53.291 Kilo Lebensmittel „gerettet“

„Foodsharing“: 18 Kooperationspartner in Münster, Dieburg und Umgebung

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„Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen“: Diesem Motto haben sich Gerhard Deisinger (links) und Karsten Heinrich als „Foodsharing-Botschafter“ verschrieben.

„Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen“: So lautet das Motto der Initiative „Foodsharing“. Das Ziel, insbesondere Essbares in Lebensmittel-Betrieben aller Art abzuholen und sie zugleich vor der Biotonne zu bewahren, verfolgt der im deutschsprachigen Raum mit 40.000 Mitgliedern aktive Verein seit einiger Zeit auch in den Regionen Dieburg sowie nördlicher Odenwald.

Dieburg/Münster –  Der Groß-Zimmerner Karsten Heinrich (für Dieburg) und der Roßdörfer Gerhard Deisinger (für den nördlichen Odenwald) fungieren als ihre „Botschafter“. Bei den „Botschaftern“ laufen in der jeweiligen Region die organisatorischen Fäden zusammen. Daneben gibt es pro Region mehrere „Foodsaver“ („Essensretter“), die die Lebensmittel in den Betrieben abholen und so vor dem Wegwerfen schützen. Jedes „Foodsharing“-Mitglied, organisiert über die Website www.foodsharing.de, kann zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten anschließend kostenlos oder gegen eine kleine Spende auf die noch durchweg genießbare und oft erstaunlich gut erhaltenen Produkte zugreifen.

Heinrich nimmt die zentrale Funktion in der Region Dieburg, die etwa den östlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg umfasst, seit rund drei Jahren wahr. Deisinger arbeitet im nördlichen Odenwald, der sich von Groß-Bieberau bis Erbach und Michelstadt erstreckt, seit einigen Monaten am Aufbau einer der in Deutschland am neusten zu erschließenden Regionen der „Foodsharing“-Initiative.

Dadurch, dass das „Food-sharing“ im Dieburger Raum schon länger aktiv ist, hat es im Organisationsgrad noch einen Vorsprung auf den nördlichen Odenwald. „Wir haben 120 Mitglieder, von denen zirka 50 aktiv sind“, sagt Heinrich. Ein paar von ihnen bringen sich auch als Essensretter ein und holen die Lebensmittel bei den bislang 18 Kooperationspartnern ab. Die reichen vom Discounter über den gehobenen Lebensmittel-Markt bis hin zu kleinen Bäckereien. Lokale Schwerpunkte sind Dieburg, Münster, Groß-Zimmern und Groß-Umstadt. Angesichts der Fülle von potenziell als Partner in Frage kommenden Betrieben ist das auch in Heinrichs Augen noch klar steigerungsfähig aus. In Babenhausen, mit allen Stadtteilen zusammen immerhin mehr als 16 000 Einwohner stark, gibt es derzeit etwa keinen einzigen Kooperationspartner. Wo es welche gibt, scheuen diese meist die Öffentlichkeit (siehe Infokasten).

Im Odenwald hat Deisinger in der Kürze der Zeit immerhin schon 70 Mitglieder und neun Betriebe für das Ansinnen des Reduzierens von Lebensmittel-Verschwendung gewonnen, alles ehrenamtlich, wie auch Heinrich selbst in der gehobenen Position des „Botschafters“ keinen Cent für seine gemeinnützige Arbeit sieht. Was nicht heißt, dass die Regionalgruppen keine Spenden brauchen könnten: Unter anderem der Sprit fürs Abholen der Lebensmittel im Privatfahrzeug will bezahlt sein.

Wobei Heinrich und Deisinger immer wieder betonen, „dass wir möglichst wenige Kilometer fahren wollen und die Routen beim Abholen der Lebensmittel deshalb möglichst geschickt legen“. Denn der ökologische Aspekt sei ihnen mehrfacher Hinsicht wichtig. Nicht nur, dass die erzeugten Lebensmittel möglichst vollständig verwertet werden sollen. „Wir wollen auch keine weiten Strecken durch die Landschaft kutschieren, um dann ein paar Brötchen zu retten.“ Was geschicktes Koordinieren und Planen voraussetzt, um nachhaltig zu wirken.

Unter den „geretteten“ Lebensmittel (Deisinger: „Zu 90 Prozent gehen sie an Menschen, zu zehn Prozent werden sie an Tiere verfüttert“) sind den beiden „Botschaftern“ zufolge vor allem Backwaren, Molkereierzeugnisse, Obst, Gemüse, Salat sowie abgepackte Wurst und Käse. Darüber hinaus nehme man auch Hunde- und Katzenfutter oder Schnittblumen mit. In der Regel sind die Produkte abgelaufen oder aus optischen Gründen nicht mehr gut zu vermarkten, aber noch bedenkenlos essbar. Die „Foodsharer“ ziehen aus hygienischen wie haftungstechnischen Gründen aber auch Grenzen: „Abgepacktes Sushi würde ich zum Beispiel nie verteilen“, sagt Heinrich. Auch verarbeitete Lebensmittel – etwa Reste großer Buffets – können sie wegen des Zeitdrucks der Abholung und Verwertung kaum vor der Biotonne bewahren.

Wer sich näher mit dem Thema befassen, in der Initiative in der Region einbringen oder „gerettete“ Lebensmittel verwerten möchte, für den ist die erste Anlaufstelle die Website www.foodsharing.de. Für die Region Dieburg wurden inzwischen feste Verteilzeiten und -orte eingerichtet: freitags um 13 Uhr auf der Terrasse des Groß-Zimmerner Mehrgenerationenhauses (Otzbergring 1) und ebenfalls freitags um 15 Uhr im Groß-Zimmerner Jugendzentrum (Am Festplatz 1). Wer registriert ist, erhält zudem online Hinweise auf weitere, zu anderen Zeiten bereitstehende Lebensmittel, die gerade aus den Betrieben geholt wurden. Wer die Initiative als „Foodsaver“ unterstützt, kommt bei der Lebensmittel-Vergabe (die anders als bei den „Tafeln“ nicht an Bedürftigkeit gekoppelt ist) zuerst zum Zug.

Die Kernzahlen, die Heinrich und Deisinger für ihre jüngsten Bemühungen nennen, lassen aufhorchen: Bei den Odenwäldern wurden binnen drei Monaten 4 591 Kilo Lebensmittel vor der Tonne bewahrt und stattdessen an „Foodsharing“-Mitglieder gegeben. In der Region Dieburg „retteten“ der „Botschafter“ und die „Foodsaver“ bereits 48 700 Kilo vor dem Müll.  

jd

Quelle: op-online.de

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