Als „Easy Rider“ Richtung Süden

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Hildegard Stumm war eine der ersten Frauen aus Münster, die in den 50ern gemeinsam mit ihrem Verlobten auf einem Motorrad verreiste – das unverheiratete Paar übernachtete jedoch getrennt.jas/

Münster ‐ Wer war nicht schon in Frankreich, Spanien, in der Türkei oder auch schon in Asien oder in den Vereinigten Staaten von Amerika? Was heute für viele selbstverständlich ist, war noch vor einem halben Jahrhundert noch eine Seltenheit: Reisen. Von Jasmin Frank

Mit diesem Thema beschäftigt sich die aktuelle Ausstellung des Münsterer Museums an der Gersprenz. Die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins wollten wissen, wohin es die Einwohner in den fünfziger und sechziger Jahren zog. Auch Bürgermeister Walter Blank erinnert sich gerne an diese Zeit zurück: „Wir waren zu Hause acht Geschwister, da war Familienurlaub kein Thema. Ich bin aber mit der katholischen Jugend ins Zeltlager gefahren und habe nichts vermisst.“

Helma Müller vom Organisationsteam kann ähnliches berichten. „Urlaubsreisen wie wir sie heute kennen waren zu dieser Zeit einfach unüblich. Auch ich bin mit Jugendfreizeiten verreist und war 1952 sogar in Rom. Damit war ich als eine der ersten aus dem Ort überhaupt in Italien“, freut sich die 74-Jährige. Auch Mitinitiatorin Margarete Elster hat einiges zu erzählen und weiß: „Wir hatten hier ein Busunternehmen, das relativ früh Reisen in die Alpenregion unternahm. Häufig fuhren wir alle nach Abtenau, so dass über die Urlaube die Verschwisterung entstand, die in diesem Jahr 40-jähriges Jubiläum hat.“ Deshalb ist dem österreichischen Örtchen auch ein ganzer Bereich der Ausstellung gewidmet, in dem neben zahlreichen Fotos auch eine schöne Tracht zu sehen ist.

Überhaupt können sich die Besucher über eine Vielzahl von Bildern und Exponaten freuen, obwohl es für das Team gar nicht so einfach war, diese zusammen zu bekommen. „Nachdem das Thema feststand, haben wir dazu aufgerufen, uns zeitgenössische Gegenstände zukommen zu lassen. Doch wie so oft war die Resonanz eher gering. Meistens ist es so, dass die Leute erst dann, wenn sie durch die Ausstellung gehen, zu uns kommen und uns mitteilen, dass sie ähnliche Dinge auch noch zu Hause haben“, erzählen die beiden rüstigen Damen. Ein Hingucker ist auf jeden Fall ein knalliges orangefarbenes Hauszelt aus den Sechzigern, neben dem ein ebenso altes Motorrad geparkt ist. Nicht vielen war es vergönnt, auf so einem schicken Zweirad Richtung Süden zu fahren, doch auch in Münster gab es ein paar wenige frühe „Easy Rider“.

„Ach ja, das war schon toll“, erinnert sich Hildegard Stumm und schwärmt: „Ich wurde richtig bestaunt, denn für die damalige Zeit war das Reisen an sich schon ungewöhnlich, dann noch auf einem Motorrad und zudem mit meinem Verlobten. Es war ein großer Vertrauensbeweis meiner Eltern, dass wir 1953 in den Urlaub fahren durften, ohne verheiratet zu sein. Aber es war noch ein anderes Paar dabei und wir übernachteten natürlich nach Geschlechtern getrennt, etwas anderes war damals gar nicht möglich.“

So ändern sich die Zeiten und wer ein Stück dieser Münsterer Geschichte erleben möchte, kann an jedem ersten Sonntag des Monats zwischen 14 und 17 Uhr das kleine Museum für nur einen Euro Eintritt besuchen. Auch Schulklassen sind willkommen, sie können sich direkt mit Margarete Elster unter z    06071 34411 in Verbindung setzen.

Quelle: op-online.de

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