Kritik an deutschen Waffenlieferungen

Demonstration: Kurden mahnen friedlich Solidarität an

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Den kurdischen Frontfrauen mit ihren Protestplakaten, Fahnen und Bannern folgten rund 600 Demonstranten und ein Tross an Polizei. Der Marsch gen Dieburg verlief friedlich durch einen kilometerlangen Stau auf der halbseitig gesperrten L 3094.

Münster - Die Demonstration von laut Polizei 500 bis 600 Kurden von Münsters zu Dieburgs Rathaus verlief zwar lautstark, aber äußerst friedlich. Von Thomas Meier 

Rund 70 Bereitschaftspolizisten waren gekommen, den Protestmarsch gegen Erdogans Politik zu begleiten, hinzu gesellten sich zahlreiche heimische Ordnungshüter. Eingreifen mussten sie zu keinem Zeitpunkt.
Solch einen Aufmarsch hatte Münster noch nicht erlebt. Überhaupt dürfte es lange her sein, dass sich dort an der Gersprenz rund 600 Menschen – eher mehr –  zu einem gemeinsamen Umzug formierten. Selbst der Festzug zur Kerb, einzig verbliebenen größere öffentliche Feierlichkeit mit einem Rundmarsch, hat nicht annähernd solch einen Zulauf wie die Demonstration der Kurden, zu der ein Privatmann aufgerufen hatte. Dass die dann auch noch laut „Hoch die internationale Solidarität“ skandierend vom Rathaus auf die Hauptstraße zogen, verwunderte dann doch viele Passanten, die staunend auf der Straße stehen blieben, und Zuschauer, die aus den Fenstern der Häuser blickten.

Schon vor 17 Uhr, dem Beginn der Demo, war der Rathausplatz gut gefüllt mit Menschen kurdischer Abstammung, die aus dem gesamten Dieburger Land angereist waren. Und bis der Umzug nach Sonnenuntergang startete, waren auch die Zufahrtswege zum Rathaus „gestoppte voll“, wie ein Anwohner bemerkte, fragend, wer denn den ganzen Einsatz wohl zahle.

Einsatzleiter Klaus Pauls, der die Zahl der Demonstranten mit 500 bis 600 bezifferte, wollte zwar „aus taktischen Einsatzgründen heraus“ nicht verraten, wie viele Polizisten zu Fuß, in Einsatzfahrzeugen und auf Motorrädern den Tross begleiteten, doch junge Bereitschaftspolizisten, die aus Wiesbaden herangekarrt wurden, waren da schon auskunftsfreudiger.

Auffallend viele Frauen protestierten gegen den Krieg, den die Türkei im Kanton Afrin in Nordsyrien gegen die Kurden führten. Sie dürften nicht nur die Mehrheit der Demonstranten ausgemacht haben, sie wurden mit großen und kleinen Plakaten auch an die Front des Umzuges geschickt. Angeleitet von Männern und gefolgt von Kurden, die wie die Frauen gelb-rot-grüne Fahnen schwenkten. Sie waren ebenso erlaubt wie emporgehaltene Plakate mit „Es lebe Efrin“ oder „Nieder mit der Kurdenunterdrückung“. Öcalan-Bilder, verbotene Fahnen oder Symbole waren nicht zu sehen.

Kurdendemo in Münster: Bilder

Dafür verteilten Frauen Flugblätter an Passanten, die Basisdemokratie, Frauenbefreiung und Ökologie zum Inhalt hatten. Und eine klare Anklage dagegen waren, dass die türkische Armee in Afrin die kurdischen Landsleute mit Leopard-Panzern, G3-Sturmgewehren und Geschützen aus deutschen Waffenschmieden bekämpft: „Die deutsche Bundesregierung ist also direkt mitverantwortlich für die türkischen Kriegsverbrechen in Afrin.“

Dass die Kurden in Südhessen zwischen Münster und Dieburg mit ihrem Protestzug ein Zeichen setzen wollten gegen die Eskalation des Krieges in Syrien, blieb in der späten Hauptverkehrszeit nicht unbemerkt. Die Landesstraße zwischen den beiden Orten war in Fahrtrichtung Dieburg halbseitig gesperrt, die Zu- und Abfahrten an die B 45 Dieburg-Nord komplett dicht. Wer sich im Stau befand, hatte Zeit und Muße, sich seine Gedanken dazu zu machen. „Aber genau das wollen wir ja auch. Dass das Problem unserer Heimat auch mal in Deutschland bewusst wahr genommen wird“, erklärte eine kurdische Organisationshelferin in bestem Hochdeutsch.

Der Weg war das Ziel, denn in Dieburg löste sich kurz nach 19 Uhr der Protestzug schnell in Wohlgefallen auf.

Quelle: op-online.de

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