Digitalisierung bedroht Kaisersaal

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Bettina Herzing-Müller und Dieter Müller im altehrwürdigen Vorführraum des Lichtspielhauses Kaisersaal. Eine digitale Umrüstung würde sehr teuer werden.

Münster ‐ Was flimmerte schon alles über die Leinwand der Kaisersaal-Lichtspiele: Vom Stummfilmzeitalter bis zur Ära des Dolby Surrounds bewegten hier bewegte Bilder die Menschen. Stets blieb von 1936 bis heute die Familie Herzing mit ihrem Kino auf der Höhe der Zeit. Von Thomas Meier

Doch jetzt dräut eine neue Herausforderung am kleinen, aber feinen Filmpalasthimmel: die Digitalisierung. Für die Umrüstung ihres Kinos müssten Betreiber Bettina Herzing-Müller und ihr Mann Dieter Müller zwischen 75 000 und 110.000 Euro stemmen, eine Summe, die nicht nur den Leinwandrahmen zu sprengen droht.

Vorbei scheint die Zeit, in denen zwischen 20 bis 30 Kilogramm schwere Filmrollen auf riesige Teller gewuchtet werden mussten, in der vom Kinderstreifen bis zu „Titanic“ in Überlänge die Bilder auf Zelluloidstreifen aneinander gereiht waren. Digital kommen die Filme heute auf kleinen Speichermedien daher, werden auf Festplatten per Post geschickt oder laufen gar per Satellit direkt ins Vorführgerät.

15 Prozent der deutschen Kinoleinwände (über 4800 die zu rund 1800 Kinos gehören, gibt es insgesamt) sind bisher digitalisiert, vor allem in den Multiplexkinos. Weniger als zehn Prozent der Leinwände sind 3D-fähig. International und national nimmt die Zahl digitaler Spielfilme aber stetig zu, zudem erhöht die Digitalisierung die Flexibilität der Kinos und senkt die Verleiherkosten.

„Wir müssen warten, bis es finanzierbar ist.“

Vor einem halben Jahr auf einer Fachmesse wurden die Kinobetreiber mit den neuen Anforderungen konfrontiert. „Da sollte eine Komplett-Umstellung für unser Lichtspieltheater noch eine Viertelmillion Euro kosten“, sagt Bettina Herzing-Müller. Sie und ihr Mann staunen, dass es heute schon für weniger als die Hälfte möglich sein soll, doch was für beide so dramatisch ist: „Der Zuschauer unten im Saal merkt so gut wie nichts von diesen Umstellungen.“

Doch dass sie unumgänglich sind, ist den Betreibern bewusst: „Wir müssen warten, bis es finanzierbar ist.“ Weiterer Wermutstropfen: Für die Kinobetreiber ergeben sich Folgekosten, wenn die analogen durch digitale Projektoren ersetzt werden. Wegen der doppelt so hoch benötigten Lichtmenge erhöhen sich auch die Stromkosten.

Quelle: op-online.de

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