Demos im Seniorenheim

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In Dieburg gab es ein lautes Pfeifkonzert vor dem Seniorenheim.

Dieburg/Münster (lho/tm) - Schrille Trillerpfeifen-Töne und lautes Topfgeschepper: Die Anwohner der Gerhart-Hauptmann-Straße staunten am Dienstagmorgen nicht schlecht, was da von den Senioren des St. Rochus Altenheims zu ihnen herüberschallte.

Der Klang (oder vielmehr: der Lärm) ließ vermuten, dass die Bewohner des Heims gerade ein riesiges Geburtstagsfest mit Topfschlagen und Partytröten feiern.

Doch weit gefehlt, das Pfeifkonzert hatte einen ernsten Hintergrund. Und dass dabei soviel Radau gemacht wurde wie möglich, war pure Absicht. Denn mit dem völlig unmelodiösen Konzert wollte das Orchester aus Seniorenheimbewohnern, Pflegekräften und Angehörigen auf sich und sein Anliegen aufmerksam machen.

Öffentlichkeit aufmerksam machen

Und nicht nur in Dieburg versammelten sich um 10 Uhr am Dienstagmorgen Senioren mit ihren Rollatoren und Rollstühlen zusammen mit ihren Pflegerinnen und Pflegern vor ihrem Altersheim und machten ordentlich Krach. In ganz Hessen waren die Einrichtungen aufgerufen, die Öffentlichkeit auf die kritische Situation in der Pflege aufmerksam zu machen. Aufgefordert dazu hatte die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen. Gepfiffen wurde für eine erstklassige Pflegepolitik in Hessen.

Damit reagieren sie auf die demografische Entwicklung und die Ergebnisse des hessischen Pflegemonitors. Mit der Kampagne soll ein positives Bild über den Altenpflegeberuf in der Öffentlichkeit gefördert, Nachwuchs gewonnen und die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden.

Immer mehr Pflegeleistungen benötigt

„Gefordert ist mehr Engagement bei der Lösung des hessischen Pflegeproblems“, sagt so auch Wolfgang Linck von der Seniorendienstleistungs gGmbH Gersprenz im Haus Münster. In der Wilhelm-Lehr-Straße habe man sich zwar nicht mit Aktionen oder Trillerpfeifen an der Protestaktion beteiligt, gleichsam sehe man allerdings die Politiker in kommunalen, Landes- und Bundesparlamenten gefordert.

Auch Linck, bis vor kurzem noch in Darmstadt in Diensten und dort auch für eine bessere Pflegesituation auf die Straße gegangen, kennt die Zahlen, die unmissverständlich sind: Bis zum Jahr 2015 braucht Hessen knapp 1 600 Altenpfleger mehr, um die Versorgung von bedürftigen Menschen so aufrecht zu erhalten, wie wir sie heute kennen. Das sind die Ergebnisse des hessischen Pflegemonitors. Auch die demografische Entwicklung belegt, dass die Gesellschaft immer älter wird und immer mehr Pflegeleistungen benötigt. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Schulabsolventen jedoch ab. Schon heute ist es in vielen Regionen Hessens schwierig, Fachkräfte zu finden.

Quelle: op-online.de

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