Hans Heckwolf nach 35 Jahren nochmals zum Ortsgerichtsvorsteher ernannt

Er schlichtet zwischen Tür und Angel

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Sie freuen sich über die erneute Ernennung (von links): Erster Beigeordneter Jan Stemme, Ortsgerichtsvorsteher Hans Heckwolf und Amtsgerichtsdirektor Ernst Porschitz.

Dieburg/Münster – Hans Heckwolf ist laut Münsters Erstem Beigeordneten Jan Stemme „eine Institution“. Von Thomas Meier

Und dies gilt auch für das Amtsgericht in Dieburg, in dem er sich nach 35 Jahren Tätigkeit als Schiedsmann und Ortsgerichtsvorsteher der Gemeinde Münster nun nochmals die Urkunde für weitere fünf ehrenamtliche Jahre als Vorsteher des kommunalen Ortsgerichtes abholte. Das Schiedsamt gibt er bald in jüngere Hände, die seiner Nichte Alexandra Heckwolf. Doch wird er dann ihr Stellvertreter sein.

Die ehrenamtliche amtsgerichtliche Karriere von Hans Heckwolf dürfte großen Seltenheitswert im Land haben. Dieser Werdegang nebst beruflicher Laufbahn ist sicher einzigartig, denn Heckwolf feiert in diesem Jahr noch sein 60-jähriges Dienstjubiläum. Dies ist mit darin begründet, dass der heute 75-Jährige 45 Jahre im öffentlichen Dienst – auf dem Rathaus in Münster – arbeitete und seine Ehrenämter zwar nicht bezahlt, wohl aber fürs Jubiläum im öffentlichen Dienst angerechnet werden.

Hans Heckwolf besuchte die Grundschule in Münster, ging sechs Jahre auf Dieburgs Realschule, um dann eine ähnliche Langzeitbindung mit der Verwaltung seines Geburtsortes einzugehen wie auf anderer Basis mit seiner Gattin Rosemarie, mit der er vor fünf Jahren goldene Hochzeit feierte. Der als Verwaltungsangestellter seine Berufslaufbahn Startende beendete den Aufstieg auf der Karriereleiter mit seinem Ruhestand am 31. Oktober 2003 „nach nahezu 45 Jahren“ Dienst im Rathaus als Verwaltungs-Oberrat.

Die „Graue Eminenz“, wie Stemme frotzelte, erlebte in seiner Laufbahn vier Bürgermeister. Am 1. April 1959 begann seine Rathaus-Karriere unter Bürgermeister August Ries, 18 Jahre arbeitete er mit Karl Herd im Amt, ebenso lange mit Karl Grimm, um noch sieben Jahre Walter Blank zu Diensten zu sein.

Seit November 1983 ist Heckwolf Ortsgerichtsvorsteher und Schiedsmann für den Ortsteil Münster. Ihm die erneute Ernennungsurkunde für die kommenden fünf Jahre als Ortsgerichtsvorsteher zu überreichen, war Amtsgerichts-Direktor Ernst Porschitz eine Ehre. Es sei sicher auch „ein Glücksfall für Münster“, wie er bekannte, denn es sei immer schwieriger, vor allem für kleinere Gemeinden jemanden für solche vertrauenswürdigen Ämter zu gewinnen. Vor allem jüngere Leute seien sehr schwer für solche Tätigkeiten zu begeistern, sagt Porschitz. Und Heckwolf freute sich, dass die Gemeindevertretung in ihrer Dezember-Sitzung einstimmig für seine erneute Amtszeit plädiert hatte.

Doch er weiß um die Nachwuchssorgen und tritt deshalb beim Schiedsamt in die zweite Reihe. Nichte Alexandra Heckwolf übernimmt den Part der Schiedsfrau für die Gemeinde, Hans Heckwolf macht den Stellvertreter. Es ist ein Tausch, denn die Nichte sammelte bereits Erfahrungen als Stellvertreterin beim Onkel. Bislang, so der Noch-Amtsinhaber, habe er seine Nachfolgerin im Amt stets bei ihren Fällen begleitet: „So gewinnt man Sicherheit“.

Als Schiedsmann hatte er früher viel mehr Fälle pro Jahr anzugehen als heute, wo es zwischen zehn und 15 sogenannter „Tür- und Angelfälle“ aber nur etwa zwei bis drei Vorkommnisse gebe, bei denen es wirklich zu einer Verhandlung komme. In seinen Anfangsjahren als Schlichter waren es ein Dutzend letzterer Fälle.

Die Tür- und Angelfälle tauchen in keiner Statistik auf, sie enden in außergerichtlichen Vereinbarungen. „Meist reicht es schon, wenn man denen, die den Schiedsmann zur Schlichtung anrufen, die Rechtslage verdeutlicht“, sagt Heckwolf, der den Leuten, die Streitigkeiten untereinander haben, rät, sich mal zusammen zu setzen oder an der Grundstücksgrenze ein Bier miteinander zu trinken und die Schieflage „wegzubabbeln“.

Der Klassiker ist der Baum, dessen Äste über die Grundstücksgrenze ragen. Doch gibt es freilich auch Gewichtigeres. Da waren beispielsweise einmal die beiden Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, die so hart aneinander gerieten, dass selbst die Schoppenlösung keine Alternative gewesen wäre. Diese „haarige Geschichte“ werde er fertig erzählen, wenn er einmal ganz von der Schlichter-Szene abtrete, meinte er lachend.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Anders ist seine Tätigkeit als Ortsgerichtsvorsteher ausgerichtet. Porschitz sagt: „Ortsgerichte gibt es bundesweit nur in Hessen. Sie sind ein gelungenes Beispiel für bürgernahe Verwaltung.“ Deren Vorsteher, die für fünf Jahre auf Vorschlag der Gemeinde vom Amtsgerichtsdirektor benannt werden, beglaubigen Unterschriften und Kopien, erteilen Sterbefallanzeigen, sichern Nachlässe und erstellen Wertermittlungsgutachten. 400 solcher Tätigkeiten fallen in Heckwolfs Amtsbereich jährlich an. Für ihn nun nochmals fünf Jahre lang.

Quelle: op-online.de

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