Besuch des neuen Schuldezernenten Köhler an der Aueschule

„Das Ding kann hier nicht ewig bleiben!“

Beim Besuch von Vize-Landrat Lutz Köhler (r.) und Da-Di-Werk-Leiter Holger Gehbauer (Mitte) nahm Sabine Behling kein Blatt vor den Mund.
+
Beim Besuch von Vize-Landrat Lutz Köhler (r.) und Da-Di-Werk-Leiter Holger Gehbauer (Mitte) nahm Sabine Behling kein Blatt vor den Mund.

Beim Antrittsbesuch des neuen Schuldezernenten Lutz Köhler hat Sabine Behling, Leiterin der Schule auf der Aue, Kritik an den Bauarbeiten geübt, andere Dinge aber auch gelobt. Unzufrieden ist sie unter anderem mit der „MobiSkul“ und dem Verwaltungstrakt.

Münster – Rund 1 000 Schüler, vor allem aus Münster, Altheim, Eppertshausen und Dieburg, gehen auf die Münsterer Schule auf der Aue. Für Fünft- bis Zehntklässler ist die Kooperative Gesamtschule damit die zentrale Bildungsstätte im nördlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Dem trägt der für den Schulbau verantwortliche Landkreis seit einem Jahrzehnt durch einen bald 40 Millionen Euro teuren Neubau an selber Stelle Rechnung.

In mehreren Bauabschnitten gestaltet das kreiseigene Da-Di-Werk das Lernen an der Heinrich-Heine-Straße auf Kreistags-Beschluss attraktiver und moderner. Doch trotz sichtbarer Erfolge und weiterer nahender Fertigstellungen herrscht im Kollegium sowie in Teilen der Eltern- und Schülerschaft Unzufriedenheit. Ihr verlieh Schulleiterin Sabine Behling beim Antrittsbesuch des neuen Ersten Kreisbeigeordneten Lutz Köhler in der ersten Ferienwoche Ausdruck.

Aueschulleiterin Sabine Behling lobt Schuldezernent Lutz Köhler für schnelles Kommen

Vorweg: Köhler kam nicht allein. Als fachlich bewanderte Rückendeckung hatte der Christdemokrat mit Holger Gehbauer den Betriebsleiter des Da-Di-Werks mitgebracht. Münsters Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos) und mehrere Mitglieder des Gemeindevorstands machten sich beim Ortstermin ebenfalls ein Bild.

Zweitens vorweg: Trotz ihrer klaren, mitunter forsch vorgetragenen Forderungen malte Behling auf der Dauer-Baustelle vom Status quo kein Schwarz-Weiß-Bild. Sie lobte Köhler für sein schnelles Kommen – schließlich verantwortet der erst seit Juni das infrastrukturelle Wohl und Weh von 81 öffentlichen Schulen im Landkreis. Köhlers Vorgänger Robert Ahrnt (Grüne), den die neue Kreis-GroKo (und die FDP) nach der Kommunalwahl abberufen hatten, habe sie trotz der (auch finanziell) herausragenden Stellung des Aue-Schulbau-Projekts kein einziges Mal vor Ort gesehen.

Dazu lobte Behling beim Rundgang, was es aus ihrer Sicht zu loben gibt: das seit 2014 fertige, noch immer taufrisch wirkende Naturwissenschafts-Gebäude; die innovativen „Lernlandschaften“ für die Fünft- und Sechstklässler, die 2019 bezogen wurden; die dreifeldrige Gersprenzhalle für den Schulsport; und den baldigen Vollzug sowohl von neuer Mensa und Betreuungsräumen als auch weiteren Lernlandschaften, die nach den Sommerferien in Betrieb gehen und dann auch den Siebt- und Achtklässlern eine modernere Beschulung bescheren sollen.

„Hier geht nicht mal Kreide. Das sind keine Lernvoraussetzungen fürs 21. Jahrhundert.“

Sabine Behling, Leiterin der Schule auf der Aue

Sie merken jedoch: Da fehlen zwei Jahrgänge. Die Neunt- und die Zehntklässler nämlich können von offen gestalteten Lernlandschaften aus technisch ambitionierten Klassenräumen, einem „Differenzierungsraum“ für individuelle Kleingruppen-Betreuung und einem „Marktplatz“ zum Treffen weiter nur träumen. Ihre Realität heißt „MobiSkul“, besteht aus viel Holz und im Sommer aus stickig-warmen Räumen.

Die im Landkreis seit zehn Jahren an verschiedenen Schulen eingesetzte „Innovation“ sollte an der Aue-Schule ein Provisorium für die Bauphase sein. Behling fürchtet aber, die MobiSkul könnte zur immobilen Dauerlösung – und langfristiger Teil der Antwort auf die prognostizierte Schülerzahl-Steigerung auf 1 200 – werden. Wovor sie gern einen Riegel schieben würde: „Das Ding kann hier nicht ewig bleiben!“, rief sie beim Rundgang aus. Um kurz darauf zu zeigen, dass man in den Klassenräumen der MobiSkul noch immer auf die Smartboards warte, ebenso wie auf WLAN. „Hier geht nicht mal Kreide“, pointierte sie. „Das sind keine Lernvoraussetzungen fürs 21. Jahrhundert.“ Vor allem nicht, schickte sie nach, „wenn die Kinder in den vier Jahren zuvor modernste Bedingungen hatten“.

„Das Ding kann hier nicht ewig bleiben!“: Schulleiterin Sabine Behling fürchtet, dass die hier abgebildete MobiSkul vom Provisorium zum Dauerzustand wird.

Immerhin: Mit Blick auf die sich im Sommer stark aufheizenden Räume der MobiSkul stellte Da-Di-Werk-Leiter Gehbauer Abhilfe in Aussicht, insbesondere durch die Automatisierung des Sonnenschutzes. Während die Jalousien bei hohen Temperaturen künftig vorbeugend schon am Wochenende runtergehen könnten, bleibt der Aue-Schule – besser: ihrer Verwaltung – ein anderes Problem noch länger erhalten: die spartanischen Arbeitsbedingungen in jenem Gebäude, aus dem Mensa und Betreuung zwar bald in zeitgemäße Räume umziehen dürfen, wo Schulleitung und Sekretariat aber bleiben müssen. „Das Gebäude ist undicht, seit 20 Jahren läuft das Wasser rein“, vernahm es Vize-Landrat Köhler aus Behlings Mund. Samt der Sorge, mit der Modernisierung des Trakts werde es wohl nie was werden. Gehbauer verhehlte nicht, dass sich das Gebäude im Bestand „nicht besser machen“ lasse und ein zweigeschossiger Neubau an selber Stelle „technisch extrem aufwändig“ wäre.

Vorhang zu und alle Fragen offen also? Für die Aue-Schule hat Sabine Behling die Erwartungen jedenfalls aufs Neue unmissverständlich kommuniziert. Dem neuen Dezernenten Lutz Köhler dürfte dieser Besuch auf seiner Auftakttournee durch die Landkreis-Schulen in besonders prägender Erinnerung bleiben. In Zeiten rapide steigender Baukosten, eines angespannten Kreishaushalts und Darmstadt-Dieburger Kommunen, die höhere Kreis- und Schulumlagen kaum bejubeln, heißt das jedoch nicht, dass der Landkreis alle irgendwann mal geweckten Hoffnungen tatsächlich erfüllen wird. Auch nicht an der Münsterer Schule auf der Aue, einem seiner größten Paradeprojekte. (Von Jens Dörr)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare