Mit Dudelsack ins achte Jahrhundert

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Reichlich Andrang verzeichnete das Fest unter dem Motto „Münster reist ins Mittelalter“ auf dem Gelände des Schützenvereins „Waidmannsheil“ am Höllenberg.

Münster - Es gibt Veranstaltungen, die kommen vielleicht einmal und nie wieder. Am Wochende war so ein Fest unter dem Motto „Münster reist ins Mittelalter“. Von Michael Just

Was der kleine Schützenverein „Waidmannsheil“ als Fest mit Mitglieder- und Jedermannschießen am Höllenberg organisiert hatte, fand sich in dieser Form bisher in Münster noch nicht und konnte sich wirklich sehen lassen.

Über 20 mittelalterliche Stände waren es am Ende, die wie ein kleines Dorf beisammen standen und die Zeit um das achte Jahrhundert darstellten. An den Organisationsaufwand wollte Vorsitzender Harald Vollhardt (60) am Wochenende nicht mehr zurückdenken: „Das lohnt sich für das Image der Gemeinde, aber finanziell wohl kaum für den Verein. Nach vielen Jahren mit Country-Festival und Cowboy-Romantik musste aber jetzt einfach mal etwas Neues her.“

Auf Platz konnte der Schützenverein ohne Probleme zurückgreifen, denn eine Rasenfläche von 4 000 Quadratmetern gehört zum Vereinsgelände. Auf der tummelten sich bereits ab Freitagabend Gaukler, Bogenbauer, Dudelsackspieler, Schwertkämpfer und zahlreiche weitere Handwerker und Künstler. Ebenfalls liefen Ziegen umher, deren Besitzer frischen Käse anboten. Sogar ein Falkner, der mit drei Greifvögeln, einem Uhu und einem Geier angereist war, konnte bestaunt werden. Zum Programm gehörte außerdem ein Wettbewerb im Bogenschießen und die allabendliche Feuerschlucker-Show.

Hinter den Verkaufszelten aus weißen Stoffbahnen standen jeweils noch kleine Zelte, in denen die Gäste auf Fellen und Decken übernachteten. „Wir spielen das nicht nur, wir leben das auch“, erklärt ein Mann mit Vollbart, der Lederschuhe herstellt und verkauft.

„Die Mittelalterfreunde sind wie eine kleine Familie“, weiß Hagen (26). So könne man zu den entlegensten Märkten Deutschlands fahren – zwei oder drei Bekannte treffe man immer. Einige nehmen sogar bis zu 400 Kilometer jedes Wochenende auf sich. „Die Gewandschneiderin da vorne war jetzt sogar auf zwei Märkten in Norwegen. Es gibt aber auch welche in Frankreich, Ungarn oder Polen“, erzählt der Berufsmusiker, der sich mit seinen Kollegen in der Band „Capuddraconis“ der mittelalterlichen Musik verschrieben hat. Insgesamt kommt der Butzbacher auf rund 25 Märkte im Jahr. In Fachzeitschriften wie „Karfunkel“ sucht er sich die entsprechenden Termine heraus. Wie er sagt, werde er von seinem Beruf nie einen Porsche fahren, aber solange er damit über die Runden komme, sei er zufrieden. Der Spaß, jedes Wochenende eine Zeitreise zu unternehmen, entschädige ihn reichlich.

Auch seine Freundin Khara (25) hat er auf einem Markt kennengelernt. Wer am Wochenende von Stand zu Stand ging, merkte schnell, dass die Beschicker sich nicht mit ihren „richtigen“ Namen ansprachen. „Alle, die in der Szene aktiv sind, geben sich Clan-Namen“, erzählt Christa Fehrensen. Ihr Clan heiße „Autmundis“, was von der ersten urkundlichen Erwähnung von Groß-Umstadt abgeleitet sei. Sie selbst heiße „Jaelle“. So stecke hinter jedem der Namen eine bestimmte Geschichte. Oft würden einem die Namen von anderen Mittelalterfreunden verliehen.

So stellt sich später heraus, dass Musiker „Hagen“ im wahren Leben gar nicht „Hagen“ heißt. Seinen wahren Namen will der junge Mann mit den schwarzen langen Haaren aber nicht verraten. Seine Begründung klingt plausibel: „Das Mittelalter war eine äußerst geheimnisvolle Zeit und Münster im achten Jahrhundert ist es heute auch.“

Quelle: op-online.de

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