Der Herr der Spiele

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Sven Willmann, besonnener Unparteiischer des TSV Altheim, ist seit einigen Wochen Obmann der Kreisschiedsrichter-Vereinigung Dieburg.

Dieburg - Altheim Schiedsrichter haben bekanntlich nicht nur Freunde. Bei Sven Willmann, Fußball-Unparteiischer des TSV Altheim, nimmt man den Mund aber nicht zu voll, wenn man sagt: Der kann gut mit den Spielern. Von Jens Dörr

Die besonnene, höfliche und kommunikative Art Willmanns auf dem grünen Rasen hat ihn vor einigen Jahren in die Hessenliga, der höchsten Spielklasse des Bundeslands, geführt. Seit einigen Wochen bekleidet Willmann auch das Amt des Obmanns der Kreisschiedsrichter-Vereinigung Dieburg.

Dort liegt es unter anderem in den Händen des 31-Jährigen, wer in anderen Fußballkreisen und der hiesigen C- und D-Liga unter wessen Leitung kickt. Überwiegend übers Internet verschickt Willmann die Männerspiele von A- und B-Liga im Austausch etwa mit Darmstadt oder dem Odenwald, besetzt im Fußballkreis Dieburg die Partien der beiden Klassen darunter. Für ein Spiel der letzten Liga, der D-Klasse, schicken die Schiedsrichter-Vereinigungen keine Unparteiischen in den Austausch. „All das klappt aber nur so gut, weil mich der Schiedsrichter-Ausschuss toll unterstützt und ich auch die Rückendeckung des Kreisfußball-Ausschusses habe“, sagt Willmann. Dem gehört er qua Amt ebenfalls an.

Sportlich hat er sich für ein weiteres Jahr in der Hessenliga qualifiziert – denn auch bei den Schiedsrichtern gibt es Auf- und Abstiege, die auf Bewertungen zurückzuführen sind, die Schiedsrichter-Beobachter bei einer bestimmten Anzahl von Partien pro Saison vergeben. Persönlichkeit, Regelauslegung, Stellungsspiel, Zusammenspiel mit den Assistenten, Fitness und vieles mehr werden dort beurteilt. Im Amt des Kreisschiedsrichter-Obmanns stellt sich Willmann derweil einer weiteren Herausforderung.

Problemloser Übergang

Alles ehrenamtlich wohlgemerkt. Sein Geld verdient der Altheimer in einer Steuerberatungs-Kanzlei in Frankfurt, das Amt übernahm er bereits Anfang 2011 von Friedrich Keller. Der erkrankte Keller hatte zuvor viele Jahre lang das höchste Amt der Vereinigung bekleidet. „Ich konnte hineinwachsen, so dass der Übergang problemlos war“, beschreibt es Willmann. In der Ansetzung der Juniorenspiele unterstützen ihn Patrick Hartmann (TSV Altheim) und Sandro Sale (TSV Langstadt). Ab der kommenden Saison wird sich in dieser Funktion auch Manfred Speck (SV Münster) einbringen. Die meisten Kollegen erreichen sie inzwischen online via DFB-Net. „Zehn, zwölf Schiedsrichter bekommen ihre Spielaufträge aber noch per Post nach Hause.“ Der Dieburger Wilfried Wick etwa, über 70 Jahre alt, doch noch kein bisschen pfeifenmüde.

Bei der Besetzung der Männerspiele klappt das in der Kreisschiedsrichter-Vereinigung Dieburg mit ihren rund 150 Unparteiischen mittlerweile so gut, dass kaum noch Spiele „zurückgegeben“, also etwa aus zeitlichen Gründen abgelehnt werden. Anspruchsvoller ist die Besetzung bei den Nachwuchspartien, wo es laut Willmann einen größeren Rücklauf gebe. Alles stehe und falle „mit den Leuten, die uns die Vereine zur Verfügung stellen“. Im Dieburger Fußballkreis, zu dem auch die Rödermärker Teams gehören, funktioniert das noch ziemlich gut: 2012 blieben bei den Aktiven einzig drei D-Liga-Spiele unbesetzt und mussten von Vereinsmitgliedern gepfiffen werden. Im Raum Darmstadt oder auch in Unterfranken sind die Probleme da schon größer.

„Unsere Unparteiischen werden immer jünger“

Ganz davor gefeit ist allerdings auch Dieburg nicht: Im Mittelbau fehlt’s, also bei Schiedsrichtern zwischen 20 und 50. „Unsere Unparteiischen werden immer jünger“, hat Willmann festgestellt. Was einerseits erfreulich ist, andererseits aber auch nicht ganz unproblematisch. Ein Minderjähriger ist eher in Ausnahmefällen für das Leiten von Erwachsenenspielen geeignet.

Freude machen Sven Willmann, der auf vier Jahre gewählt ist, derweil Schiedsrichter wie Wolfgang Purschke (Viktoria Kleestadt) oder Florian Tesch (Hassia Dieburg), die pro Jahr mehr als 100 Partien pfeifen. Und Vereine wie der SV Münster, der auch Gastgeber der monatlichen Schiedsrichtersitzung ist: Er stellt Willmann zufolge die meisten Unparteiischen aller Vereine im hiesigen Fußballkreis.

Quelle: op-online.de

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