Ebene für Dialog finden

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Margarete Elster (rechts) dankt der Dr. Barbara Huber-Rudolf, Islam-Beauftragten des Bistums Mainz, für ihren Vortrag vor dem Münsterer Pfarrgemeinderat von St. Michael.

Münster ‐ „Wir müssen als Christen mit dem Islam im Dialog bleiben“, dies forderte jüngst die Islam-Beauftragte des Bistums Mainz vor den Mitgliedern des katholischen Pfarrgemeinderates von St. Michael in Münster. Dr. Barbara Huber-Rudolf wies in ihrem einstündigen Vortrag darauf hin, dass ein Abbruch des Dialogs aus Angst vor extremistischen Richtungen innerhalb des Islams gerade den Extremisten entgegen komme. Von Christina Schäfer

In Dialog treten heißt nicht, die Position des anderen vorbehaltlos übernehmen“, so die Islam-Beauftragte weiter. Viel mehr sollten die Christen auch ihren Standpunkt klar zum Ausdruck bringen.

Dr. Huber-Rudolf zog einen klaren Trennungsstrich zwischen islamkritisch und islamfeindlich: So sei es legitim, Hasspredigern zu widersprechen, die Zwangsheirat abzulehnen und Toleranz für Andersgläubigen zu fordern. Um einen vernünftigen Dialog führen zu können, müssen die traditionellen, kulturellen und historischen Hintergründe des Gegenübers bekannt sein. Die Referentin nahm sich viel Zeit, um Hintergründe zu erklären. So lernten die Pfarrgemeinderatsmitglieder unter anderem, dass ein klares Nein im Orient eher selten zu finden ist. Vielmehr werde dort eine indirekte Kommunikation gepflegt. Dieses Wissen soll das Finden einer gemeinsamen Sprachebene, ohne die kein echter Dialog entstehen kann, ermöglichen. Als Katholikin erinnerte Dr. Huber-Rudolf daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil einen Neubeginn der Beziehungen zu anderen Religionen – nicht zuletzt auch zum Islam – ermöglichte.

Es muss bezahlbar bleiben

Es gilt Misstrauen zu überwinden, schließlich sind auch Christen im Laufe der Jahrhunderte am Islam schuldig geworden. Kein Geringerer als Papst Johannes-Paul II hat dies im Jahr 2000 eingestanden und um Vergebung gebeten. Eine große Geste“, wie Dr. Huber-Rudolf meinte.

Nach dem vielseitigen Vortrag, dem auch einige Gäste beiwohnten, standen auf der Tagesordnung des Pfarrgemeinderat noch „Alltagsthemen“. „Nicht einfach nach einem solchen Referat, aber notwendig“, wie die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Margarete Elster feststellte.

So berichtete die Leiterin des katholischen Kindergartens Marietta Geist über Probleme bei der Renovierung des Kindergartens in Münster. Auch das Pfarrzentrum macht den Verantwortlichen derzeit immer noch Sorgen: Dort klaffen das Wünschenswerte und das Bezahlbare weit auseinander. „Aber bezahlbar muss es bleiben“, stellte sich der Pfarrgemeinderat voll hinter Pfarrer Schüpke und den Verwaltungsrat.

Quelle: op-online.de

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