Schüler, so von der Heyden, gleich etwas anfangen können. Ein richtiges Theater besteht aber nicht nur aus engagierten Darstellern: Seit dem vergangenen Schuljahr gibt es eine Bühnenbild-AG, die von der Lehrerin Melanie Eisentraud geleitet wird. „Bis vor zwei Jahren haben wir, meine Kollegin Birgit Kraatz und ich, noch alles selbst gemacht. Das war eine Heidenarbeit. Nun haben wir mehr Stunden für die Theaterarbeit bekommen und weitere Lehrer sind dazugestoßen, die sich hier engagieren. Damit sind wir entlastet“, erzählt von der Heyden.

Außerdem gibt es eine Musikgruppe unter der Leitung von Peter Lehmler, die sich für jedes Stück neu zusammensetzt. Bei der „Welle“ sorgt die Band für eine musikalische Untermalung bedeutender Szenen. Die Technikgruppe, die aus sechs Schülern besteht, setzt die 16 Schauspieler ins rechte Licht und regelt den Sound. Insgesamt strengen sich 52 Schüler und drei Lehrer an, dass die Aufführung ein voller Erfolg wird.

Zu sehen ist „Die Welle“ am 7. und 8. Mai, um 20 Uhr in der Kulturhalle Münster. Die Eintrittskarten kosten fünf Euro und sind im Sekretariat der Aue-Schule, im „Spieltrieb“ in Münster und in der „Bücherinsel“ in Dieburg erhältlich.

Quelle: op-online.de

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