Unhaltbare Zustände auf Altheimer Aussiedlerhof

Dürre Rinder in verkoteten Ställen

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Wohlgenährt sieht anders aus: Seit Jahren verhängt das Veterinäramt Bußgelder gegen den Bauern, der seine Rinderherde bei Altheim verwahrlosen und hungern lässt.

Münster-Altheim - Seit vielen Jahren herrschen unhaltbare Zustände auf einem Aussiedlerhof. Verwahrloste, abgemagerte Rinder, verschlammte Weiden und Schrottablagerungen im Feld führen immer wieder zu Anzeigen und Amtseinschreitungen. Obwohl der große Hof bereits im April zwangsversteigert wurde, ändert sich bislang nichts. Von Thomas Meier 

Schon bis zum Metzger in Dieburg hat sich der bedauernswerte Zustand der Rinder auf den Schlammäckern zwischen Altheim und Harpertshausen in der Gewann Im Markwäldchen herumgesprochen. Etliche Altheimer Bürger selbst sind überrascht, dass nicht schon lange etwas gegen die Missstände auf dem Hof unternommen wurde: „Da haben doch schon viele bei der Gemeinde vorgesprochen. Und ich weiß von jemandem, der Anzeige gegen den Bauern gestellt hat. Wegen dem ganzen Müll, den der hier lagert“, sagt etwa eine Gassi-Geherin nahe des Gehöfts, die aber namentlich nicht genannt werden möchte.

Schaut man sich um, sieht man die ganzen Aufreger. Alles wird offen auf der großen Plane präsentiert: Magere Rinder stapfen durch Schlamm, andere stehen zusammengepfercht unter einem kaputten Zeltdach eines Unterstandes. Auf den Wiesen und Äckern um das Gehöft verrotten zahlreiche rostige Container, hinter Dornengebüsch lagert Bauschutt, liegt uraltes Gerät gammelnd umher. Um das Wohnhaus und seine Anbauten herum schaut es auch unaufgeräumt aus. Licht bricht sich in zersplitterten Scheiben kaputter Gewächshäuser. Nichts passt hier ins Bild idyllischer Landwirtschaft; abgewirtschaftet das alles.

Zwischen dem Durcheinander steht dann aber ein großer, moderner Traktor inmitten einer komfortabelen Werkstatt. Jemanden arbeiten sieht man indes nicht. Das Kreisveterinäramt weiß seit Jahren vom Zustand des Hofes, amtsbekannt ist er spätestens seit 2010. „Damals kam es zu punktuellen Beschwerden zur Mutterkuhherde“, weiß die Kreispressestelle auf Nachfrage zu berichten. Die ersten Hinweise führten noch nicht zu Maßnahmen wie etwa Bußgeld. Doch dies war nur der Anfang. Mittlerweile füllen die Vorkommnisse wohl ganze Aktenordner.

Die Spuren auf dem verschlammten Acker verraten: Hier wird manch anderer Mist abgeladen, als es der Landwirtschaft dient. Rund um das Gehöft Im Markwäldchen stehen große Container mit Müll und anderem Unrat darin. Bauaufsicht und Veterinäramt intervenierten bislang vergeblich gegen die Zweckentfremdung des Ackerlandes.

„Thema sind immer wieder verschlammte Weiden und ein verkoteter Stall“, heißt es aus dem Veterinäramt. Letzterer ist übrigens nicht ganz artgerecht in ehemaligen Treibhäusern untergebracht. Fürs Vieh gibt es laut Behörde keinen ausreichenden Witterungsschutz, nicht im Sommer, schon gar nicht im Winter. „... abgefressene Weiden ohne ausreichende Zufütterung“ heißt es in den Prüfberichten, „damit verbunden weiterhin der mehr oder weniger schlechte Ernährungszustand der Rinder“. „Es wurden vom Veterinäramt nicht nur Anzeigen verfolgt, sondern der Betrieb wurde wegen dieser Missstände regelmäßig überprüft und es wurden dabei mündliche oder auch schriftliche Anordnungen getroffen“, schreibt der Kreis unserer Zeitung. Wobei es ein „Auf und Ab“ gegeben habe: „Der Betrieb kam den Anordnungen erst mal nach, bevor es dann wieder schlechter wurde.“ Und es noch schlimmer kam.

Drei Strafanzeigen gegen den Bauern sind noch anhängig: aus den Jahren 2015, 2016 und 2017. „Außerdem wurden seit 2011 jährlich Bußgelder verhängt.“ Und nicht nur die Veterinärmediziner schlagen die Hände überm Kopf zusammen angesichts des Dilemmas. Auch die Bauaufsicht des Landratsamts ist mehrfach aktiv geworden, und zwar der undefinierbaren Ablagerungen auf den landwirtschaftlichen Flächen wegen: Container und Bauschutt und Behältnisse mit und ohne Inhalt gehören nicht auf den Acker. Alle Bemühungen waren bislang ebenso erfolglos.

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Die Gemeinde wurde ebenfalls schon vor Jahren aufmerksam gemacht. Auch ihre Interventionen liefen ins Leere. „Da hat ein Mensch wohl die Kontrolle über sich verloren“, heißt es kopfschüttelnd und bedauernd. Es kam, wie es kommen musste. Schulden führten zu einer Zwangsversteigerung des Hofes, bei der im April dieses Jahr ein Bieter aus Groß-Umstadt den Zuschlag bekam. Der darf sich jetzt zwar „Eigentümer“ des Anwesens nennen, „aber einen Fuß auf den Hof haben wir rechtlich und physisch noch nicht bekommen“, heißt es von dessen Seite.

Befragt, ob sich bald was ändern werde auf dem runtergekommenen Gehöft, ob wenigstens das Vieh bald nicht mehr darben müsse, kam nur die wenig hoffnungsvolle Antwort: „Mit dem Vieh haben wir gar nichts zu tun“, das gehöre weiterhin dem Altheimer Landwirt. Und auch auf die Ländereien könne man erst, wenn der Ex-Besitzer den Hof verlassen habe. Die Mühlen des Gesetzes müssen nun malen, damit die Miss-Landwirtschaft beseitigt werden kann. Und das Vieh bald vom Hungerleiden erlöst wird.

Quelle: op-online.de

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