DJK-Kostümsitzung

Wo man politische Witze wählt

Das Kinderballett eroberte die Herzen des Publikums im Piraten-Handstreich. (Bild vergrößern)

Münster - Gewitzte Redebeiträge, originelle Musikdarbietungen und temperamentvolle Tänze bekommen die Zuschauer bei der Kostümsitzung der DJK Blau-Weiß Münster zu sehen, die am Samstagabend ihre Premiere hatte. Von Matthias Grimm

Es war eine närrische Gala vom Feinsten und das Publikum in der proppenvollen DJK-Halle trug die Aktiven mit „Dauer-Standing-Ovations“ und bester Feierstimmung durch das fünfstündige Programm. Eine außergewöhnliche Fußakrobatik „Feet of the Moment“ im Takt verschiedenster Musikrichtungen war der Startschuss für die Sitzung, bevor der Elferrat, angeführt von den Sitzungspräsidenten Nicole Erdmann und Achim Schledt, zusammen mit dem Orchester des Musikvereins Münster und der Präsidentengarde die Bühne betrat.

Außerirdisch anmutender Männerballett-Auftritt: verkabelt mit Leuchtschläuchen auf der DJK-Bühne. - Fotos: Matthias Grimm

Das politische Geschehen des letzten Jahres nahm Protokoller Jörn Müller mit spitzer Zunge aufs Korn, ob Angela Merkel oder der Bischof von Limburg – alle bekamen ihr Fett weg. Und auch die Lokalpolitik blieb nicht verschont: „In Münster lacht man nicht über politische Witze, hier wählt man sie.“ Als wirbelnde Piraten enterte das Kinderballett mit schwingenden Säbeln die Bühne. Die 21 kleinen „Jack Sparrows“ wurden von Manuela Mack und Martina Peter auf Kurs gebracht. Auch aus dem Talentschuppen der DJK entstammt Viktor Gilbert. Der 13-Jährige berichtete in der Bütt mit erstaunlicher Souveränität von den Strapazen eines Teenagers, wenn Eltern umbauen: „Iss de Handwerker fit? Kimmt er oder kimmt er nit?“

Zackig und mit traditionellem Marsch beginnt die Präsidentengarde (Leitung: Anja Wolf und Kristin Seib) ihren Auftritt, um anschließend nach moderner Musik zu tanzen. Und das passend zur Fußballweltmeisterschaft mit Trikots, bunten Fahnen und fliegenden Bällen. Als „uncooler“ Papa und „Dabbes vom Dienst“ erzählte Rainer Rosskopf von den Erlebnissen eines geplagten Familienvaters. Die vielen Lachsalven im Publikum zeugten davon, dass er mit seinen Pointen wohl voll ins Schwarze getroffen hat. Eine koordinative Höchstleistung war die Trommelshow der Gruppe „Die Beklobbde“. Atemberaubend, wie die jungen Männer als Müllmänner kostümiert die Stöcke auf Eimern und Tonnen wirbeln ließen. Kaum ein Auge blieb trocken, als Matthias Matheis einen Einblick in den Dienst eines Messdieners gab. So manches Anekdötchen dürften viele DJK‘ler aus ihrer eigenen Zeit als Ministranten selbst erlebt haben.

Mallorca-Stimmung verbreitete die Showtanzgruppe „Pani i Pani“: Männliche Touristen wickelten bei einem tänzerischen Urlaubsflirt bezaubernde Stewardessen zu bekannten Ballermann-Hits um ihren Finger. Ein Höhepunkt der DJK-Sitzung ist alljährlich der Auftritt der „Hinnergassebuwe“. Mit Blechblasinstrumenten, Pauken und Becken lassen sie es krachen, von Udo Jürgens bis zum Münsterer Kerblied – die Hinnergassebuwe haben alles drauf. Spektakuläre Ferienerlebnisse hatte Sandy Gerhold, die sie mit viel Witz in der Bütt mit dem Publikum teilte. Die „Einblicke in fremde Gemarkung“ während ihres FKK-Urlaubs in Jugoslawien stellten eine Herausforderung sowohl für die Fantasie der Zuschauer als auch deren Lachmuskel dar. „Heiße Feger“ mit flotter Choreografie – das Putzfrauen nicht immer nur Kittelschürze tragen müssen, das zeigten „Die Feen“ (Leitung: Steffi Senft und Irma Berninger) mit ihrem Showtanz.

Trommelnder Hinnergassebub.

Thomas Mack und Matthias Wolf demonstrierten während einer „Live-Hypnose“ auf der Bühne, wie ein Eppertshäuser sein Problem gelöst bekommt und in einen Münsterer verwandelt wird. Einer besonderen Herausforderung stellte sich das Männerballett (Leitung: Carmen Schwarzer): Verkabelt mit grellen Lichtschläuchen legte es im verdunkelten Saal zu den Klängen von „Avicii“ einen spektakulären Tanz auf die Bühne, der im Saal Begeisterungsstürme auslöste. Die Musiker der „Siebenschläfer“ tauschten den Äppelwoi gegen eine Maß Bier aus und animierten das Publikum mit bekannten Partyhits zum Mitsingen. Sie läuteten damit das große Finale einer rassigen Fastnachtsshow ein: „Die DJK in Weiß und Blau iss e Wucht mit Minster Helau.“

Quelle: op-online.de

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