Kikeriki Theater

Derbe Kaiserkrönung in Kulturhalle

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Die Puppenspieler (von links) Hanno Winter, Jeannette Dintelmann und Felix Hotz. Nicht im Bild ist Florian Harz.

Münster - Man sollte ihn kennen, den Freiherren Franz von Zossenhain. Denn er hat so manches gedreht in Münster. Zum Leben erweckt wurde dieser Edelmann mit französischem Blut von den Puppenspielern des Kikeriki Theater Darmstadt. Von Peter Panknin 

Bekannt für Comedy und gewaltigem Wortwitz brillierten die Künstler an zwei Abenden auf der Bühne der Kulturhalle mit ihrem Stück „Deppenkaiser“. Das Bühnenbild zeigte drei märchenhaft schöne alte Häuser mit angedeutetem Fachwerk, Blumenkästen hingen vor den Fensterbänken und ein warmes Licht von den Seiten erzeugte heimelige Stimmung. Eine ruhige Stimme begrüßte: „Bei uns dürfen Sie alles. Essen, Trinken, Entspannen, auch mal einen Bumbes lassen – nur eins dürfen Sie hier nicht: nachdenken“. Dies löste beim Publikum den ersten großen Lacher aus.

Erzählt wurde die Geschichte der „ganz besonders lieben netten Leute, die besonders freundlich, besonders friedlich und vor allem besonders fröhlich“ in ihren kleinen, feinen Häusern jeden Tag als Festtag erlebten. So sahen die Zuschauer also den ersten schönen Sonnenaufgang über dem Dorf, ein Fensterladen ging auf und das erste fröhliche „Guude Moije“ erschallte. Indes: Die Reaktion der Leut´ im Saal war nicht zufriedenstellend, also wurde geübt, zurückzugrüßen. Das klappte schnell, und jedes Mal, wenn im Laufe des Spielverlaufs ein „Guude Moije“ von der Bühne kam, donnerte eine lautstarke Antwort aus dem Publikum zurück.

Die Bewohner der Häuschen erläuterten ihr tägliches Glück mit „Brezzel, Schoppe un Handkäs“, das sie immer miteinander teilten. Bis der „fremde Reitersmann“ erschien. Sein Reittier, ein in Ehren ergrautes Eselchen mit dem Zelt eines Feldherrn auf dem Rücken, konnte mit Ohren und Schwanz wackeln, auch, dass seine Verdauung funktionierte, wurde demonstriert.

Typisch für das Kikeriki Theater ist nicht nur die liebenswerte, teilweise derb gesprochene Mundart, auch gewisse Spitzfindigkeiten haben sich zum Markenzeichen entwickelt. So wird Roßdorf zum Running Gag. Denn als der französische Edelmann feststellte, dass die lieben Bürger im Dorf keinerlei Währung haben, keine Papierwerte also, sagte er, „das ist ja wie hinterm Mond, da hätte ich ja auch in Roßdorf bleiben können“. Auch Münsters „Lieblingsnachbargemeinde“ Eppertshausen blieb nicht unverschont, denn der Edelmann „spricht ein seltsames Französisch, der muss von weit hinter Eppertshausen herkommen“.

Mit dem Geld kam die Unzufriedenheit und Streit. Höhepunkt war die Auseinandersetzung zwischen Bäcker und Reitersmann, der verkündete, zur anderen Seite der Bühne reiten zu wollen. „Rollen – nicht reiten“ verbesserte ihn der Bäcker. Er müsse es ja wissen, schließlich sei er es, der das Tier gebaut habe. Flugs erschien der lenkende Reiter des Esels unterm Tier hervor, zeigte sich neben der von ihm geführten Puppe des Reitersmanns und startete eine Schimpfkanonade auf den armen Bäcker. Der Wortschwall. Wer nicht im hessischen Sprachraum aufgewachsen war, kam an die Grenzen seiner Möglichkeiten des Verstehens. Doch ebenso gewaltig war auch der tosende Applaus des Publikums.

Danach lief alles wieder in geordneten Bahnen, der Zossenhain schlug vor, jemanden zu bestimmen, der als Obrigkeit alles regelt. Brav folgten die lieben Leut’ dem Ratschlag, aber auch diese Sache eskalierte. So, wie jeder mehr Geld als der andere haben wollte, so steigerte man sich auch in der Obrigkeit. Wurde der eine zum Ortsvorsteher, übernahm der andere die Rolle des Herzogs, der über dem Ortsvorsteher rangiert. Gekrönt wurde das Ganze dann von der einzigen mitspielenden weiblichen Person, die sich zur Königin ernannte. Da das so nicht weitergehen könne, schlug der Freiherr von Zossenhain vor, einen zu bestimmen, der über allen steht. Bescheiden schlug er vor, ihn zum Kaiser zu ernennen. Gesagt, getan. Geräusche von heftigem Sägen, Hämmern und anderen Bautätigkeiten füllten den Saal, denn so ein Kaiser braucht ja eine angemessene Wohnstätte. Schließlich tauchte im Licht der Bühnenstrahler eine imposante Kaiserburg auf. „Einfach Wahnsinn, nur Deppen können auf so eine Idee kommen“, so das Resümee der „lieben Leute“, verbunden mit der Frage, ob nun Markt- oder Zettelwirtschaft herrscht. „Aber wir haben ihn ja zum Kaiser gemacht, daher ist er ein Deppenkaiser“ – und denken war ja verboten.

Nicht immer ist die Kulturhalle in Münster derart gut besucht, pro Tag mehr als 500 Gäste im Saal, und nicht immer ist die Stimmung bei den Aufführungen so entspannt und heiter wie an diesen beiden Tagen. Zwei überaus gelungene Vorstellungen, die vom Publikum genossen wurden.

Quelle: op-online.de

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